Review

Innenlandlich erfolgreiche Fortsetzung zum Buddy Picture Confidential Assignment (2017), die trotz der positiven Aufnahme des Ersten, eine Actionkomödie alter Schule, moderner Inszenierung, und dem Zusatztitel International tatsächlich international für keine weitere Verbreitung oder Aufmerksamkeit sorgte; 2022 wurde das koreanische Kino eher durch The Hunt an Eindruck geschunden, durch Project Wolf Hunting und der anderen Fortsetzung: The Roundups. Durch die hiesige Übernahme der beiden Stars vom Original, aber dem Austausch des Regisseurs entsteht im Übrigen eine Erwartungshaltung, die durchaus auf die Details achten lässt und nicht nur dem großen Ganzen, das Thema selber (Nordkorea und Südkorea müssen zusammen arbeiten, ob sie wollen oder nicht) ist dabei eher tot geritten mittlerweile, gehört als Grundsatz der Prämisse der Kumpelkomödie aber natural dazu und führt hier auch erneut zu Differenzen:

Bei der Überstellung des nordkoreanischen Geldwäschers Jang Myong-jun [ Jin Seon-kyu ] von New York nach Pjöngjang wird dieser auf dem Weg dahin von seinen Söldnern gewaltsam befreit; was auch die extra abgesandten und den Konvoi begleitenden Lieutenant Im Cheol-ryong [ Hyun Bin ], ein ehemaliger Untergebener des früheren Soldaten Jang, und der von der Einmischung sowieso nicht begeisternde FBI-Agent Jack [ Daniel Henney ] nicht verhindern können. Als Jang selber mit einem gefälschten Paß nach Seoul einreist, wird Im von seiner Partei nachgesandt, um vor Ort erneut mit dem lokalen, nun von Major Crimes zur Cyber Crimes degradierten Kang Jin-tae [ Yoo Hae-jin ] zusammenzuarbeiten; was vor allem Park Min-young [ Yoona ], der Schwägerin von Kang sehr, ihrer Schwester Park So-Yeon [ Jang Young-nam ] aber umso weniger gefällt.

Der internationale Teil ist der in New York, Schüsse am nächtlichen Hafen, Tote in der Lagerhalle, gestört durch eine Operation des FBI und eine erstmal geglückte Festnahme; Ausgangspunkt für grenzüberschreitende Verwicklungen und bald ein bekanntes Team und Terrain. Die 'amerikanischen' Szenen sind so, wie man sich das vorstellt, Genreware eher aus den frühen Tagen der Nullerjahre, mit ebensolchen Dialogen, Schauspiel und Darstellern selber, das erinnert an damaliges HK-Kino, die kurzfristig auch auf den Weltmarkt geschaut haben und sich vom lokalen Programm verabschiedet und in Richtung Westen, mit einer Nachahmung der Bilder und Worte von dort orientiert. Sprachwechsel Englisch/Koreanisch mitten in Gespräch, Bürokratiegerangel, das Ausspielen von Kompetenzen, auch die Optik kommt einem bekannt vor, der südkoreanische Film seit längerem mit Vorreiter auch bei westlich arrangierten Blockbuster, nicht ohne Grund und nicht von ungefähr.

Eine Vermischung von Kulturen erst, ein Gastspiel in den USA, nur der Appetizer und die Prämisse für den Titel, für die Geschichte selber auch, welche die Tradition bedient und gleichzeitig visuell in der Moderne ist. Effektvolle Panoramen vom Ausflugsziel, das Einfangen einiger Wahrzeichen der 'Hauptstadt der freien Welt',ein Blick von oben auf die Geschehnisse und die Verortung, dann das Chaos auf den Straßen selber, das Angriff auf den Gefangenenkonvoi, so erahnbar vom Publikum wie auch gewünscht, so geliefert wie bestellt. Das erste explodierende Auto gleich aus mehrerlei Perspektiven eingefangen, eine Szene auch zwischen Künstlichkeit und Effektivität, zwischen realen Aufnahmen und einiger in Fragestellung eingesetzter Tricktechnik, Rückprojektionen sind teilweise deutlich und auch deutlich störend, eine unnötige Unterstützung tatsächlich stattfindender Stuntarbeit und 'handfester' Inszenierung. Eine SWAT-Einheit unter Beschuss, von Scharfschützen und Mannschaften mit Schnellfeuerwaffen bedrängt und belegt, eine längere pulsierende Schießerei auf dem Asphalt, inmitten mehrerer Fahrzeuge, manchmal als Deckung genutzt, manche längst nur noch ein Brei aus Metall und Scherben.

