Kontemporärer Trash – THE ASYLUM (26)
ICE STORM
(ICE STORM)
Jared Cohn, USA 2023
Vorsicht – dieses Review enthält SPOILER!
Erst vor wenigen Tagen hatte ich mich ganz besorgt gefragt, warum der Trash-TV-Sender meines Vertrauens schon ungebührlich lange keine Arbeiten aus der kalifornischen Ramschbude „The Asylum“ mehr ausgestrahlt hat – und schon stand gestern wieder eine auf dem Programm. Das war die gute Nachricht. Eine schlechte gab es jedoch leider auch: Ice Storm ist der dritte Teil einer von Jared Cohn verbrochenen Katastrophenfilm-Trilogie, zu der auch der im vergangenen Jahr von mir gesehene Super Volcano gehört, und das war selbst aus meiner, sprich der Sicht eines Asylum-Freundes, ein wirklich mieser Film, der mich vor allem mit seinem Personal beziehungsweise den dafür verantwortlichen Darstellern genervt hat. Die Aussicht, nun erneut auf Pappnasen wie die zappelige Tori Griffith, Botoxbombe McKenzie Westmore oder Hypnoseopfer Tyler Christopher zu treffen und einen weiteren Abend mit ihnen verbringen zu müssen, war so abschreckend, dass ich eigentlich nur zu gern die Finger von Ice Storm gelassen hätte, aber als erklärter Asylum-Komplettist war und bin ich nicht in der Position, hier zu tun und zu lassen, was ich gern möchte. Also hieß es: Augen auf und durch ...
Amerika, irgendwo in North Carolina: Es hagelt.
Ohne Vorwarnung stürzen tennisballgroße Hagelkörner vom Himmel, verletzen Menschen und richten große Schäden an. Und schon ist das sogenannte „REACT“-Team um die Super-Wissenschaftlerin Dr. Molly Martin wieder im Einsatz – gemeinsam mit ihrem Ex-Mann Eric, den fast erwachsenen Kindern Clay und Chrissy, dem milliardenschweren Forschungsleiter Griffin sowie ihren Mitarbeitern David und Yolanda geht sie die Sache entschlossen an und hat auch schon die Lösung zur Hand: Es muss nur mit einer Rakete etwas Silberjodid in die Atmosphäre geschossen werden und alles wird gut. Eile ist freilich geboten, denn die Wissenschaftler berechnen, dass in Kürze bowlingkugelgroße Hagelkörner vom Himmel gebowlt werden. Die Rakete zu bestücken und startklar zu machen, ist kein Problem, aber vorher müssen noch drei von Molly mir nichts, dir nichts aus dem Hut gezauberte Leitsystem-Module, die aussehen wie Stimmgabeln (siebzig Zentimeter lang, grob geschätzt) und der Rakete „den Weg weisen“ sollen, an sehr weit voneinander entfernt liegenden Orten installiert beziehungsweise aufgestellt werden. Also bildet man drei Zweierteams, die sich mit je einer Stimmgabel auf den Weg zu den flugs berechneten Einsatzorten machen: Molly und David, Griffin und Eric sowie Clay und Chrissy (die Kids sind so genial, dass sie ohne Weiteres ein eigenes Team bilden können). Da zum Teil über achtzig Meilen zurückzulegen sind, können sich Griffin, Eric, Clay und Chrissy eingehend mit den Stimmgabelbedienungsanleitungen beschäftigen, denn sie haben keinen Schimmer, wie die Dinger überhaupt zu handhaben sind. (Während Eric unterwegs Berge von Papieren studiert, wird Clay seine Stimmgabel übrigens in letzter Sekunde einfach nur in den Schnee stecken – ganz so schwer ist die Bedienung dann doch nicht.) Nach einigen eher nervenden als spannenden Verwicklungen und „dramatischen“ Zuspitzungen (okay, ein paar Hagelbowlingkugeln fallen tatsächlich irgendwann vom Himmel) gelingt das Unterfangen schließlich: Die Leitsystemstimmgabeln werden platziert, die Rakete tut, wie ihr geheißen und nachdem zwei Pfund Silberjodid in der Atmosphäre freigesetzt wurden, scheint ruck, zuck wieder die Sonne. North Carolina ist gerettet und das REACT-Team muss uns nicht länger auf den Zeiger gehen.
