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Auch die Niederländer verarbeiten in unregelmäßigen Abständen die Geschehnisse des Zweiten Weltkriegs und müssen sich im Vergleich zu aufwändigen Hollywoodproduktionen in Sachen Budget deutlich einschränken. Mit gerade einmal 300.000 Euro wurde vorliegender Kriegsfilm rund um die Regisseure Dennis Bots und Thomas Nauw realisiert, was man ihm jedoch nur selten ansieht.

1945: Der deutsch-niederländische Oberleutnant Ludwig Mengelberg (Peter Nillesen) erlitt an der Ostfront schwere Verluste, wurde selbst schwer verletzt und soll nun in Drenthe auf einem abgelegenen Bauernhof mit seinen Leuten Stellung beziehen. Als er in einem Versteck Juden entdeckt, kommen ihm Zweifel am Sinn seiner Mission…

Es gibt natürlich unzählige Filme über Widerstandskämpfer und mutige Zivilisten während dieser Zeit und wahrscheinlich dürften die meisten zumindest schon einmal von „Schindlers Liste“ gehört haben. Hier ist die Hauptfigur Mengelberg zunächst klar zugeordnet. Gegen Ende des Krieges, als die Verblendeten immer noch vom Endsieg der Wehrmacht faseln, ist Mengelberg das Sterben und unnötige Blutvergießen bereits leid, zudem verlor er Frau und Tochter bei einem Bombenangriff und hegt seither suizidale Gedanken.

Ihm gegenüber steht der arrogante Sturmführer Martin (Dirk Gunther Mohr), welcher in Zwiegesprächen stets ein wenig stichelt, nicht müde wird, Mengelberg als den „Fliegenden Holländer“ zu piesacken und den Führergruß besonders laut hervorzuheben. Er ahnt, einen einst gefeierten, doch inzwischen gebrochenen Soldaten vor sich zu haben.

Anfangs steigt der Stoff mit einigen Gefechten in Russland ein, welche größtenteils sauber inszeniert sind, jedoch ein wenig die Übersicht vermissen lassen, wer zu welcher Truppe gehört. Auch später, bei der so genannten Operation Amherst, der Befreiung der Nord-Niederlande gestaltet die Zugehörigkeit der Kämpfer zuweilen etwas schwierig, wobei farbliche gekennzeichnete Armbänder des Widerstandes durchaus hilfreich sind.
Technisch ist den Kämpfen wenig anzukreiden, etwaige Granaten bringen die entsprechende Wucht mit und es gibt blutige Einschüsse zu verzeichnen, nur wechselt die Kamera zuweilen recht häufig zwischen Stativ und Handkamera, wodurch ein wenig zuviel Hektik aufkommt.

Laut dem ursprünglichem Drehbuch sollte eigentlich die aufkeimende Beziehung zwischen Mengelberg und einer Jüdin im Vordergrund stehen, worauf man bei neuerlicher Bearbeitung glücklicherweise verzichtete, denn es wäre innerhalb der Wirren und Gewissensfragen definitiv eine Nummer zuviel gewesen. Entsprechend arbeitet man mit kleinen Gesten und nur wenigen Worten, was die Angelegenheit wesentlich glaubhafter gestaltet.
Auch das Drumherum auf dem Bauernhof verleit dem Treiben zutiefst menschliche Züge ohne dabei ins Rührselige abzudriften, wobei der etwas zu exzessive Einsatz des durchaus gelungenen Scores oft an der Grenze dessen zu verorten ist.

Es bedarf nicht immer bekannter Gesichter, um ein Unterfangen dieser Art umzusetzen. Nillesen und Mohr haben einige sehr starke und spannende Momente, während auch einige Nebendarsteller solide performen. Ein Auge zudrücken muss man hingegen bei einigen namenlosen Soldaten, denen sichtlich jede Schauspielerfahrung fehlt.

Zwar sticht der Stoff erzählerisch kaum aus der Menge ähnlich gelagerter Streifen hervor, doch für jenes Budget ist er recht versiert in Szene gesetzt und vermag von Anfang an Interesse für seine Figuren zu wecken. Hinsichtlich der nur 88 Minuten Laufzeit wirkt er zuweilen ein wenig gehetzt und hätte sich eventuell auf mehr ruhige Momente besinnen können, doch ein Mitfiebern ist vor allem im letzten Drittel gegeben.
6,5 von 10

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