Review

"Schicke Uniform, ihre Graue hat mir aber besser gefallen"

Zur Zeit des amerikanischen Bürgerkrieges wird der Südstaatler McKay beauftragt, mit einem von ihm persönlich zusammengestellten Team einen Goldschatz der Unionsarmee zu stehlen. Zu diesen fünf Spezialisten gesellt sich bald der zwielichtige Captain Lynch, welcher sich später überraschend als goldgieriger Colonel der Nordtruppen entpuppt. Die Männer beginnen damit sich zu mißtrauen und bringen sich gegenseitig um. Am Ende überlebt einer, ob er zurückkehrt ist zweifelhaft....

Was haben die Spaghetti Western YANKEE, BLINDMAN und AMMAZZALI TUTTI E TORNA SOLO im besonderen gemeinsam? Alle drei sind nach ihrer in Deutschland ziemlich erfolglosen Kinoauswertung sang und klanglos verschwunden. Weder im TV, noch auf Videoband, geschweige denn im Super 8 Format konnte der interessierte Filmfreund diese Klassiker aufspüren. Es gab nämlich keinen Anbieter, der sich bequemte die Streifen zu veröffentlichen. Nachdem BLINDMAN 2004 und YANKEE im letzten Jahr "endlich" als liebevoll gestaltete DVD's den Italo Gourmet erfreuten, reichte man Mitte März nun auch meinen letzten verzweifelt gesuchten, vom Maestro Enzo G. Castellari inszenierten Western nach.

Leider muß ich zugeben das TÖTE ALLE UND KEHR ALLEINE ZURÜCK eine ähnliche Entäuschung wie YANKEE ist. Das Gefühl viel mehr erwartet zu haben als das was gerade konsumiert wurde, ist traurig aber da. Der Film ist nach LEG IHN UM DJANGO und DIE SATANSBRUT DES COLONEL BLAKE "nur" eine weitere Fingerübung des damals 30 jährigen Enzo G. Castellari. Der Mega sympathische Italiener huldigt mir doch ein bissel too much den Western amerikanischer Prägung. Wer den Enzo der 70er Jahre erwartet, der ist hier wirklich total fehl am Platze. Castellaris Gespür für effektvolle gekonnte Action Inszenierung ist durchaus bemerkbar. Das der Kameramann sehr gute Einfälle hat, braucht auch nicht diskutiert werden. Castellaris einzigartiger Stil (ich meine damit nicht unbedingt die Slow Motion Sequenzen), den er mit seinem Meisterwerk KEOMA endgültig perfektionierte, ist aber noch nicht im geringsten zu erahnen. Die Story ist bei Aldrich's DIRTY DOZEN und Sturges MAGNIFICENT SEVEN entliehen. Die Musik stammt zwar von De Masi, klingt aber im Großen und Ganzen eher nach US Gedudel. Das Darsteller Ensemble ist nicht schlecht. Chuck Connors und Franky Wolff (mal ohne Bart, aber mit Riesen Kotletten) sind die Stars und großen Gegenspieler in dieser bestimmt nicht gerade billigen Römisch Madrilenischen Co Produktion. Die anderen Darsteller machen ihren Job ganz ok, sind aber etwas unglücklich bis lächerlich fehlbesetzt. Die witzigste Figur in dieser illustren Bande von gut durchgebräunten Halbaffen ist gewiß die spanische Antwort auf Hoss Cartwright (Bonanza), ein gewisser Hercules(!)Cortes. Dieser lustige Klotz ist wie jeder sehen kann, hauptberuflich Body Builder und wäre deshalb bestimmt besser im Sandalenfilm Studio um die Ecke aufgehoben gewesen. Ein Punkt der mich zwar nicht genervt aber doch ermüdet hat, sind die ständigen Prügelein. Gegen einen zünftigen Faustkampf gibt es selbstverständlich nichts einzuwenden. Hier hat es Enzo doch ein wenig übertrieben, in dieser illustren Prügelrunde hat mir nur noch Grinsebacke Giuliano Gemma gefehlt. Ich hatte mir doch eher einen ernsteren stilsicheren Italo Western erhofft. Einen Castellari Streifen, der schon mehr TOTE ZEUGEN SINGEN NICHT oder EIN BÜRGER SETZT SICH ZUR WEHR Feeling atmet. Diese Erwartungshaltung ist natürlich vollkommen falsch gewesen und fehl am Platze. Alleine schon deshalb, weil Enzos Lieblingskomponisten die ehrenwerten Gebrüder "De Angelis" noch nicht populär musizierten. AMMAZZALI TUTTI E TORNA SOLO ist ein Zeitrelikt. Der Film ist in der Blütezeit des Italo Western entstanden. Erschaffen von einem Regisseur, welcher damals noch kein Meister seines Faches war (wie Leone, Sollima oder Corbucci) und einfach nur (und das sieht man) riesigen Spaß am filmischen experimentieren und mit dem Umgang seiner Stuntleute hatte. Kenner der Materie sollten übrigens mal genau in der "Glockenturm Sequenz" hinschauen. Schaut ein wenig nach KEOMA meets ... E DIO DISSE A CAINO aus, oder?

Fazit: TÖTE ALLE ... ist ein Western in dem ständig die Sau rausgelassen wird. Das Werk hat durchaus seine Momente. Ich persönlich würde mir aber eher nochmal Castellaris CIPOLLA COLT reinziehen. Sogar dort fühlte ich mich dem Castellari Universum näher als in dem gerade besprochenen Streifen ....

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