Ausgleichende Gerechtigkeit respektive Grausamkeit zum Dritten
Darsteller Denzel Washington und Regisseur Antoine Fuqua sind ein eingespieltes Team. Der Vigilanten-Actioner „The Equalizer 3“ ist bereits ihre fünfte Zusammenarbeit. Ob im dreckigen Cop-Sumpf von Los Angeles, im staubigen Wilden Westen oder in der Selbstjustizparallelwelt von Boston, stets geht es bei den beiden rau, brutal und kompromisslos zu. Das Gesetz ist dabei eher ein lästiges Hindernis, das es mindesten zu umschiffen, im besten Falle aber einfach zu ignorieren gilt. Kurioserweise haben alle drei Fuqua-Washington-Helden einen „Law enforcement“-Background. Der korrupte Alonzo Harris ist offiziell LAPD-Officer („Training Day“), der Kopfgeldjäger Robert Chisum ist gleichzeitig ein US Marshal („The Magnificent Seven“) und Vigilant Robert McCall ist ein ehemaliger Marine und DIA Officer („The Equalizer 1-3“). Und kurioserweise entscheiden sich alle drei für die Gesetzlosigkeit beziehungsweise basteln sich ihren ureigenen Kodex, wenn es um Recht oder Unrecht geht. So gesehen ist nicht nur das Remake des John Sturges Klassikers, sondern sind auch die anderen vier Kollaborationen dem amerikanischsten aller Filmgenres zuzuordnen, dem Western.
Das gilt vor allem für die Equalizer Trilogie und ganz besonders für deren Protagonisten. Robert McCall ist ein Outlaw wie Alonzo Harris, aber einer mit Prinzipien, mit einem moralischen Kompass der die Unterscheidung zwischen Gut und Böse noch zuverlässig anzeigt. Natürlich ist auch er ein Killer, ein Vigilant und damit ein Gesetzesbrecher. Schon im ersten Film spielt er gleichzeitig Richter und Henker, als er einen Bostoner Ableger der Russenmafia praktisch völlig auslöscht. Fuqua spielt dabei die alten wie bewährten Tricks des Selbstjustiz-Kinos gekonnt aus, indem er seinen Helden mit einem schutzbedürftigen Opfer, einem ultrabrutalen Gegner und einer ohnmächtigen, teilweise korrupten Polizei konfrontiert. Dass diese manipulative Death Wish -Partitur nur verhalten reaktionär klingt, ist Denzel Washingtons Spiel zu verdanken, der seine Figur mit einer ordentlichen Portion Würde, Aufrichtigkeit und Charisma ausstattet. Das erste Sequel ersetzte die bösen Russen durch böse CIA-Agenten, baute aber ansonsten auf exakt dieselben Triggerpunkte, sodass das Genrepublikum erneut laut Beifall klatschte. Diese Erfolgsformel würde damit sicher auch ein drittes Mal funktionieren, dafür brauchte es keinen Risikoanalysten.
Für das vermeintliche Finale - diesbezügliche Aussagen der Macher sind immer mit Vorsicht zu genießen - gab es erstmals eine deutliche Veränderung, wenn auch letztlich nur oberflächlich. „The Equalizer 3“ verlässt das US-amerikanische Setting und spielt nahezu komplett im südlichen Italien. Dort erholt sich Robert McCall von seinem letzten Rachefeldzug gegen einen sizilianischen Drogenring, der ihn fast das Leben gekostet hätte. Natürlich ist die Idylle in dem kleinen Fischerdorf Altamonte nur von kurzer Dauer und der ruhestandswillige McCall muss ein letztes Mal in den bewährten Modus des stoischen Präzisions-Killers schalten. Diesmal bekommt er es mit der Mutter aller Verbrecherorganisationen zu tun, der neapolitanischen Camorra. Im beschaulichen Altamonte ist man gegen das übliche Repertoire aus Schutzgelderpressung, brutalen Drohungen und blutigen Exempeln einigermaßen machtlos. Nicht so McCall. Wenig überraschend lässt er sich weder von deren Reputation noch von deren Grausamkeit beeindrucken und kommt wie eine biblische Plage über die fast schon bemitleidenswerten Gangster.
Äquivalent seinem Titelhelden läuft auch „The Equalizer 3“ wie eine gut geölte Maschine. Freunde des knallharten Vigilantismus werden angemessen bedient und wie bei Antoine Fuqua üblich auch mit deftigen Gewaltspitzen versorgt. McCall macht nicht nur keine Gefangenen, er ist zudem sehr erfinderisch und versiert im Umgang mit allen nur erdenklichen Tötungswerkzeugen.
Der Plot fällt allerdings deutlich banaler aus als beim unmittelbaren Vorgänger und die Figuren sind deutlich schablonenhafter als beim Original. Ersteres scheint den Machern bewusst gewesen zu sein, jedenfalls deutet der Versuch mit einem Subplot (es geht um Drogengeschäfte zwischen Dschihadisten und der Mafia) die Handlung komplexer erscheinen zu lassen schwer darauf hin. Letztlich ist der ganze Schlenker aber so egal wie ziellos. Ähnlich verhält es sich mit dem zweiten Manko. Einen Gegenspieler der gegen Washingtons zugegeben übergroßes Charisma anspielen kann, sucht man vergeblich. Schließlich reduziert Fuqua eine der Hauptattraktionen der Reihe indem er McCalls Gewalteruptionen erkennbar abkürzt , oder gleich nur deren Ergebnis zeigt.
Das Italien-Setting wiederum ist ein Gewinn. Fuqua schafft es Idylle und Bedrohung quasi simultan einzufangen und beweist so erneut sein Händchen für Atmosphäre. Und trotz der simplen Handlung und einer Lauflänge von 110 Minuten wird es nie langweilig, Fuqua inszeniert auch hier wieder schnörkellos und rhythmisch. Und meint man dennoch nur das leiseste Plätschern im Hintergrund zu vernehmen, dann ist da immer noch Denzel Washington. Wie in jedem seiner Filme ist es ein Genuss im zuzusehen. Der im Prinzip an einen Comic-Superhelden erinnernden Figur verpasst er im wahrsten Wortsinn spielend einen Anstrich aus Würde, Glaubwürdigkeit und Menschlichkeit. Sein McCall vereint in sich Gegensätze wie Güte und Grausamkeit oder Sanftmütigkeit und Härte und wird so auf faszinierende Art und Weise zu einem dreidimensionalen Charakter in einem eindimensionalen Film.