Review

There were a few moments where we could feel ‘it’ happening. I know I tried not to feel ‘it’ sometimes for fear that everything could slip away. Being there though, ‘surreal’ is the best word but it still feels lacking. I usually supplant that because whenever I thought about it, I just felt immense gratitude to everyone working with us to make this happen. That always took over for me.

~ Matt Minor

Western ist nicht gleich Western, Budget ist auch nicht alles, selbst bei den 'neumodischen' Varianten, den Produktionen mit aktuellem Startdatum und dem Vorhandensein einiger namhafter Besetzung, kann man nicht automatisch davon ausgehen, dass man wie ein Western aussieht und so wirkt. Dead Man's Hand gehört leider zu der Kategorie Kostümfilm und sichtlich gestellt und erzwungen, Two Sinners and a Mule war letztens schon so ein Vertreter, Gunfight at Rio Bravo, die Bilder 'falsch', der Aufzug, der Auftritt und das Wirken; ein Griff in den Fundus, in die Truhe mit der Faschingskleidung, das Spielen wie frisch aus Bad Segeberg:

Der neu mit Vegas [ Camille Collard ] verheiratete Jean Jacques Renau [ die halbe Laufzeit somnolent: Jack Kilmer ], Rufname 'Reno', gerät als Passagier einer Reisekutsche mitsamt weiteren Insassen in einen Überfall, kann die drei Männer allerdings töten, und nimmt die Leichname als "Gepäck" mit in die nächstgelegene Stadt. Dort will er sie eigentlich dem Sheriff übergeben, muss allerdings feststellen, dass einer der Getöteten der Bruder des selbsternannten Stadtführers Clarence T. Bishop [ Stephen Dorff ] ist, der mit weiteren Halunken (und ehemaligen Soldatenkumpanen) wie Lucas [ Costas Mandylor ], Johnny [ William McNamara ] und Red [ Corin Nemec ] mittlerweile das Sagen hat und nun auf Strafe für die 'Ermordung' in seinen Augen ist. Reno, der entsprechend schnell in Bedrängnis gerät, kann dabei nur auf die Hilfe des früheren Sklaven Abraham [ Vincent E. McDaniel ] und von US Marshalll Roy McCutcheon [ Cole Hauser, der mit jedem Film dicker und steifer wird ] rechnen.

Dabei sind u.a. Lionsgate und Grindstone Entertainment Group hier mit am Wirken und Gestalten, die Studios dahinter bekannt, die Darsteller davor auch, Regisseur Skiba ist vielleicht zu fleißig und umtriebig unterwegs für Qualität, hat aber immerhin The 2nd oder den (für DtV - Verhältnisse) soliden Pursuit gedreht. Hier wird eine Kutschfahrt nach Kalifornien respektive Nevada probiert, eine lange Reise, Pferd und Wagen hat man sich geleistet, Schauspielführung oder einen zweiten und gelungenen Take nicht. Dafür spritzt das Blut dann reichlich, ein Überfall misslungen, die Gegenwehr der Reisenden erbittert und fleißig.

Der Film fällt wie die Toten in den Staub und bleibt da liegen, da nützen die 'Indianer' nichts, die man mit Fingerzeig grüßt und zur Beruhigung anweist, der Spross vom Kilmer nicht und auch der Spross vom Hauser rettet hier nicht die Ehre und die Würde; da hätten schon die jeweiligen Elternteile anwesend sein müssen. Die ganze Gegend (gedreht wurde in knapp drei Wochen in Santa Fe, New Mexiko) sieht aus wie geschniegelt und gestriegelt, teilweise verschwinden Bilder in Unschärfen, auch bei Dialogszenen, auch bei Halbtotalen. Hauser selber reitet frühzeitig weg, er sagt kurz Tschüss und zieht dann weiter, (zusammen mit Forrie J. Smith und Moses J. Brings Plenty) an den Sets von Yellowstone möglicherweise zurück, die Pause ist beendet, sein Auftritt wird verlangt, seine Anwesenheit bei Costner und Co. ist nötig.

Funktionieren die Hauptdarsteller schon nicht – Kilmer, der als traumatisierter, psychisch lädierter Rettungssanitäter in Detective Knight: Independence (2023) durchaus wacker war, wirkt hier beizeiten fehl am Platze bis überfordert –, so gilt das gleiche für den Rest der Besetzung, die Statisterie, die Saloon sieht aus wie die Nachahmung, die sie ist, immerhin soll aber einer der Gründerväter der Vereinigten Staaten dort genächtigt haben, Thomas Jefferson himself. Die Geschichte (basierend auf einer Graphic Novel, dem 2015 online veröffentlichten "No Rest for the Wicked: Dead Man’s Hand", der drei Minor - Brüder Matt, Kevin & Jake aus St. Clair Shores, Macomb County, Michigan) spielt kurz nach dem Krieg, man ist noch nicht vereinigt, man muss noch aufpassen, was man wann wo sagt und zu wem, man trägt noch Uniform; zudem gibt es verschiedene Institutionen hier, verschiedene Parteien, die Bande der Gehenkten, vom Bürgermeister über den Sheriff bis hin zum Marshall, die alle ihre eigene Agenda haben und so wenigstens das Holz unterm narrativen Lagerfeuer schüren. Eine geplante Durchreise wird zu einem längeren Zwischenstopp, man sitzt zwischen den Stühlen, "Fuck the Union."

North and South, Fackeln im Sturm hier, in der Adaption der zugrundeliegenden Geschichte eher lose, die Autoren und anderweitig Kreativen wurden erst später in den filmischen Prozess als Berater involviert und mit den Änderungen 'konfrontiert'. Wirkt die Vorlage schon eher wie ein Cartoon, wird dies in den bewegten Einstellungen noch umso deutlicher, zuweilen rückt man den Leuten unangenehm nahe, fast direkt in das Gesicht rein, dann wirkt man wieder wie ein NG-Shot, wie eine Live-Aufnahme einer Probe, einer Theaterübung im Funzel-Look, instrumentalisiert zeitgenössisch von County-/Popmusiker Steve Dorff, dem Dorff Senior. Ein Faking It. Das Stadtvolk ist schon geflüchtet, das Publikum hinterher, schauen tun noch die Neugierigen und die Hartgesottenen, immerhin gibt sich Dorff gewohnt Mühe, auch wenn er hier tatsächlich recht klein scheint, stets grimmig guckt und fast wie Napoleon im Cowboyoutfit wirkt. Einige Grausamkeiten, ein Indoor-Shootout und zwei Feuerstunts später hat man die Grundzüge der Geschichte entwickelt, die deutlich auf Django (1966) zurückgeht, nicht die schlechteste Quelle, aber mit genug Epigonen und auch weit besseren Nachzüglern und Trittbrettfahrern schon seit über 60 Jahren bestückt. Die Inszenierung der kleineren und sowieso wenigen Schusswechsel selber geht so weit in Ordnung, "Bunch of butternuts come to die.", ansonsten ist viel hier unfreiwillige Albernheit bis Peinlichkeit, Halluzinogen und die Entdeckung der Langsamkeit, als Film ein Versuch im Opiumrausch, als schwächlicher bis kränklicher Mann, als Demofilo Fidani, wenn überhaupt.







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