Schön wär’s ... aber zum Feiern ist es an dieser Stelle entschieden zu früh, denn über dem Betrachter schwebt das Damoklesschwert von fünfzig noch ausstehenden Filmminuten.
Und so geht der Kokolores weiter: Die im REACT-Einsatzzentrum verbliebene Yolanda teilt mit, dass sich die Wetterlage geändert hat und fragt Molly: „Erinnerst du dich an den großen Texas-Sturm?“
Darauf Molly: „Der Sturm vom Februar 2021? Über 700 Tote, Millionen verloren ihr Obdach!“
David: „Ich weiß nicht, was du damit sagen willst.“
Und Molly: „Wir stehen kurz vor einer neuen Eiszeit!“
Eine beherzt getroffene Einschätzung, fürwahr.
Aber Molly scheint recht zu haben: Schon entgleist ein Zug, weil die Schienen der Kälte zum Opfer gefallen sind, und ein herausgeschleuderter Fahrgast gefriert in Sekundenschnelle zum Eisklumpen. Sogar die ganze Erdkugel friert ein (!), wie wir im nächsten Bild sehen. Wirklich schlimm, zumal dies alles ganz plötzlich geschieht – unsere Heldentrupps sind nämlich noch auf der Rückfahrt von ihrer Stimmgabelmission! Nachdem Molly gewissermaßen en passant ihre mit dem Auto im Straßengraben gelandeten und halb erfrorenen Kids retten konnte, kommen aber alle gut im REACT-Einsatzzentrum an – und starten umgehend mit der Weltrettung.
Zuerst werden einmal blitzartig (etwa drei Sekunden lang auf einem Tablet) ein paar Analysen durchgeführt und anschließend prognostizieren Molly und David wild drauflos: Binnen zweier Tage werde die Temperatur auf minus 55 Grad Celsius fallen, was kurz darauf noch einmal auf 36 Stunden korrigiert wird, anhand „NASA-GPL-atmosphärischer Infrarotstrahlenmessungen“ an irgendwelchen Polarwirbeln errechnet man, dass es in drei Tagen minus 80 Grad Celsius kalt sein wird, es ist nunmehr schon von felsbrockengroßen Hagelkörnern die Rede, Molly stellt fest, dass es nur noch 15 Stunden dauert, bis mehrere Teile der Welt einzufrieren beginnen (haben wir die nicht gerade schon einfrieren sehen?) und fügt hinzu, dass es in Kürze 9 Meter Schnee in den Vereinigten Staaten geben würde. David weiß aber noch etwas viel Spektakuläreres – Bezug nehmend auf einen „geteilten Polarwirbel“, dessen Hälften sich wohl wieder aufeinander zubewegen, sagt er Folgendes: „Wenn sich diese beiden Wirbel treffen, werden die Hitze der Kollision und die Kälte der Wirbel selbst ein Vakuum schaffen. Dies friert die Erde auf den absoluten Nullpunkt ein.“ Genau so sagt er’s – Hitze und Kälte erzeugen ein Vakuum, das die Erde auf den absoluten Nullpunkt einfriert. OmG. OmG! Zehn Stunden soll es bis dahin dauern (womit sich die obigen Prognosen dann auch erübrigen ...), aber noch ist nichts verloren. Nicht mit Molly.
