Review

No Sleep Till Dumpling

Schlaf heißt Tod. Das ist im Horrorgenre natürlich nichts Neues. Ein als harmlos angepriesenes Experiment stellt sich als gefährlich und unberechenbar heraus. Auch kein frisches Szenario. Ein Gruppe fremder Menschen eingesperrt und mit vielen Fragen in einem recht beengten Raum bzw. Gebäudekomplex. Ebenso alles andere als innovativ. Und „Double Blind“ benutzt all diese schon oft durchgespielten Szenarien und Klischees - und funktioniert dennoch ziemlich gut. Das muss man lobend erwähnen. Liegt das an den Figuren? Den Darstellern? Den Gewaltausbrüchen? Den visuellen Stimulanzien? Der knackigen Laufzeit? Guten Dialogen? Der „Was würdest du tun?“-Situation? Wahrscheinlich an mehreren dieser Punkte! 

Duracell-Versuchskaninchen

Von „Cube“ bis „Das Experiment“, von „Exam“ bis „Escape Room“, von „Nightmare on Elm Street 3“ bis „Circle“. Wie gesagt, das Szenario ist alt wie die Zeit. Aber es hat einen Grund, warum es funktioniert und wir „Menschen gefangen in einer Gefahrensituation“ irgendwie scheinbar gerne zugucken. Erst recht wenn sie gut gemacht und inszeniert sind wie bei „Double Blind“. Das Verhalten Figuren ist trotz der Extremsituation meist total nachvollziehbar, es gibt wirklich gruselige Traum-, Halluzinations- und Todessequenzen, jeder der mal länger als 30 Stunden am Stück wach war wird viele Dinge wiedererkennen und nachvollziehen können. Eine ganz fiese Situation. Außerdem bringt es „Double Blind“ rechtzeitig zu Ende und überstrapaziert sein Potenzial nicht. Soundkulisse ist solide, mal wieder Carpenter-light. Die Visuals können stark und beängstigend sein in Momenten auf der Schwelle zum Schlaf/Tod, doch die meiste Zeit wirkt die Untergrundversuchsstation grau, blau, monoton. Aber jetzt auch nicht zu ermüdend für's Auge. Und das Spiel mit Schlaf, Psychosen, Tricks und Finten, Träumen und Nahtodmomenten kann in seinen besten Phasen wirklich (positiv) stark verunsichern und den Boden mehrfach unter den Füßen wegziehen. Orientierungslosigkeit wird hier groß geschrieben. Deswegen finde ich „Double Blind“ sehr gemein und effektiv. Gerade auf der großen Leinwand und bei voller Konzentration - die einem bei diesem perfiden Labyrinth der Müdigkeit und Gehirnmanipulation aber auch kaum helfen wird. Dazu sind einfach zu viele Momente zu gut austariert, ausgeklügelt, verschachtelt und unterbewusst unangenehm. Nur das Ende ist schändlich gerusht und einfallslos. 

Fazit: ein Belagerungszustand der Sinne - intensiv, perfide, böse. Zum Glück eher unrealistisch. Die Vorstellung ist gruselig genug. Im Grunde irgendwie auch ein psychologischer „The Thing“. Kein Entkommen vor dem Sandmann! 

Details
Ähnliche Filme