Kontemplative Rebellion
Nach seinem Ausnahmefilm und weltweiten Arthouseerfolg „Drive My Car“ konnte Ryusuke Hamaguchi quasi machen was er wollte - und dann kam er mit „Evil Does Not Exist“ um die Ecke, über eine ländliche, waldige und idyllische Gemeinde außerhalb von Tokio, die samt all ihrer Werte durch die unnatürlichen Pläne einer unwissenden Firma für ein unnützes Luxuscampingresort bedroht wird…
Glamping mein Arsch!
„Evil Does Not Exist“ ist ein unfassbar ruhiger Film, der null zu schreien braucht um seine Punkte glasklar und deutlich zu machen - und er bzw. seine Vibes, seine Themen, seine Handlung und Momente bleiben noch lange nach dem Abspann bei einem. Das kann ich hundertprozentig bestätigen. Ich denke schon etliche Tage auf ihm rum. Er lässt mich schwer los. Kleine Gesten bedeuten viel, das Ende ist ein Schocker sowohl metaphorisch als auch inhaltlich. Und die „Versammlung“ ziemlich in der Mitte des Films ist ein weiteres mehrminütiges Highlight, das alles inne hat - Spannung, Witz, Ökonomie, Natürlichkeit, Gegensätze. Universelle Wahrheiten. Und die gehen weit über die Wälder im Umfeld von Tokio hinaus. Das Wasser des Bachs fließt runter. Jeder von uns hat Verantwortung. Keiner befolgt nur Befehlen und Aufträgen. Ruhe ist wichtig. Die Gesellschaft muss wieder entschleunigen, sich gegenseitig zuhören, mal nachdenken und zu Sinnen kommen. Die Wirtschaft kann - auch im Kleinen - nicht weiter über Leichen gehen. Instinkte gewinnen immer. Unschuld leidet unter uns allen. Kapitalismus muss sich arg umgestalten und weiterentwickeln - oder ist am Ende. Das Böse existiert eben vielleicht doch…
Die Natur schlägt zurück
Fazit: Kontrolliert, natürlich, ruhig, eindringlich. Wie ein kalter Bergbach. Wie ein Mann beim Holzhacken. Wie eine Wanderung durch die stumm schreiende Natur - mit gefährlichen Konsequenzen. Bei „Evil Does Not Exist“ sitzt jeder Frame!