„Verbrechen lohnt sich nicht“ ist eine Kategorie, die nicht selten mit bitterbösem Zynismus einhergeht. So geraten Bankräuber in ungeahnte Verstrickungen oder Einbrecher rechnen nicht mit der Wehrhaftigkeit der Hausbesitzer, was Streifen wie „Don't Breathe“ oder „The Visit“ untermauerten. Auch das Regiedebüt des Italieners Vincenzo Ricchiuto schlägt in diese Kerbe.
Die drei Kriminellen Roberto, Arianna und Stefano haben es auf das Landhaus des alten Goldschmieds Antonio und seiner Frau Giovanna abgesehen. Nachdem sie das Paar überwältigen und fixieren können, sitzen sie allerdings in der Werkstatt fest, die mit einer Zeitschaltuhr und einer Panzertür ausgestattet ist. Doch damit ist der Goldschmied noch nicht am Ende seiner List…
Dass es sich bei dem Trio um langjährige Kriminelle handelt, offenbart die Exposition mit einer Flucht, bei der sogar eine Stichwaffe zum Einsatz kommt. Das lässt die drei nicht gerade sympathisch erscheinen und auch als Erwachsene haben sie offenbar nichts von ihrer Skrupellosigkeit abgelegt, zumal der Konsum von Koks zur Steigerung unberechenbarer Reaktionen beiträgt.
Bei dem vermeintlich harmlosen alten Paar scheint spätestens dann Argwohn angebracht, als ein fixierter Zustand alles andere als Panik auslöst, sondern eher Bestätigung findet, dass alles in geregelten Bahnen abläuft. Daraufhin beginnt ein Psychospiel des gegeneinander Aufhetzens als Antonio die Gefangenen mit intimen Geheimnissen konfrontiert.
Diese Karte hätte die Erzählung gerne noch etwas länger ausspielen dürfen, da während dieser Phase am meisten Spannung entsteht, während die Flashbacks grundlegend etwas anderes vermitteln, als die jeweiligen Betroffenen aussagen.
Leider verlässt sich Ricchiuto nicht dauerhaft auf das Spiel des gegenseitigen Misstrauens, sondern holt für den finalen Akt zum derben Schlag aus, der von den Gefilden des Thrillers in eindeutige Bahnen waschechten Horrors gelenkt wird. Zwar erhalten Fans derber Hausmannskost einige Andeutungen, doch es entstehen einige bizarre Zusammenhänge, die einerseits arg konstruiert wirken und andererseits einige Fragezeichen zurücklassen.
Wirklich schräg sind hingegen die letzten Einstellungen, die unweigerlich ein leichtes Schmunzeln hervorrufen dürften.
Teile des Kammerspiels funktionieren überraschend gut, da die Inszenierung ohne sonderliche Mankos daherkommt und die Mimen, trotz teils undankbarer Figurenzeichnungen ordentlich liefern. Besonders die Darbietung von Stefania Casini als vermeintliche liebe Omi mit harmoniebedürftigen Zügen bleibt in Erinnerung. Auf der anderen Seite liefert die Geschichte wenig Innovatives, weshalb sie in den letzten Zügen eine deutlich rabiatere Seite hervorkramt, die nicht so recht zum ansprechenden Mittelteil passen will.
Dennoch ein über weite Teile gelungenes und mit einer Laufzeit von 84 Minuten angenehm knackiges Unterfangen, das vor allem Freunde quer verlaufender Home Invasion zusagen könnte.
6 von 10