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Europäische Filmerfolge werden gerne mal von Hollywood einer Amerikanisierung unterzogen, umgekehrt geschieht dies eher selten. Die spanischen Regiebrüder Àlex und David Pastor nahmen sich des Erfolges „Bird Box“ mit Sandra Bullock an und mit Endzeit kennen sie sich ja bereits seit „Carriers“ ganz gut aus.

Das Leben von Sebastian hat sich grundlegend verändert, als vor neun Monaten ominöse Wesen auftauchten, deren Anblick Menschen in Raserei versetzte und zu massenhaften Suiziden führte. Nun kämpft er sich mit seiner Tochter Anna durch die leer gefegten Straßen Barcelonas auf der Suche nach Überlebenden…

Die Regisseure spielen recht geschickt mit dem Einsatz von Rückblenden, was im Verlauf ein nahezu komplettes Bild etwaiger Entwicklungen liefert. Zugleich wird das Schicksal der Hauptfigur deutlich, die aus bestimmten Gründen alles andere als sympathisch erscheint. Auch ahnt man früh, was es mit Anna auf sich hat, die phasenweise aus dem Geschehen verschwindet, damit Sebastian gewisse Risiken ausschließen kann.

Teile des Settings sind durchaus beeindruckend, wozu einige Vogelperspektiven in nicht unerheblichem Maße beitragen. Besonders die Momente der Massenpanik rund um Hochhäuser oder in einer U-Bahn sind eindrucksvoll in Szene gesetzt und auch die postapokalyptischen Schauplätze fördern zuweilen eine intensive Atmosphäre zutage.
Nur leider entstehen spätestens im Mittelteil einige Längen, da sich manche Vorgänge zwischen Verstecken und Vortasten wiederholen und insgesamt zu wenig aus der Tatsache gemacht wurde, dass sich die Figuren mit Augenbinden quasi blind durch die Szenerien hangeln müssen, was darüber hinaus in einigen Fällen etwas zu selbstsicher rüberkommt.

Der Hintergrund über die Wesen, welche zu keiner Zeit zu sehen sind, bleibt bis zuletzt vage bis kaum greifbar, wodurch der Grad der Bedrohung eher gering ausfällt. Auch hält sich das Konfliktpotenzial unter den Überlebenden in Grenzen, wonach es eher selten zu spannenden Szenen kommt. Gerät hingegen etwas mehr Bewegung ins Spiel, überzeugt das Zusammenspiel von Kamera und Schnitt und auch die Mimen erledigen einen passablen Job.

Wenn Laub und Scherben in Zeitlupe aufgewirbelt werden, sich Augen wie zu Eiskristallen verwandeln und am Rande immerhin ein Bus explodiert, während phasenweise recht viele Leichen den Weg pflastern, wirkt das Gesamtergebnis durchaus bedrückend. Allerdings nimmt es nicht durchgehend in Beschlag, zumal sich Temposzenen und ruhige Momente nicht immer gut ergänzen und auch der Showdown bringt nicht die erhofften Überraschungen.
Dennoch stimmt die Atmosphäre, wogegen in Sachen Action etwas mehr hätte geliefert werden können.
6 von 10

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