Review

Wer nicht sehen will, muss fühlen

Auch wenn sich Netflix in den letzten 10 Jahren auf dem ganz hohen Niveau und Wiedererkennungswert eher mit Serien wie „Stranger Things“ oder „Squid Game“ identifizieren konnte - auch ein paar Filme sind wohl noch lange unwiderruflich mit dem Streamingmarktführer verbunden und schürten dessen Erfolg. „Bird Box“ mit Sandra Bullock vor fünf Jahren war definitiv solch ein Hypetitel, den gefühlt sehr schnell jeder und dessen Mutter geguckt hatte. Das war damals sowas wie der zündendere und bessere „The Happening“. Nun hat es doch ein paar Jährchen für einen weiteren Ableger gebraucht. Und es ist auch keine direkte Fortsetzung, spielt nur im selben Kosmos. Dieses Mal sehen wir, was diese mysteriöse Apokalypse, in der sich Menschen bei Kontakt mit (zumindest für den Zuschauer) unsichtbaren Wesen sofort selbst umbringen, in Europa, genauer Barcelona, angerichtet hat. Und was ein Vater und seine Tochter mit undurchsichtigen Motiven in dieser nahezu blinden Nachwelt unserer Zivilisation so treiben…

„Bird Box Barcelona“ erinnert nicht nur aufgrund seines Herkunftslandes bzw. europäischen Flairs fast genauso an Werke wie „[Rec]“ oder „Stadt der Blinden“ wie an seinen Mutterfilm. Was etwas Gutes ist. Barcelona ist genauso wie die Darsteller noch recht frisch und unverbraucht, die Ausgangslage zieht noch immer und macht eben ungemein neugierig, was denn nun wirklich hinter dieser „Invasion“ stecken könnte. Das lässt etliche Diskussionen und Thesen zu, ist fast schon zu ambivalent und offen. Nicht ganz so greifbar und direkt wie im nicht unähnlichen „A Quiet Place“. Hinzu kommt ein ungewöhnlicher Protagonist, der sich die meiste Zeit des Films nicht so verhält, wie es eben die meisten Protagonisten tun - und dessen Beweggründe wir dennoch einigermaßen verstehen. Die Atmosphäre kann ziemlich hoffnungslos wirken und einen runterziehen. Die Inszenierung ist brauchbar. Leider versagt „Bird Box Barcelona“ insgesamt dann aber doch auf das Niveau seines Hollywoodflagships zu kommen. Zum einen fehlt mir hier die Härte - oft hat man das Gefühl, eine in den Gewaltspitzen deutlich freundlicher geschnittene Version zu sehen. Dann bleiben die Darsteller eher blass, selbst wenn der Hauptcharakter oft an eine Mischung aus Adam Driver und Josh Hartnett erinnert. Wir erfahren immer noch nicht mehr Handfestes über die Gefahr, alles hätte auf keinen Fall ganze zwei Stunden gehen müssen und wirkliche Überraschungen im Storyverlauf bleiben genauso wie echte Highlights aus. Alles ist durchgehend angespannt, aber auch sehr eintönig und monoton.

Fazit: subsolides Spanien-Spin-off des Netflixhits, der jedoch nicht über gute Ansätze und Unterhaltung hinauskommt. Und das nicht nur, weil Sandy B. fehlt! 

Details
Ähnliche Filme