Eine Braut auf der Flucht klingt als Ausgangssituation zunächst nach einer romantischen Komödie, doch im Zusammenhang mit einem bluttriefenden Brautkleid und einer Kettensäge auf dem Cover wird definitiv eine andere Zielgruppe angesprochen. Der Stoff ist weniger als Horror denn als Action-Thriller konzipiert.
Eine Braut (Natalie Burn) bekommt kurz vor der Eheschließung kalte Füße und flieht zum Wochenendhaus ihrer Eltern. Im Auftrag des Bräutigams (Ser'Darius Blain) wollen ein Trauzeuge (Cam Gigandet) und fünf weitere Freunde die Frau zur Rede stellen und wenden dabei nicht gerade sanfte Mittel an. Doch die Braut ergibt sich nicht wehrlos…
Regisseur Timothy Woodward Jr. schickt das Publikum zunächst auf eine falsche Fährte, indem er ein offenbar glückliches Paar instruiert, welches eine ebenso erfüllte Zeit verbringt. Aufgeteilt in zwei Handlungsebenen ergibt sich nach jenem kleinen Vorlauf ein Break, der direkt in die Belagerungssituation führt und damit ein typisches Home Invasion Szenario liefert. Ein weiterer Handlungsstrang ergibt sich während eines Urlaubs in Puerto Rico, als das besagte Paar auf ein anderes trifft, wonach man zu viert auf einer Yacht landet.
Nach einiger Verwirrung kommt die Erzählung zumindest halbwegs auf den Punkt, doch bei der Konzentration aufs Wesentliche scheitert sie an einigen Stellen. So entpuppt sich ein Cam Gigandet als Nervfaktor, der sich latent tanzend zu 50er Jahre Musik süffisant durch die Szenerie bewegt, während seine Lakaien nach und nach zu scheitern drohen. Die Umgebung des Ferienhauses mit einigen bunten Lichterketten sorgt nicht gerade für Abwechslung, wohl aber die Maßnahmen zur Gegenwehr, einschließlich der Zweckentfremdung mancher Alltagsgegenstände wie Messer, Schaufel oder besagter Kettensäge.
Folgerichtig fließt ab und an etwas Blut, was bis zur Körperteilung führt, während etwaige Fights einigermaßen dynamisch in Szene gesetzt sind und eine Braut zeigen, die sich trotz unvorteilhaften Kleides als ziemlich beweglich entpuppt. Leider mangelt es an passablen Figurenzeichnungen, Anflüge von Humor zünden nur selten und bei alledem bleiben Hintergründe über das rabiate Vorgehen sämtlicher Beteiligter nebulös, was ein Mitfiebern deutlich eindämmt. Auch die Chose auf der Yacht führt zu keiner allzu befriedigenden Pointe, zumal jene Parts ebenfalls Schwung herausnehmen und eher mit einer Anekdote hätten abgehandelt werden können.
Auch der finale Showdown, der sich wenig temporeich gestaltet, ist mit einer Tanzszene und zuviel Geschwafel deutlich zu aufgebläht, was stellvertretend für das gesamte Unterfangen steht. Eine simple Prämisse wird mit zu wenig Tempo, jedoch zu vielen Nebensächlichkeiten zu einer Laufzeit von 111 Minuten gestreckt, wodurch trotz passabler Action nur selten Spannung aufkommt. Handwerklich und darstellerisch okay, doch an der Ausarbeitung der Geschichte mangelt es gewaltig.
Knapp
4 von 10