Review

Fortsetzungen sind bei deutschen Independent-Filmern eher die Ausnahme, - will man sich doch möglichst vielseitig austoben und nicht noch einmal auf denselben Zug aufspringen.
Drei Jahre nach dem Erstling lässt Regisseur David Brückner den Fluch von Rapunzel ein weiteres Mal umgehen, der nun noch weniger Bezug zu Grimms Märchenfigur aufweist.

Als Erik nach einem Autounfall im Krankenhaus landet, kann er kurz darauf bei seiner Schwester Katharina unterkommen. Obgleich der junge Mann seit einem Jahr frei von Drogen lebt, halluziniert er und scheint zu schlafwandeln. Er ahnt nicht, dass der Dämon Natas beim Unfall in ihn gefahren ist, um seinen Rachefeldzug fortzusetzen. Doch Alina, die jenen überlebte und seither in der Psychiatrie sitzt, scheint vorbereitet zu sein…

Der Einstieg könnte kaum unglücklicher ausfallen, als zwei Video-Poser mithilfe eines Mediums jenen Dämon heraufbeschwören. Das ist selbst als Seitenhieb auf dieses Klientel arg penetrant ausgefallen. Deutlich sympathischer erscheinen hernach zwar die Geschwister, doch da sich ein Großteil in einer frisch bezogenen Wohnung ohne eigenen Charakter abspielt und sich kaum übernatürliche Begebenheiten abspielen, ist lange Zeit Leerlauf angesagt.

Zwei ermittelnde Polizisten und eine Stippvisite in der Psychiatrie schaffen kaum Hintergrundinformationen, die selbst in Bezug auf den Vorgänger eher dürftig ausfallen.
So wird nie klar herausgearbeitet, was es denn nun mit dem Fluch auf sich hat, warum der Dämon nach Ableben eines Wirts munter zum nächsten hüpfen kann und in welchem Kontext ein Museum, ein Turm und eine Burg zueinander stehen.

Mal abgesehen vom Ausspeien längerer Haare und dem regelmäßigem Wechseln der Pupillen ergeben sich kaum Spukeinlagen und erst in den letzten zehn Minuten wird relativ abrupt aufs Gaspedal gedrückt. Hier offenbart Brückner, was letztlich möglich gewesen wäre, als einige handgemachte Gewalteinlagen wie ein Kopfschuss oder ein offener Bauch eingestreut werden und es zu kurzen Konfrontationen zwischen Gut und Böse kommt. Denn inszenatorisch ist bis auf einige zu dunkel geratene Szenen nicht allzu viel einzuwenden, während das Make-up speziell bei der Zersetzung einer Gestalt sehr gute Arbeit leistet.

Ähnliches gilt für den Score, obgleich dieser zuweilen zu laut ausgesteuert wurde. Zwar hat sich der Komponist recht deutlich an Mustern des Soundtracks zu „Halloween“ von Carpenter orientiert, doch er hat diese konsequent weiter entwickelt.
Auch ein Großteil der Darsteller performt unerwartet überzeugend, was angesichts einiger hölzerner Dialogzeilen nicht selbstverständlich ist.

Trotz der kurzen Laufzeit, - der Abspann setzt bereits nach 74 Minuten ein, will einfach kein unterhaltsamer Fluss entstehen, die Spannung kommt deutlich zu kurz und die eigentliche Bedrohung mutiert beinahe zur Nebensache.
Handwerklich konnte sich Brückner im Vergleich zum Vorgänger deutlich verbessern, erzählerisch bleibt er hingegen deutlich unter seinen Möglichkeiten.
3,5 von 10  


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