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Noch vor 30 – 40 Jahren war die Lebenssituation von Heranwachsenden so, daß die berufliche Zukunft gesichert und der Lebensweg gebahnt war. Kinder aus Scheidungsfamilien waren die Seltenheit, so daß die Eltern als Stütze zu Verfügung standen. Allgemein läßt sich schon sagen, daß der derzeit heranwachsenden Generation einer Zukunftsperspektive oder einem Halt gebenden Rahmen sosehr beraubt wurde, wie der heutigen. Sie stehen vor dem Nichts und werden auf sich selbst zurückgeworfen.

Um dieses nachzuvollziehen, nötigt der Film dem Zuschauer ab, sich in extremer Weise in die subjektive Befindlichkeit des Hauptdarstellers hineinzuversetzen: Der Vater scheint es im Leben des Hauptdarstellers gar nicht zu existieren, von der Mutter erfahren wir, daß sie sich irgendwo in Spanien gut gehen läßt, mehr nicht. Die Frage, ob er die Wohnung finanzieren kann nachdem der Bruder ausgezogen ist, wird gar nicht erst angesprochen. Wozu auch, solange die vorrangigen Lebensbedürfnisse, nämlich Liebe und Zuwendung, nicht gegeben sind. Wie soll sich denn jemand in einer egomanen Gesellschaft behaupten können, dem oben genanntes fehlt. Die Folge hiervon ist schon ein extremer Rückzug auf sich selbst (und auch eine gewisse Zerstörungswut).

Diesem trägt der Film Rechnung mit der Wahl des Titels "Egoshooter" und dem etwas anderen Erzählstil. Dieser nichtgeradlinige Erzählstil kommt dem Wesen zahlreicher Jugendlicher der heutigen Zeit nahe. Bei dem Übermaß an Außenreizen sind sie nicht mehr in der Lage, sich auf eine Sache zu konzentrieren und ein Projekt konsequent durchzuführen. Diese Form entspricht dann auch dem Inhalt, denn im Leben vieler Menschen gibt es nichts geradliniges zu erzählen.

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