Die denkt nämlich ungefähr fünf Sekunden lang nach – und hat die Lösung: Mikrowellen sollen die Polarwirbel von oben erwärmen, damit sie ... nun, damit sie eben nicht so kalt sind. Auch ihr Plan verdient eine wörtliche Wiedergabe: „Wir ersetzen die Sonne, die durch die polare Stratosphäre verlorenging, durch eine andere Wärmequelle. Wir benutzen Mikrowellen.“ Diese Mikrowellen sollen nun durch irgendwelche Satelliten auf die Polarwirbel abgestrahlt werden, aber für deren Programmierung hat man nur noch zwanzig Minuten Zeit, und dummerweise gefriert der für die Satelliten verantwortliche Mitarbeiter der NOAA (sprich der National Oceanic and Atmospheric Administration) während des Telefongesprächs mit Molly zu einem Eisklumpen (Blitzabkühlung im Büro ...). Nix Mikrowellen. Oder?
Nun, zum Glück gibt’s ja noch Griffin, und der verfügt nicht nur über 1.500 schwarze Volvos (echt jetzt – damit hat er kurz zuvor geprahlt!!), sondern auch über eine Rakete – gemeint ist nicht etwa eins der kleinen Geschosse, mit denen man mal ein Kilo Silberjodid in die Wolken schießen kann, sondern ein richtiges Shuttle für bemannte Weltraumflüge. Mit dem könnte man die Satelliten im Weltall manuell bedienen, nur ... es ist kein Treibstoff da (schwach, Griffin, schwach ...)! Der war angeblich in jenem Zug unterwegs, den man vor einer Weile entgleisen sah. Alles vorbei?
Mitnichten: Eric, Griffin und Chrissy machen sich mit einem REACT-Spezialtruck bei Wind und Todeswetter auf den Weg zum Zug. Sie finden ihn auch gerade noch, bevor er völlig eingeschneit ist und machen sich unter Verwendung kleiner Handspaten (!) daran, zwei Behälter mit „unsymmetrischem Raketentreibstoff“ (!) aus Schnee und Eis zu buddeln.
In der Zwischenzeit kann David ein wenig intrigieren und kommt mit dem fiesen Senator Carlson ins Geschäft, der ihn zum neuen Chef von REACT ernennt. Für welche Gegenleistung er das tut, bleibt indes schnuppe, denn Senator Carlson gefriert kurz darauf in seinem Dienstwagen zum Eisklumpen.
Das Außeneinsatzteam unserer Helden war unterdessen erfolgreich und kehrt mit zwei frisch aus dem Schnee gebuddelten Behältern voller unsymmetrischem Raketentreibstoff zurück in Griffins heilige Hightech-Hallen. Jetzt braucht man nur noch zwei Freiwillige, die das Shuttle ins Weltall manövrieren und von dort aus den Polarwirbeln mit Mikrowellen einheizen, bevor auf Erden in fünf Stunden der absolute Nullpunkt erreicht ist. Molly als unentbehrliche Superwissenschaftlerin und Eric als Pilot übernehmen den Job (das ihm unbekannte Raumfahrzeug kann er sogar ohne jede Anleitung bedienen – es ist also leichter, ein Space-Shuttle zu steuern, als eine Stimmgabel in den Schnee zu rammen). Im Orbit gibt es natürlich auch noch einmal eine Reihe dramatischer Zuspitzungen, aber das Heldenduo hat die rechten Einfälle im rechten Moment, kann nebenbei sogar seine Ehe wieder reparieren und rettet sich mit einem albernen Fallschirmsprung aus 13.000 Metern Höhe. Job vollbracht, Sonne lacht.
Auch die Angehörigen des REACT-Teams lachen. Bald aber lacht nur noch einer ... Intrigant David verkündet nämlich, kaum hat die „Siegesfeier“ des Teams begonnen, dass er laut Dekret des inzwischen totgefrosteten Senators Carlson der neue Besitzer von REACT ist! Und er vollzieht auch sogleich seine ersten Amtshandlungen: Er lässt Griffin auf der Stelle weswegen auch immer verhaften und feuert Molly samt ihrer Familie. Lediglich Yolanda bietet er eine weitere Mitarbeit an. Und so bleiben Molly, Eric, Yolanda und die Kids entgeistert zurück ... um plötzlich zu bemerken, dass sich einige Gegenstände von einer Kommode erheben und in der Luft zu schweben beginnen – mysteriös, mysteriös ...
