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Mit „Virus“ wurde ein neuer Versuch gestartet Jamie Lee Curtis als Scream-Queen zu reanimieren, obwohl die „Halloween“-Lady dem Genre den Rücken zugekehrt hatte.
Gleich zu Beginn wird der Zuschauer Zeuge, wie ein russisches Forschungsschiff durch ein außerirdisches Signal von der MIR angegriffen wird (allerdings wird nach dem Eintreffen des Signals abgebrochen). Auch wenn wir hier mal wieder mit Klischees konfrontiert werden, ist das Ganze recht gut gemacht; vor allem die Plötzlichkeit des Angriffs aus dem All.
Kurze Zeit später schippert Kapitän Robert Everton (Donald Sutherland) mit seiner Crew übers Meer in einen Sturm. Sein Schlepper hat viele Container als Fracht anhängen, in die Everton sein ganzes Vermögen investiert hat und die er nicht verlieren will. Deshalb riskiert er auch, dass das Schiff beinahe sinkt. Hui, die Vorstellung, die Sutherland hier abliefert, ist mehr als peinlich. Seine Darstellung des verbitterten Kapitäns ist einfach nur lächerlich.

Nachdem die Fracht gesunken ist, schaffen die Seefahrer es in das Auge des Sturms, wo sie das russische Forschungsschiff finden. Weil die Bergung Kohle verspricht, geht es auch prompt an Bord. Dort sieht es übel aus (jede Menge Einschusslöcher etc.) und der beste Kumpel von Steve Baker (William Baldwin) kriegt auch Muffensausen. Der Filmkenner denkt: „Der stirbt als erstes!“, denn wer Bedenken hat und noch die Rolle des besten Kumpels spielt, erlebt selten die Credits eines Horrorfilms. Aber das verwüstete Schiff präsentiert sich als atmosphärisch dichter Schauplatz.
An Bord hat lediglich weiter Kit Foster (Jamie Lee Curtis) größere Bedenken, der Rest der Crew, der alle Klischeetypen vom Waffenfreak über den schweigsamen Indianer bis hin zum kauzigen Seebären vereint, spricht sich für die Bergung aus. Doch bald gehen seltsame Dinge vor und bald darf man sich rennend und schreiend mit der außerirdischen Macht rumschlagen.
Im Zuge der „Scream“-Hororwelle entstanden ist „Virus“ ein Film, bei dem sich Licht und Schatten abwechseln. Das Ergebnis ist dann im Endeffekt durchschnittlich, da sich Vor- und Nachteile die Waage halten.

Große Schwäche ist das Drehbuch: Die Charaktere sind psychologisch eher unglaubwürdig, die Geschichte etwas ausgelutscht und die Spannung hat auch ihre Einbrüche. Dabei ist das Script im Mittelteil recht spannend, aber zum Ende hin versumpft der Film in einer spannungsarmen Hetzjagd, bei der die Crewmitglieder alle nach dem 10 kleine Negerlein Prinzip draufgehen (der erste ist übrigens der Kumpel, wie man schon vermutet).
Vorteilhaft hingegen sind Atmosphäre und Design. Die von außerirdischer Intelligenz gebauten Angreifer sehen cool aus und sind eine unverbrauchte Idee. Auch das Spiel mit dem Schauplatz ist atmosphärisch gelungen. Denn mit den engen Gängen und der universellen Bedrohung durch Technik kann „Virus“ schon eine leichte Gänsehaut erzeugen.
Schauspielerisch ist „Virus“ recht unterschiedlich. Donald Sutherland ist ziemlich peinlich und seine Rolle kauft man ihm nicht ab (schade, dabei hat der Mann es eigentlich drauf). Jamie Lee Curtis rennt und schreit wie zu ihren besten Zeiten. Die anderen Nebendarsteller gehen auch in Ordnung, obwohl die Rollen insgesamt von Klischees geprägt sind.

„Virus“ ist ein eher durchschnittlicher Sci-Fi-Horrorthriller, der mit Atmosphäre glänzt und durch das schwache Script verärgert.

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