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Wie so üblich bei Disney, stammt auch der Stoff eines ihrer berühmtesten Werke aus älteren Vorlagen. So wurde die Geschichte von „Aladdin" schon lange vor dem Erfolg des 90er-Zeichentricks mehrfach verfilmt, zuerst sogar bereits zu Stummfilmzeiten. Die bunteste und aufwendigste Version dürfte der Film von 1940 sein.

„Der Dieb von Bagdad" erzählt die märchenhafte Geschichte eines Sultans, der von seinem eigenen Großwesir Jaffar (Conrad Veidt) durch eine Intrige zu Fall gebracht wird. Mit Hilfe des diebischen Straßenjungen Abu (Sabu) besteht er zahlreiche Abenteuer, verliebt sich in eine Prinzessin und tritt schließlich zum Kampf gegen den bösen Wesir an, um der Gerechtigkeit Genüge zu tun.

Dieses Handlungsgerüst ist dermaßen vollgestopft mit abenteuerlichen Wendungen und Ereignissen, dass man sich wundert, wie viel Handlung in gerade einmal 102 Minuten Laufzeit passen. Von der knappen Flucht der beiden Helden aus dem Reich des Großwesirs über die Liebe zur Prinzessin geht es weiter zu stürmischen Schifffahrten, dramatischen Kämpfen mit Riesenspinnen und eigenwilligen Flaschengeistern bis hin zu einer Reise auf einem fliegenden Teppich. Man merkt: Alles, was längst Klischee geworden ist in westlich verbrämter Folklore aus dem Orient, ist hier vertreten - und noch so einiges mehr. Und trotzdem bleibt „Der Dieb von Bagdad" durchgehend spannend und unterhaltsam.

Das dürfte zum einen an der starken Umsetzung der Handlung liegen. Zugegeben, für heutige Sehgewohnheiten sind die künstlichen Studiobauten oder die antiquierten Spezialeffekte (Überblendungen, einkopierte Darsteller vor Modellhintergründen, etc.) etwas angestaubt, aber mit ein wenig Fantasie kann man auch heute noch deren Charme erliegen. Klar, einen Kampf mit einer riesigen Spinne gab es einige Jahre später in Jack Arnolds „Die unglaubliche Geschichte des Mr. C" deutlich spektakulärer, aber Szenen wie die Begegnung mit dem riesenhaften Dschinn oder die Reise auf dem fliegenden Teppich (nicht zu vergessen ein fliegendes Pferd) können selbst heute noch beeindrucken. Und der Aufwand an Material, Komparsen und Ausstattung sollte auf keinen Fall unterschätzt werden. Hier sieht man einen echten klassischen Hollywood-Monumentalfilm.

Auch die Handlung fesselt mit ihren zahlreichen Wendungen und immer dramatischer werdenden Konflikten. Auch wenn es am Ende einen ziemlich weit hergeholten Deus ex machina braucht, um ein Happy End zu ermöglichen, bleibt der Zuschauer durchgehend gefesselt. Über einige ebenso kitschige wie unglaubwürdige Liebeserklärungen muss man dabei zwar hinwegsehen, aber die Grundstory vom Kampf des Guten gegen das mächtige Böse ist schon reichlich spannend inszeniert. So zeigt sich „Der Dieb von Bagdad" als klassischen Hollywood-Exotismus-Abenteuer, das man aus heutiger Sicht mit dem einen oder anderen zugedrückten Auge betrachten, aber immer noch genießen kann.

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