Review

So, leider muss ich erneut den Miesepeter spielen und möchte andere potentielle Zuseher nicht von "Bird Box - Barcelona" durch eine negative Kritik beeinflussen. Nichts liegt mir ferner.

Ich möchte nur meine persönliche Meinung kundtun, nachdem ich den Streifen heute erstmalig sehen durfte.

Ich freute mich auf diese Fortsetzung/ Spin Off oder wie auch immer. "Bird Box" aus 2018 konnte mich trotz Sandra Bullock mitnehmen. Auch gehört die Stadt Barcelona zu meinen Lieblingsstädten und die Kombination aus Beiden Elementen, die Vorstellung der Idee dahinter, fand ich in den Ankündigungen toll und habe mir den Release extra im Kalender vorgemerkt.

"Bird Box - Barcelona" (BB2) kann mit dem Erstling in keinster Weise verglichen werden. Kenner des Erstlings wissen, worum es annähernd kennt, Neueinsteiger werden erst nach einer knappen halben Stunde sehr holprig in die Thematik eingeführt. Die ersten 30 Minuten langweilen und selbst danach, als man sich der globalen Katastrophe nähert und versucht eine Erklärung zu liefern, stolpert BB2 vor sich hin und versucht, in der Religion seine Existenzberechtigung zu finden.

Positiv zu erwähnen ist, dass man wenigstens versucht, Erklärungen für die mysteriösen Umstände zu bieten. Doch bei der Religion angekommen, landet man sehr bald auch bei möglichen außerirdischen Einflüssen. Offenbar gibt es Jemanden, unseren Helden, welcher mehr über diese Phänomene weiß oder jedenfalls empfindlicher ist als Andere. Oder wird er eine entscheidende Rolle spielen, um phänomenal die Welt zu retten oder zu zerstören?

Der Cast kommt und geht. Die Umgebung des verwüsteten Barcelonas weicht von der heutigen Realität nur wenig ab. Auch heute gehen Menschen blind, mit verbundenen Augen durch die Stadt und möchten so manches Elend nicht erkennen.

Inszenatorisch eine recht billige Netflix-Produktion. "Bird Box" wurde auch nicht hoch qualitativ inszenziert, dies war auch nicht notwendig. Er spielte mit der Angst der Menschen, mit der Ungewissheit. Er bot eine unterkühlt spielende Sandra Bullock als Höhepunkt, deren Kampf und Leid von vielen ZuseherInnen nachempfunden werden konnte. Der Streifen hatte seine Längen, war dennoch spannend.

Meiner Meinung nach erfüllt BB2 keinerlei dieser Eigenenschaften. Die Grundhandlung ist bekannt, hätte dennoch noch einmal direkt auf Barcelona umgesetzt werden können. Dies geschieht für ein paar Minuten nach vielen langweiligen Minuten und danach spielt sich die Handlung in Hallen, Kellern ab. Wie gesagt, der Cast wechselt zu oft und man hat keine Chance, sich auf wesentliche Charaktere zu konzentrieren. Dämtliche Dialoge miteingeschlossen.

Zwischenzeitlich gibt es Visionen ohne erkennbaren Zusammenhang, mehrere Blindenhunde, genial verdunkelte Sonnenbrillen, und offenbar kann man sich in einer Millionen-Stadt wie Barcelona nicht-sehend besser an jedes Ziel navigieren, als es Sandra Bullock und ihre Freunde es auf wenigen Quadratkilometern, Quadratmetern nicht geschafft haben. Man lernt halt nicht aus. Die Spanier laufen offenbar besser durch die tausenden  Straßen von Barcelona und irgendwie wünscht man sich Bullock zurück, wenn sie mit ihrer Augenbinde gegen eine Hauswand läuft.

Naja, Zeiten ändern sich.

Für mich ist BB2 eine Fortsetzung, ein Spin-Off von "Bird Box", jedoch keine würdige. Für mich eine inhaltslose, inszenatorisch billig gestaltete und auch schauspielerisch unsichtbar besetzte Netflix-Produktion.

Mein Netflix-Abo lief die letzten Tage aus und ich habe es heute nur wegen BB2 wieder aktiviert. Bezahlt für Schrott. Netflix war anfangs interessant, es gab auch tolle Produktionen, ob in Film- oder Serienformaten. Wirklich gelungene Formate wurden nicht fortgesetzt, stattdessen werden wöchentlich oder monatlich wirkliche Schrott-Produktionen am Band heraus geworfen.

Kein Wunder, dass Hollywood derzeit wieder streikt. Dies hat nichts mehr mit Kunst zu tun, Kunst habe ich bei solchen Produktionen abgeschrieben. Doch selbst die Unterhaltung bleibt - zumindest für mich - komplett auf der Strecke. Bei Prime sieht es nicht besser aus. Von Kino-Releases möchte ich erst gar nicht sprechen.

Heutzutage ist eine Produktion entweder zu "künstlerisch", ex-arte, um ihn als Kunstwerk erkennen zu können, oder er ist einfach nur pompös mit einem Millionen- oder Milliarden-Budget aber sowas von saublöd umgesetzt, übertrieben, mit FX oder KI, dient und nur den Produzenten um Einnahmen zu lukrieren und findet seine Zielgruppe in einer Jungendlichen, jungen Erwachsenen oder Erwachsenen, welche leider sehr bildungsfern aufwachsen. Ein Mittelding zwischen übertriebener Kunst und übertriebener Blödheit gibt es heutzutage wirklich nur mehr selten.

BB2 ist leider kein Mittelding. Er ist auch nicht künstlerisch oder extremst saublöd, sondern einfach nur Unterhaltung für den 17jährigen Burschen und seine 16jährige Freundin, bei Microwellen-Popcorn und der tatsächlichen Angst vor der Realität, vor dem was wirklich kommt.

Zwei Stunden nach Sichtung kann man sich in solchen Fällen nicht mehr an den gesehenen Titel erinnern, klickt auf "Weiter" und konsumiert den nächsten Schmarn.

BB2 ist schrecklich. Er ist kein "28 Weeks after", eher ein "Independance Day 2". Unnötig, wie eine losgelassene Blähung der übergewichtigen besten Freundin im vollbesetzten Autobus. Man möchte im Boden versinken, doch man muss es überstehen, den jeder Schrecken hat einmal ein Ende.


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