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Die Einschätzung zu Deep Sea gleicht der allgemeinen Bewertung eines chinesischen Produktes. Ohne Vorlauf und Erfahrungswerte wird ein ausländischer Artikel kopiert und versucht, betone versucht, für den Markt nochmal kommerziell aufzuwerten. Günstige Standort-Bedingungen treffen diesbezüglich auf mehr oder weniger naives Komponenten-Jonglieren. Daraus folgt ein auf den ersten Blick gutes Ergebnis, welches markttechnisch wirklich äußerlich reizvoll wirkt, bei genauerem Hinsehen aber schnell wenig wertigen Inhalt enttarnt, ein Werk, das Test des der Zeit nicht überstehen wird.
Das Motto nichts richtig können, aber alles machen, ist also jetzt auch im Anime angekommen. Vorbild war ohne Frage die japanische Kunst, allen voran das Studio Ghibli. Die Referenz lässt gleich erkennen, an was es den Chinesen neben handwerklichem Geschick vor allem fehlt, dem Verstand den Kern einer Sache zu begreifen. Eigentlich beginnt man mit einer möglichst großartigen und facettenreichen Geschichte, um diese wird dann eine ansprechende Bebilderung geschaffen. Deep Sea hatte als Voraussetzung ein modernes Computerprogramm, ein paar Programmierer, welche vermutlich keinerlei filmischen Horizont haben, und einen Regisseur, der versucht, für die zur Verfügung stehenden technischen Möglichkeiten eine inhaltliche Idee herauszuquetschen. Das ist möglicherweise Unterhaltung, aber weder Kunst noch Kino.
Das Ergebnis: eine wuchtige Optik, teilweise wirklich tolle Bilder, allerdings völlig überladen und für den menschlichen Sehnerv fast schon eine Qual. Pure Reizüberflutung, am Ende keine andere emotionale Wirkung. Letztere tragen doch die Figuren, Haupt- und Neben-, deren Interaktion, die Nachvollziehbarkeit, die Reflektion des Zuschauers auf sich und andere. Arme Shenxiu, ja, aber die restlichen Akteure?! Uninteressant, unrelevant, kalt. Die Botschaft? Offensichtlich eine aus einem anderen Kulturkreis.
Betreffende etwaiger Grundlegender-Herkunft-Bashing-Vorwürfe: des Pudels Kern liegt hier im System, nicht dem Individuum. In diesem Sinne nochmal die schmerzliche Erkenntnis: Es gab tatsächlich mal eine große chinesische Filmschmiede, die hieß Hongkong, und ist längst Teil vergangener Geschichte.

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