Ich kenne die Vorlage nicht, aber wenn man auch nur kurz mal recherchiert, was die titelgebende Comicfigur so ausmacht, dann fragt man sich am Ende, ob die Macher dieser Verfilmung davon auch nur ansatzweise irgendwas gehört haben. In dieser Version aus dem „Filmuniversum mit ohne Spider-Man von Sony“ begibt sich Sergei Kravinoff auf die Jagd nach bösen Leuten, wobei die familiären Verhältnisse in Form seines als Drogenbaron tätigen Vaters und seines Halbbruders Dmitri immer wieder Thema sind.
Selbst nach seinen zwei Stunden kann ich die Geschichte nicht in einen sinnvollen Kontext setzen. Dazu ist das hier zu beliebig, zu schlecht verbunden und zu egal. Und nach einigen Szenen darf man sich fragen, wozu diese denn nun gut waren. Eigentlich ein Schurke, verkauft „Kraven the Hunter“ die Figur wohlwollend beschrieben als Antiheld, aber eigentlich soll man ihn schon gernhaben. Klappt nur nicht, weil man nichts an die Hand bekommt. Es gibt nur gefühlt endlose Monologe über Stärke, einen vorwärts und rückwärts stolpernden Plot, alberne Dialogzeilen und einen völlig charismabefreiten und uninteressanten Bösewicht. Eigentlich sogar derer drei, nur taugen die alle nichts. Rhino wirkt mit seinem Rucksack immer so, als würde er noch auf die Einschulung warten, Nikolai Kravinoff langweilt mit endlosem Gelaber und der Foreigner kann bis drei Zählen. Calypso hätte man weglassen können und es würde nicht auffallen. Die Titelfigur ist eindimensional, Aaron Taylor-Johnson tut allerdings auch nicht viel, um diesem Zustand abzuhelfen. Letztlich wirkt es so, als ob jede Figur hier in ihrem eigenen Film spielt, da passt einfach nichts so richtig zusammen.
Das Ganze sieht auch noch ziemlich hässlich aus. Die Farbgebung, das oft abgedunkelt wirkende Bild, die fehlende Tiefe, so lala visuelle Effekte. Selten so einen (inszenatorisch wie optisch) faden Endkampf gesehen. Am Ende baut man gleich noch völlig konstruiert den nächsten Gegenspieler auf und mit der Flauschweste auf den Schultern endet dieser filmische Unfall dann nach seiner völlig überdimensionierten Laufzeit. Hier zieht sich einiges und scheint kein Ende nehmen zu wollen. Da hilft es auch nichts, dass Ganze mit Blut aus dem Rechner zu garnieren.
„Get to the part where I start to give a shit!“
Am Anfang hört man „Hymn to Red October“. Am Ende denkt man, dass man den dazugehörigen Film hätte schauen sollen. Denn dieser von J. C. Chandor fabrizierte Mumpitz ist die Zeit, die er dauert, nicht wert. Da ist nichts, was Laune macht. Keine interessanten Figuren, viel Gesülze um Stärke und Schwäche, szenisches Füllmaterial, eine hässliche Optik und ein ganzer Haufen Langeweile.