Trotz einer einheimischen, sprich lokalen Besetzung und auch dem Schauplatz Hongkong vermehrt mit auf den (lukrativen, da weit größeren) chinesischen Markt ausgerichtete Fernsehserie seitens der Shaw Brothers und des Streaminganbieters Youku, die dann auch jeweils die 'Erstausstrahlung' online als Video-on-Demand (in Mandarin und ohne englische Untertitel bspw.) übernehmen. Television Broadcast Limited (TVB), einer der Tochterfirmen der Shaw Studios, ist dann (mal relativ zeitnah wie hier, mal aus gesellschaftspolitischen Gründen länger) verspätet für die 'normale' Programmierung (in kantonesisch und mit englischen Untertiteln) im Fernsehen zuständig, wobei Flying Tiger 3 selber auch in den beiden Vorgängern aus einem Großteil ehemaliger Stammschauspieler des Senders und nunmehrigen Abgängen (meist aufgrund mäßig bezahlten Knebelverträgen) besteht. So sind hier, wie auch schon bei 'Teil' 1 und 2 bekannt, erneut Michael Miu, Bosco Wong und Ron Ng anwesend, die um die 10er Jahre herum zu den Stars des Senders gehörten und später wechselten, aufgefüllt wird gerade diese (inhaltlich unabhängige, rein thematisch verbundene) Fortsetzung mit derzeitigem A-Material wie Sisley Choi, Moses Chan, Roger Kwok, Jeannie Chan oder Joe Ma. Wobei letzterer auch die lang proklamierte Verbindung der Flying Tiger zu den Tiger Cubs (2012/14), einer früheren Prestigeserie von TVB, mit eben Ma und dies als Anführer der SDU herstellt:
Als eine terroristische Rebellengruppierung unter Führung der Geschwister Leo [ Jai Day ] und Renee Argunbia [ Charlene Houghton ] eine Geiselnahme in einer Konzerthalle vornimmt, ist dies nur der Anfang von mehreren Einsätzen gegen die von Superintendent Fan Siu-fung [ Moses Chan ] geleitete SDU. Als Ersatzmann nach einem verlustreichen Gefecht wird Superintendent Chin Bok-man [ Joe Ma ] als neuer Führer gesetzt, der das Team wie bspw. Chief Inspector Don Cheung Wai-wah [ Eddie Cheung ] als zweiter Mann und Senior Inspector Ko Chi-lok [ Ron Ng ] sowie Senior Inspector Cheung Ka-hin [ Bosco Wong ] und Yu Hiu-yan [ Sisley Choi ] übernimmt, diese aber zusätzlich mit eigentlich Außenstehenden wie OCTB Senior Inspector Ho Ka-bo [ Jeannie Chan ] und deren Vertrauten paart und daraus das streng geheime S Department bildet. Bald haben es die immer noch frei laufenden Terroristen auf ein Nervengas abgesehen, das von der Firma von To Man-bun [ Roger Kwok ] hergestellt werden soll, und worüber auch dessen frisch eingestellter Hui SUm [ Oscar Leung ] mehr weiss, als er eigentlich sollte. Zusätzlich in die Mischpoke verwickelt sind der Interpol Agent Mike He Chun-fei [ Michael Miu ], der seine Aufträge von Taylor Smith [ Michael Wong ] erhält, und der mittlerweile arbeitslose Wissenschaftler Choi Siu-pui [ Edwin Siu ], der als einziger die Formel für das Nervengas kennt.
Wie auch schon bei Flying Tiger 2 (2019) macht sich bereit in der Titelsequenz ein eher schlechtes Gefühl breit, der Eindruck einer pompösen Dramaserie, die das Umfeld der Spezialeinheit tatsächlich nur als Rahmen und Schablone für all die anderen soaplastigen, schwülstigen, doppelseitigen Emotionen nutzt und nicht als eigentlichen oder gar eigenständigen Schwerpunkt. Hochglanzpoliert, adrett ausgestattet und teuer produziert, aber nur einen Bruchteil als Actionthriller und den großen Rest für viel banales Hin und Her und Herzschmerz von allen Gruppierungen genutzt; auch hier wird mit einer weiblichen Stimme, einer Ballade eröffnet und dies unterstützend selbst mit Sangesaufnahmen der Betreffenden vor dem Mikrofon aufgezogen. Die wenigen anderen aktiven Bilder vom Intro beschränken sich auf einige Porträts der Herren und etwas Spektakel, stramm stehen, Salut und Schusswechsel der Eingreiftruppe, Pop trifft auf Politik, Propaganda und Polizei quasi. (Das theoretisch ordentliche, aber aufgrund ständigen Anspielens schnell penetrant werdende Titellied aus dem bisherigen Mittelteil hält man hier wie als Cameoauftritt in der ersten Episode übrigens auch bereit; der originale Titeltrack aus Flying Tiger 3 ist auf Dauer allerdings wesentlich reduzierter gehandhabt und auch durchaus erträglich.)
