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Für Ballister wird ein Traum wahr, als er ausgewählt wird, zum Ritter geschlagen zu werden. Doch bei der Zeremonie geht was schief, die Königin wird getötet und alles sieht danach aus, als wäre Ballister daran schuld. Sich fortan versteckend, trifft er auf die Gestaltwandlerin Nimona, die sich als sein Sidekick bewirbt. Denn jeder Schurke braucht sowas, wobei Ballister sich nicht als Bösewicht sieht, sondern endlich seine Unschuld beweisen will.

Etwas widerwillig begleitet ihn Nimona dann auch bei diesem Unterfangen und hierbei beschreitet der von Nick Bruno und Troy Quane inszenierte Animationsfilm zwar insgesamt recht bekannte Wege, kann aber dennoch mit seinen Eigenheiten punkten. Da wäre zuvorderst natürlich die titelgebende Figur, die mit ihrer destruktiven Grundeinstellung für diverse Lacher und Tempo sorgt und im Zusammenspiel mit dem eher gegenteilig charakterisierten Ballister dazu auch ein gutes Gespann abgibt. Rasant und auch humorvoll (der Brüller des Films gehört der „Aufzählungskunst“ eines gegnerischen Ritters) bietet die Geschichte selbst zwar im Kern nicht viel Neues und das Wie, Warum und Wer (auf die Antagonisten-Seite bezogen) kann man sich recht schnell zusammenreimen. Dies kaschiert „Nimona“ aber eben durch die genannten Eigenschaften ganz gut. Die dämonisch anmutende Hauptfigur bringt mit den Verwandlungen Abwechslung und bekommt dazu noch eine schön inszenierte Rückblende spendiert. Unterlegt ist das immer wieder mit rockigen Songs, vom ebenso immer wieder zitierten „Metal“ ist hier allerdings nichts zu hören.

Die Welt, in der das hier spielt, wollte sich dagegen nicht harmonisch zusammenfügen. Da wäre die Mischung aus Mittelalter und SciFi, die auf dem Papier zwar interessant klingt, die Umsetzung hier erreichte mich allerdings nicht ganz. Das gilt auch für den Stil, der flächig wirkt und nicht sehr in die Tiefe geht. Gewöhnungsbedürftig zumindest, mag man oder nicht. Auf die Transformationen selbst legt man dabei wenig wert, es geht mehr ums Ergebnis und was damit angestellt wird. Vom Wal bis zum Dämonenjungen (ein kleines Highlight) gibt’s dies und das, das dauernde Pink wirkt allerdings auf Dauer eintönig.   

Wenig eintönig ist derweil die Entstehung, denn der auf der gleichnamigen Graphic Novel basierende Film hat schon etwas an Geschichte hinter sich. Nachdem dieser eigentlich von Blue Sky Studios für 20th Century Fox produziert werden und schon 2020 erscheinen sollte, kaufte zwischenzeitlich Disney das Fox-Studio mitsamt der Animationsabteilung. Verschiebung reihte sich an Verschiebung bis Blue Sky schließlich von der Maus dichtgemacht wurde und somit auch die Produktion von „Nimona“ gestoppt wurde. Die gleichgeschlechtliche Ausrichtung von Ballister soll der Grund gewesen sein (hörte man aus Studiokreisen). Ja, der Ritter liebt einen anderen Mann, sie sagen sich das sogar und einen Kuss gibt’s auch. So what, das gibt es eben, warum auch nicht? Schließlich nahm sich Annapurna Pictures des Projekts an und veröffentlichte das Ergebnis bei Netflix.

Ein durchaus interessanter Animationsfilm ist „Nimona“ geworden. Und das trotz der wenig überraschenden Geschichte und dem mir nicht so sehr zusagenden Stil. Aber wie er das eben erzählt reißt doch einiges raus und die Figuren selbst tragen dazu noch weiter bei. Flott und auch mal witzig, in der zweiten Hälfte auch etwas emotionaler. Insgesamt ein netter Streifen mit einer etwas anderen Heldin. Nicht der große Wurf, aber Spaß macht's schon.

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