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Im weitläufigen Western ist der Oregon-Trail natürlich ein Begriff, als legendäre Route unzähliger Siedler, die seinerzeit über die Rocky Mountains zogen. Aber „Organ Trail“ und dazu ein Cover mit relativ viel Blut am Rande? Mitnichten handelt es sich hierbei um einen Horror-Western, vielmehr um einen Genrebeitrag, der ganz am Ende mit etwas Body Horror jongliert und somit falsche Erwartungen weckt.

Montana 1870: Abi zieht mit ihrer Familie durch eine Schneelandschaft, als diese von Gesetzlosen ermordet wird. Sie kann ihrer Gefangenschaft entkommen, muss allerdings ihr Pferd zurücklassen und hofft auf Hilfe an einer Farm…

Wahrscheinlich sollte es nur ein schlichter Marketing-Gag sein, denn explizit hat man es hier nicht mit Organen zu tun. Da die Figurenkonstellation überschaubar bleibt und auch die Ausstattung nicht allzu sehr ins Detail geht, schimmert stets das vergleichsweise geringe Budget durch, was die solide Kamera innerhalb der stimmungsvollen Landschaftsaufnahmen ein wenig zu kaschieren vermag.

Handlungstechnisch gibt es drei Parteien, jedoch keine wirkliche Hauptfigur. Denn nachdem Abigails Familie fast eine halbe Stunde eingeführt wird und die jüngste hierbei die geringste Aktivität und Präsenz einbringt, hat die Erzählung die Chance vertan, die junge Frau als mögliche Heldin heraus zu kristallisieren. Hinzu gesellen sich die vier bösen Wichte, wobei zwei Mitläufer, ein Psychopath und ein Poser zu verzeichnen sind, während einer Frau eine eher undurchsichtige Rolle zuteil wird. Später gesellt sich noch ein friedliches Farmpaar hinzu.

Das auffälligste Manko ist das ausufernde Schwelgen, obgleich sich phasenweise wenig bis gar nichts ereignet. Lange reiten Menschen durch die Gegend, werden minutenlang versorgt oder zugedeckt, während die garstigen Schergen ihren Vorlieben frönen, was jedoch kaum zur genaueren Charakterisierung beiträgt. Während Actionszenen fast gar nicht vorzufinden sind, kommt es immerhin zu einigen rüden Einsätzen und anderen Härten, was mithilfe gelungenen Make-ups recht manierlich aussieht.

Jedoch häufen sich im Verlauf auch einige Unwahrscheinlichkeiten, aus der manche Individuen wie Phoenix aus der sprichwörtlichen Asche empor steigen, während ein gefrorener Fluss für andere eine Rettung sein kann. Immerhin versöhnt der ebenso unwahrscheinliche Showdown ein wenig im Bereich der körperlichen Auseinandersetzungen, der in seinen Verlaufsbahnen tatsächlich einem klassischen Horrorstreifen entsprungen sein könnte.

Was darstellerisch okay ausfällt und sich musikalisch recht treffend anhört, kommt storytechnisch eher dünn daher, wird jedoch zu ausladend inszeniert, um dauerhaft bei Laune zu halten. Von den rund 112 Minuten hätten es rund 20 Minuten weniger auch getan, zumal das Treiben regelmäßig ins Stocken gerät, da ein Mangel an Bewegung zu den auffälligen Schwächen des Westerns zählt. Atmosphärisch kann er mithilfe gut abgestimmter Farbgebungen noch etwas kaschieren, doch in Sachen Spannung kommt dieser Trail nur schleppend voran.
5,5 von 10

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