Tatsächlich eröffnet wird mit einem Versprechen, einer Voraussicht auf kommendes, eine Art gestreifter und gestreuter Appetizer, welcher knapp ein halbes Dutzend der Charaktere bereits in der Charakterisierung und in der einen oder anderen brenzligen Situation schon zeigt. Angenehmerweise ist hier und auch in der folgenden Behandlung das Gefühl einer einheimischen Produktion vollständig vorhanden, der Vorgänger ließ dies seltsamerweise fast vollständig missen und hat sich speziell auch durch allerlei Nachtszenen an anonymen Orten oder im Interieur um diese Möglichkeit beraubt. Ein konspiratives Treffen in aller Öffentlichkeit wirft die ersten Figuren mitten in die Handlung rein, involviert sind Massen von Menschen und auch mehrere spezifische Parteien, mal beruflich, mal privat, mal geplant, mal zufällig involviert. Zwei Attentäter in einem Konzertsaal stören die Vorführung und stören den illegalen Deal, das Feuer wird eröffnet und erwidert, die Weiterentwicklung der Geschichte richtet sich nach den jeweiligen nächsten Verhaltensweisen und wird nach Aktion und Reaktion und Gut und Böse gegliedert.
Eine schwerbewaffnete Terrorgruppe, eine Geiselnahme, ein Catfight, die ersten Minuten drücken erneut schwer auf das Gaspedal und erhöhen das Tempo. Die Opferzahl ist hoch schon vor dem Eingreifen der Polizei, die dann auch schussbereit anrücken, wie die Kavallerie im Western, Taktik heißt hier Angriff aus dem Nichts und Diplomatie bedeutet Durchladen und alle verfügbaren Kräfte auf das feindliche Ziel steuern. Optisch sieht man bereits in dieser Belagerungssituation besser aus als der blasse 2. Teil, das schlechte Englisch aufgrund einer bemühten Internationalität hat man von dort übernommen, die Besetzung ist hier gesteigert und auch besser eingesetzt, wobei gerade auch die Überbleibsel seitens des 'normalen' Fernsehstudios, die Leute um Moses und Jeannie Chan zählen oder speziell auch Sisley Choi. Viele Einzelkämpfe innerhalb des besetzten Gebäudes lassen eine effektive Choreografie zum Vorschein kommen und eine dies auch unterstützende Montage zu, die Kamera passt sich den Kombattanten an bzw. ihren Fähigkeiten und versucht nicht etwa selber, sich ins Chaos zu werfen. Das hiesige Stirb langsam - Szenario (oder auch das von Extreme Crisis, dem lokalen Rip-off) wird angenehm ausdauernd betrachtet und nicht etwa zu schnell abgehandelt und abgehakt, die Explosion eines Reisebusses als Ablenkung bekommt man trotzdem nur schlecht getrickst aus dem Computer hin, dafür wird das Geld in eine längere Autohatz ausgehend von Sheung Wan quer durch die (sehr leere) Stadt gesteckt; aber auch da hilft neben realen Aufnahmen des Stuntteams zuweilen Kollege Rechenknecht.
Die Aktion und der Einsatz der SDU wird folgend in Episode 2 natürlich rekapituliert und evaluiert, Schlüsse gezogen und Ermittlungen begonnen sowie phrasenhafte Reden seitens der Bürohengste im schwarzen Anzug gehalten und Parolen auf die Sicherheit Hongkongs (als verlängerter Arm von China) geschwungen. Die Szenen ähneln vor allem auch der zweiten Serie, Darsteller auch in Nebenrollen gerne die gleichen und gerne auch dasselbe Skript und das gleiche Spiel, Dialoge wie einmal dort aufgenommen und herüber und hierüber kopiert. Da man dem Feind eher unterlegen war, auch wenn das manche anders sehen, oder zumindest Schwierigkeit hatte, dem Waffengestus und Combat Mode etwas gleichermaßen Wertiges als Antwort gegenüber zustellen, steht die Devise natürlich auf Aufrüstung (was die Produktion selber mit einer ganzen Reihe an Fernsehstars analog dazu auch gemacht hat) und Training, was gerne als Lückenfüller auch bei artverwandten Serien wie die Airport Strikers (2020) bspw. verwendet wird; eine Art Antäuschung von Aktionismus, ohne aber in die hohen Kosten zu gehen.