Die ersten Minuten als Pre-Title, als Eröffnung vor dem Film, eine Art Appetizer und längerer Trailer auch, als Marketingobjekt. "Listen here, can't you switch up the script? No one's biting because we're using the same shit!", heißt es zwischendurch mal, vor allem der Humor ist relativ laut im Ton und auch in der Bemühung, in der Wahl der gestalterischen Mittel, die Regie dort auf Anschlag und gleichzeitig wie kopiert, da ungeübt. Die Szenenwechsel später zwischen Seoul und Pjöngjang als deutliche Veranschaulichung von Stärken und Schwächen, der Thriller funktioniert besser als die Komödie; die leichte Unterhaltung mit auch mehreren Marvel-Verweisen ist bloß der massentaugliche Puffer, Witze und Pointen die Nebensächlichkeit in der Dramaturgie, der Lückenfüller.

Der Aufwand der Produktion ist mit etwa 13,5 Millionen USD und damit gut 5 Mio. USD mehr als zuvor theoretisch da, praktisch nicht immer, nur zuweilen deutlich, die Anpassung und Angleichung an den Erstling auch, er wird verbal referenziert, die Erinnerungen aufgeweckt, die Variation und dann die Wiederholung gesucht, die Neuauflage probiert. Ein Wiedersehen macht Freude, die Konstellation der Hauptfiguren funktioniert auch, der Vorlauf als das, was er ist, ein Vorlauf, das Aufwärmen vor der eigentlichen Veranstaltung, welche insgesamt (ein Viertel für die Einleitung, der Rest für die Ermittlungen bis zum bleireichen, wieder im Austausch der Munition furiosen Finale) mit allem drum und dran ihre ca. 125 Minuten geht. Eine Prügelei mit Schergen auf einem Häuserdach hat genau eine wirksame, da schmerzhafte Einstellung, weitere möglicherweise interessante Facetten der Geschichte (der Nord-/Südkonflikt, das Treiben der Gangster) werden öfters angedeutet, teilweise nicht richtig ausgespielt. Gerade die Verweise auf den Vorgänger und die Fristsetzung hätte das Ganze kürzer und dringender halten können, so steht es ständig zwischen (mehr) Entspannung und (weniger) Anspannung, was bei Teil Eins in gleicher Laufzeit nicht so unausgewogen verteilt war oder mit mehr Energie und Kreativität besetzt; hier aber immerhin das ungleiche Duo zu einem ebenso ungleichen Trio (und dies mit im Grunde einem Doppelgänger und gleichzeitig einer Art Wachablösung) formiert wird, noch mit die beste Idee, da hat man auf die Wünsche der Zuschauerschaft gehört. Ein Zusammenstoß im VIP-Raum eines vollbesetzten Clubs und eine folgende wilde, geradezu filmreife Autokollision samt Überschlag ist nach der Einleitung und vor der Auflösung eigentlich die erste druckvolle Sequenz, schöpft aber trotz Ansätzen auch nicht vollends die Möglichkeiten aus, die man üblicherweise vom einheimischen Kino gewohnt ist. Zuweilen wirkt es trotz gelungener Kooperation von Kamera, Score und Schnitt gerade auch im die Verhältnisse endgültig klärenden Indoor-Shootout in einem Wolkenkratzer im Showdown (mit vielen Einschlägen in das marmorne Interieur und die Stütz- und Trennbalken) seltsam blutleer, wie auf familienfreundliches Entertainment angelegt, und darstellerisch überzeugt neben dem Gegenspieler und seiner rechten Hand eigentlich nur Hyun Bin selber.

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