Review

Tim Mälzers Oregano Trail wäre interessanter gewesen

„Organ Trailer“ ist ein Western mit harten Kills, karger Atmosphäre und leichten (exploitativen) Horrorthrillervibes (obwohl man über diese Deklarierung des Verleihers leicht den Kopf schütteln kann) über eine skrupellose Banditengang, die im wilden, weiten, ungezähmten US-Hinterland der 1870er eine Spur des Blutes und der Verwüstung hinter sich her zieht, sodass ein von ihnen verschlepptes und misshandeltes Mädchen zuerst wünscht, sie wäre selbst tot, dann immerhin das Pferd retten will und später selbst zur Rache ansetzt… Oder so ähnlich. 

Red Flat Redemption

Horror und Western gehen seit einigen Jahren ganz gut zusammen. „Bone Tomahawk“, „Das Finstere Tal“, „Brimstone“. Leider wird sich „Organ Trail“ für mich nicht in diese feine Riege einsortieren und bestimmt eher schnell in Vergessenheit geraten. Was schade ist. Denn er sieht klasse aus. Edel porentief und Montanas Flora + Fauna wird in wirklich exzellente Bilder gegossen. Das schafft Atmosphäre, das schafft Textur, das unterstreicht die Einsamkeit und Kälte dieser unwirtlichen Epoche. Zudem sind die Bösewichte echte Barbaren und gemein, die Darsteller machen ihre Sachen top, der Score pfeift und knirscht sich auch manchmal unter die Haut. Alles rau, alles reich. Nur leider geht diesem hartgekochteren Western auf der wichtigsten Ebene die Luft aus: storytechnisch ist das Magerkost, gedehnt wie Kaugummi, immer leicht daneben, unbalanciert, unkonzentriert, zu langsam und leicht abgelenkt von Unwichtigem. Das zehrt bei fast zwei Stunden dann trotz aller Schönheit und Dunkelheit etwas an den Nerven und man denkt eher daran, was hätte sein können als was da gerade wirklich passiert. Stirnrunzelnde Plotlöcher tun dann ihr Übriges, dass man insgesamt fast nur noch von hochklassiger Berieselung sprechen kann. Zumindest ging’s mir so. 

Fazit: schöne Bilder, langer Winter, wenig/kein Horror - „Organ Trail“ reißt Genrefans vielleicht nicht weg, zeigt aber Größe, Weite und Tiefe. Doch an dem gehörigen Verlust an Tempo und Anspannung - vor allem nach dem exzellenten, extralangen Intro bis zur Titeleinblendung (27 Minuten!) - kann das nichts ändern. Eher Schläfer als Schläferhit auf Paramount+. Aufgrund seiner Schönheit und Ruhe wäre hier mit besserer, knackigerer Story mehr drin gewesen. 

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