Von wegen Trilogie! Dieses Ende verlangt eine Fortsetzung, wie noch nie ein Filmende nach einer Fortsetzung verlangt hat. Na ja, fast. Ob aber auch die Filmfreunde, die sich Ice Storm angetan haben, nach einer Fortsetzung verlangen, darf bezweifelt werden. Genau genommen wäre das vorliegende Ende (ohne den rätselhaften Schwebe-Schwurbel) als wirklich endgültiger Abschluss des ganzen REACT-Schotters sogar der Idealfall, da es die Filmgeschichte vor weiterem Unheil bewahren würde (obgleich das historische Gewicht von Jared Cohns TV-Heulern stark gegen null tendiert) und zumindest aus meiner Sicht auch inhaltlich überraschende Akzente setzen könnte – vornehmlich einen Bruch in der seelenlosen Pflichttreue, mit der Asylum-Genrefilme ihr Standardprogramm herunternudeln und in der immergleichen ranzigen Friede-Freude-Pathos-Eierkuchen-Suppe landen, als wollten sie im Herzen eigentlich Parodien sein. Im Übrigen träfe es mit den hier schlussendlich Brüskierten keineswegs die Falschen, denn Molly, ihrem Nachwuchs und Griffin, ähm ... nun ja, alles Glück dieser Erde wünscht man ihnen nicht gerade, vorsichtig ausgedrückt.
Aber gut – wenigstens für den Moment ist es doch überraschend und erfreulich, dieses Ende, und es hilft dem Film noch ein Stück weit aus dem allertiefsten Keller heraus, in dem er wie Super Volcano vor allem aufgrund seines bereits eingangs kritisch gewürdigten (und in der deutschen Sprachfassung auch noch grauenhaft synchronisierten) Personals gelandet war. Die ausgedehnten Szenen, in denen Molly in der REACT-Zentrale zur aktuellen Lage referiert, sind wirklich übel – zunächst wirkt ihre Darstellerin McKenzie Westmore, als wäre sie gerade aus dem Dschungelcamp entlaufen, und überdies leiert sie (beziehungsweise ihre Synchronsprecherin) ihre Analysen, Prognosen und Pläne, die sie allesamt spontan aus dem Hut zaubert, im immergleichen belastenden Tonfall herunter, als würde sie von einem Blatt ablesen und gar nicht verstehen, was sie da gerade redet. Nicht minder gehen einem die Aktivitäten ihrer superschlauen Wunderkinder auf den Keks – Clay weiß wieder einmal so viel, dass einem davon übel werden möchte, und Chrissy hat vor nichts und niemandem Angst, wobei sie im Notfall natürlich auch alles weiß, was ein Mensch nur wissen kann (es grenzt schon an ein Wunder, dass am Ende nicht diese beiden in den Weltraum geschickt werden). Wenn Super-Molly aber für jedes Problem sofort eine Lösung auspackt (okay, einmal denkt sie wie schon erwähnt einen ganz kurzen Moment lang nach), ist es mit der Spannung nicht weit her – mit Blick auf das von Skriptautor Marc Gottlieb ersonnene Katastrophenszenario und seine Vermittlung sieht die Spannungskurve dieses Films aus wie mit dem Lineal gezogen. Und zwar ganz unten auf dem Blatt.
Den Vorwurf, sich nicht um Kurzweil und Dramatik zu bemühen, kann man den Verantwortlichen dennoch keineswegs machen: Familienkitsch bleibt dankenswerterweise eine erträgliche Randnotiz, und als Aufreger werden zahlreiche Verwicklungen installiert (die Kids verunfallen im Schneesturm, Molly und David dürfen nicht in ein Krankenhaus, auf dessen Dach ihre Stimmgabel aufgestellt werden muss, der Raketentreibstoff fehlt, im Weltraum-Finale werden die benötigten Satelliten zerstört und einiges mehr). Leider besitzt die Mehrzahl von ihnen eine ausgeprägte Tendenz zum Nerven, und auch die wenigen zarten Versuche, etwas Humor in das generell mit bitterem Ernst heruntergespulte Treiben einfließen zu lassen, schlagen fehl: Hin und wieder gestattet das Skript Chrissy einen spöttischen Oneliner in Richtung ihres Bruders, aber kein einziger von ihnen will zünden.