Der Simulationsmodus beinhaltet so erstmal fleißig Dauerlauf und folgend noch etwas 'soul searching', nach der Standpauke vom Chef, außerdem werden diverse Beziehungen angedeutet, angesiedelt oder angeboten, als Identität und Identifikation für die Zuschauer, wobei gerade Neuzugang Sisley Choi in einer ganz ähnlichen Position wie eben ihrer Rolle in Airport Strikers als seltenes weibliches Wesen in einer 'Männertruppe' auch in die Aufmerksamkeit eines der Herren gerät, der eigentlich gar nicht so ihr Geschmack ist, und sich trotzdem oder dennoch als vollwertiges und auch vollwertig inkludiertes Teammitglied bewährt und so verhält. Der Ton ist dabei ein angenehm leichter, seicht humoristisch auch und dies gar mit Erfolg. Im Wechselbad der Gefühle kommt es in der Episode auch zu zwei Sichtungen einer Extraktion eines Zeugen, einmal im Ernstfall und vorher in der Übung. Ein Auto wird aus der Seitengasse als Rammbock benutzt, um das erste Fahrzeug im Konvoi zu schrotten und gleichzeitig die Straße zu sperren, eine 'Kontaktaufnahme' inmitten der Stadt mit hohem Munitionsverbrauch aufgrund erbitterten Angriffen und reichlich Schusswechsel. Zudem wird final und gleich im Anschluss noch eine Erstürmung des Verstecks der Söldner und dies mit ebenso Wucht und Zerstörung bereitgehalten; die handgemachten Szenen sind gut, die Spezialeffekte (erneut eine größere Explosion) gewohnt schlecht.
In Episode 3 steht ein Führungswechsel in der SDU an, außerdem wird zu einem mehrtägigen Anti-Terrorismus-Workshop mit einem ausländischen Experten, gespielt von Chris Collins eingeladen, welcher sich allerdings als windig und in die bisherigen Ereignisse auch indirekt beteiligt entpuppt. Ein folgendes ausführliches Scharmützel zu Beginn von Episode 4 in einem stillgelegten Einkaufszentrum erinnert in seinem verheerenden Ausmaß ein wenig an den Beginn von Raging Fire (2021), das Gebäude wird nach und nach mit massiver Waffengewalt und Angreifer von allen Seiten auseinander genommen und endgültig demoliert, die SDU hat mehrere Tote und Verletzte zu beklagen und muss im Grunde komplett neu aufgestellt und ausgerichtet werden. Die (durchaus aufwändig und effektiv gehaltene) Szene wird auch in Folge 5 und Folge 6 als eine Art 'rehash' bereitgehalten, als psychologischer Kniff für die übergebliebenen Kameraden und als Training des neuen OC; zusätzlich natürlich auch, um kostengünstig bereits vorhandenes Material neu und abermals zu justieren. Zudem ist auch das Diskussionspotential recht hoch, wobei ein früherer, ebenso missglückter Einsatz als Rückblende angespielt wird und die gesamte Handlung ein zeitlich viel größeres Fundament und nicht nur die Belange in der Jetztphase erhält, ein Mehr-Generationen-Stück, speziell mit infrage gestellten Männerfreundschaften.
In Folge 6 wird am Hafen ein großangelegter Drogendeal vereitelt, und (wie auch in Flying Tiger 2) ein geheimes Spezialistenteam bestehend aus den 'Besten der Besten' unterschiedlicher polizeilicher Departments gegründet, eine Art Splitterorganisation außerhalb des Establishments namens S Team (in Flying Tiger 2 hieß es A Team), zudem eine Undercoveroperation seitens Interpol gestartet. Ersteres investiert in Folge 7 mit einem Einbruch in eine illegale Bankzentrale, letzteres führt beizeiten zu einer Auseinandersetzung in einem Umschlagplatz (welcher als beliebter Handlungsort vor den Toren der Stadt auch in Folge 11 noch einmal deutlich unter Beschuss mehrerer Parteien auseinander genommen wird). Zudem kommt ein wissenschaftlicher bzw. speziell ein biochemischer bzw. pharmazeutischer Bereich in die Handlung mit hinzu, der folgend noch eine wichtige Rolle spielen wird. In Folge 8 kommt es zu einem längeren Ein-Mann-Anschlag auf das Königspaar und deren Bewacher, was zu erhöhten Leichenbergen führt. In Folge 9 wird während einer gesellschaftlichen Feier ein edles Anwesen bzw. dessen Zugänge, manuell und digital infiltriert und sich dabei mit der Leibwache des Besitzers duelliert; sowie dort und in Folge 10 die Verfolgung des sich schnell aus dem Staub machenden Zwischenhändlers der Unterwelt forciert. Eine Geiselnahme im Dutzend, eine Befreiungsaktion aus dem Krankenhaus heraus und eine anschließend längere Verfolgungsjagd durch das Parkhaus halten das Tempo erstaunlich oben; es dreht sich alles irgendwo im Kreise, aber immerhin.
Das zweite Drittel geht einen etwas anderen Weg, es entwickelt sich mehr zu einem dialoglastigen Verschwörungs-, und Paranoiathriller, viel mit Dialog, mit einigen personellen Veränderungen, mit einigen Aufdeckungen, dafür wird der Aufwand (die nächste, etwas größere Schießerei in einer Chemiefabrik ist erst in Folge 23 bspw.) spürbar reduziert. Umbrüche in der Geschichte hatte auch Flying Tiger, dort wirkte es zuweilen wie krampfhaft umgeändert, wie ein längerer Nachdreh, hier bleibt man zumindest in der Spur, reduziert sich nur, auf Vertrauen und Misstrauen, auf Loyalität und Verrat, auf die Motive der Personen selber, man könnte auch sagen: auf ihre Charakteristika, was aber zuweilen etwas geschmäcklerisch wirkt.