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Verstörend. Provokant. Direkt. Witzig. Grausam. Dramatisch. Rene Wiesner (*1987) versteht die Klaviatur der Emotionen. Mit oder ohne Mondo, er hält die Kamera dahin, wo Schmerzen endlich sichtbar werden.

Jörg Wischnauski (*1980) spielt einen alkoholkranken Filmfan, der sich gerne selbst peinigt, der eine gestörte Affinität zu toten Dingen hat, dessen Vater ihn hasst und er verkorkst seinen Leben gestaltet muss, weil Liebe keine Option ist.

Trash, Arthouse, Ironie, Ekel, Schocks und Absonderliches. Thanatomania ist wahrlich keine leichte Kost. Doch Wiesner macht aus seiner Idee keine Schlachtplatte, sondern ein Drama das unterschiedliche Konstellationen aufweist. Es gibt fröhliche Momente genauso wie derbe und wahrhaftige. Wiesner nimmt z.B. auch Ideen aus anderen Filmen, siehe "A Serbian Film",und interpretiert sie für sich auf seine einzigartige Weise. Sein Kamerastil ist ruhig, zerrend, fordernd. Wischnauski opfert sich für ihn, pinkelt in die Kamera, onaniert, scheißt, schläft mit Huren, sammelt Tierkadaver ein. Dieses Psychogramm ist böse, echt, fies, albern, hart, persönlich und für "jeden aber nicht für alle"! Wiesner steht hier noch am Beginn seines Schaffens- da kommt noch was viel Grösseres auf uns zu! Der morbide Score von Soundspezialist Stephan Ortlepp ist dementsprechend vorzüglich, ergreifend und eindringlich.

Schlingensief-Fans können sich über den kleinen Auftritt von Dietrich Kuhbrodt (*1932) freuen, der trotz seines hohen Alters die Lust an der Übertreibung noch nicht verloren hat. Der selbstironische Auftritt von Regisseur Trenchard-Smith (*1946) ist ebenfalls als Highlight zu vermelden. Und Uwe Boll (*1965) hat am Ende sowieso wieder mal das letzte Wort.

Beste Szene: das Verbrennen einer legendären wie abstoßenden Videokassette! Gut gemacht, René!

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