All das ist nun wirklich nicht schön anzusehen – selbst wenn man mit viel Wohlwollen und wie ich als ausgewiesener Asylum-Freund an das Unternehmen Ice Storm herangeht, ist dieser Film über weite Strecken öde und sogar ausgesprochen lästig. Tatsächlich hatte ich hier schon einen neuen Jahrestiefpunkt gesehen, aber dann kam sie, die Szene, mit der dieser Streifen endlich das Einzige tut, was ihn halbwegs retten kann – nämlich sich kopfüber in haarsträubenden Schwachsinn zu stürzen. Nachdem bislang selbst Trash-Freunde gepflegt in die Röhre geschaut haben, wird uns in ihr etwas von einer sehr flotten (zehn Stunden!) Erdabkühlung auf den absoluten Nullpunkt erzählt, und das ist nun wirklich denkwürdig. Lange, wirklich lange nicht mehr so gelacht.
Damit befreit sich Ice Storm auch von allen Hemmungen, sprich den Versuchen, halbwegs redlich zu wirken und mit der Vernunft im Einklang zu bleiben, und liefert in der Folge immer wieder erheiternden Blödsinn (wie die kleinen Klappspaten zur Bergung des „unsymmetrischen Treibstoffs“ und generell die ganze Weltraumreise von Molly und Eric einschließlich ihrer Rückkehr per Fallschirm und einer lachhaften Landung im Schnee). Und das Ende, damit schließt sich der Kreis, ist ja dann auch noch einmal wohltuend anders als eigentlich im Asylum-Codex festgeschrieben – wobei freilich nicht vergessen werden darf, dass es einen weiteren Film mit der schrecklichen Molly-Sippe mehr als nur androht ...
Optisch folgt Ice Storm hingegen den seit einigen Jahren etablierten Asylum-Standards: Der Streifen kommt mit grundsätzlich sauberen Breitwandbildern daher (obgleich die IMDb ein Format von 16:9 angibt) und schwächelt bei den Spezialeffekten. Allerdings hält er sich in dieser Sache von größeren Gefahren fern – auf Explosionen oder eine aufwendige Katastrophenbebilderung wird beispielsweise völlig verzichtet. Bei den somit überwiegend verbleibenden CGI-Winterszenarien kann man ein paar Augen zudrücken, und auch eine Satellitenkollision im Orbit sowie die Ausstattung der REACT-Zentrale gehen in Ordnung. Letztere ist zwar winzig, aber ihre zahlreichen Monitore zeigen schicke bunte und sehr „wissenschaftlich“ anmutende Bilder. Das sah in älteren Asylum-Streifen deutlich schlechter aus. Schlichtweg mies und lächerlich sind jedoch ein paar Greenscreen-Aufnahmen wie der schon angesprochene Fallschirmsprung – besonders wenn sich nach der Landung die CGI-Fallschirme von Molly und Eric heimlich, still und leise ... in Luft auflösen.
