Inspiriert von einer Kurzgeschichte von Edgar Allan Poe und wahrscheinlich auch einem Horrorfilm unter der Regie von Stuart Gordon, bringt Samuel Bodin mit seinem Langfilmdebüt diverse Versatzstücke modernen Horrors ins Spiel. Dennoch gelingt es ihm, das Publikum ein uns andere Mal an der Nase herumzuführen.
Der achtjährige Peter (Woody Norman) ist an seiner Schule ein Außenseiter und wird regelmäßig gemobbt. Auch seine Eltern (Lizzy Caplan und Anthony Starr) hören ihm kaum zu, wenn er einmal mehr nächtliche Klopfgeräusche hinter der Wand seines Kinderzimmers hört. Eines Tages wird die Vertretungslehrerin (Cleopatra Coleman) mittels einer Kinderzeichnung auf den Jungen aufmerksam, der inzwischen eine Flüsterstimme hinter der Wand wahrnimmt…
Ein Kernthema ist das mangelnde Vertrauen eines Kindes in sein soziales Umfeld. Da würde es wenig verwundern, wenn sich ein Junge in eine Phantasiewelt hineinsteigert, einschließlich einer imaginären Ratgeberin in der Wand, die sich irgendwann mit dem Namen Sarah vorstellt. Auch den Eltern ist grundlegend nicht zu trauen, da die Mutter offenbar selten bis gar nicht das Haus verlässt, während Dad über Gebühr auf Disziplin setzt, sich ansonsten aber reichlich desinteressiert zeigt.
Entsprechend langsam wird an der Spannungsschraube gedreht und nur selten kommt der Spuk in der ersten Phase über jenes Klopfen und die Flüsterstimme hinaus. Die wenigen jump scares sind allerdings schon auf akustischer Ebene überaus gelungen, während die eigentliche Bedrohung länger auf sich warten lässt. Das passt zu dem bisweilen geschickten Spiel mit Licht und Schatten, bei dem bewusst einiges im Verborgenen bleibt. Auch die Kamera arbeitet mit versierten Fahrten und variablen Perspektiven und trägt mithilfe des Scores zu einer latenten Atmosphäre von Anspannung bei.
Zum finalen Akt wird die Katze letztlich aus dem Sack gelassen und obgleich diesbezüglich einige Vorgänge erahnbar ausfallen, fügt sich der leicht grimmig anmutende Abschluss problemlos der Gesamtatmosphäre ein. Zwar fallen etwaige Gewalteinlagen eher harmlos aus, indem lediglich Resultate zu erspähen sind, doch bei der Bedrohung wurde auf CGI verzichtet, was dem Showdown ebenfalls zugute kommt.
Neben Lizzy Caplan als labil und launisch wirkende Mutter punktet vor allem Jungdarsteller Woody Norman, der seine Rolle augenscheinlich komplett verinnerlichte und das Treiben phasenweise allein zu bewerkstelligen vermag.
Mit einer knackigen Laufzeit von knapp 88 Minuten kommt der Stoff ohne Umschweife auf den Punkt, während die saubere Inszenierung und die eine oder andere erzählerische Finte zum Gelingen dieses Langfilmdebüts beitragen.
7 von 10