Das wünscht man sich auch von den Darstellern, aber nein – die lösen sich nicht auf, sondern arbeiten fleißig daran, das Publikum zu vergrämen. In vorderster Front tut das wie bereits mehrfach erwähnt die gesichtschirurgisch aufgerüstete McKenzie Westmore als Molly, die sich Mühe geben mag, aber derartig viel C-Promi-„Charme“ mitbringt, dass sie ihre Figur komplett versenkt. Ich wiederhole mich gern: Der Mensch, der ihr eine (zudem höchst begabte!) Wissenschaftlerin abkauft, muss noch gefunden werden. Ich denke aber, es wird niemand nach ihm suchen, und das ist auch gut so. Nicht gut ist erwartungsgemäß Tori Griffith, die als Chrissy wieder das Gesicht verzieht, so sehr und wann immer es geht – und es geht im Prinzip bei jedem Satz, den sie spricht. Immerhin ist sie mir diesmal etwas weniger auf den Senkel gegangen als in Super Volcano, was leider durch Jessie B. Evans als Clay locker wieder ausgeglichen wird, der gewiss nicht nur mir einen Gefallen getan hätte, wenn er sich mitsamt seiner Stimmgabel auf Nimmerwiedersehen hätte einschneien lassen. Tyler Christopher scheint derweil als Griffin noch immer unter Hypnose zu stehen, starrt mit unveränderlich lustlosem Gesichtsausdruck in die Gegend und wirkt jedes Mal aufgeschreckt und genervt, wenn er etwas sagen muss.
Dafür ist Grant Bowler als Eric trotz einer extrem ruppigen deutschen Synchronstimme recht sympathisch, und auch Adam H. Marchand hat mir als David halbwegs gut gefallen, aber wohl eher, weil ich seinen unzeitgemäßen Schnurrbart lustig fand – fachlich kommt von ihm gar nichts. Das gilt auch für William Baldwin, der hier den großen Namen mitbringt, in drei oder vier Szenen als Senator Carlson herumsitzt und spürbar desinteressiert an seiner Arbeit ein paar Sätze von sich geben darf. Mag sein, dass ich daneben liege, aber auf mich hat er den Eindruck eines Mannes gemacht, der seine Gage im Handumdrehen versaufen wird. Meinetwegen soll nun auch noch Tola Lawal genannt werden, die als Yolanda unauffällig bleibt und niemandem etwas tut – damit gehört sie hier schon zu den Spitzenkräften. Wie fast alle anderen ist allerdings auch sie ein Opfer der schaurigen deutschen Synchronisation, die an dieser Stelle noch einmal ausdrücklich verurteilt werden soll: Die Sprecher haben nicht nur überwiegend unpassende Stimmen, sondern leiern ihre Texte auch ohne oder sogar mit falscher Betonung ins Mikro. Der rege Gebrauch des Präteritums ist schließlich ein weiterer Störfaktor, aber der hat sich bei Filmen der gegebenen Herkunft längst eingebürgert. Im Original, und das ist eine Empfehlung, hört sich das alles wesentlich besser an.
Musik gibt’s zu guter Letzt auch noch. Sie stammt vom bewährten Asylum-Stammkomponistentrio Mikel Shane Prather, Christopher Cano und Chris Ridenhour und gehört zu ihren besseren Arbeiten, da sie sich auffallend oft bemüht zeigt, das jeweilige Geschehen passend zu begleiten und nicht nur dauerschleifenmäßig herumdudelt. Etwas Großes ist dabei nicht entstanden, aber für Grütze wie Ice Storm ist es fast noch zu gut.
Damit haben wir also den nächsten völlig überflüssigen Weltvereisungskatastrophentrashheuler in der Tradition solcher Machwerke wie Ice Twister, Age of Ice, Arctic Apocalypse, 100 Degrees Below Zero, Christmas Icetastrophe, Apocalypse of Ice, Cold Zone oder Arctic Blast (um nur einige zu nennen ...) – man kann im Billigsegment einfach nicht die Finger von diesem Sujet lassen. Und auch Ice Storm wird nicht der letzte Film seiner Art sein. Zwar sind wir mit ihm auf Erden bereits beim absoluten Nullpunkt angelangt, aber es könnte ja auch noch (Vorschlag von mir) das ganze Sonnensystem oder gleich das ganze Universum vereisen. Es gibt also weiterhin Reserven.
Die gibt’s bedauerlicherweise auch im ganz konkreten Fall von Ice Storm – ehrlich gesagt konnte ich hier für längere Zeit kaum etwas anderes wahrnehmen als Reserven. Zwar wird der Streifen gerade noch rechtzeitig so bekloppt wie erhofft, aber mit Blick auf den generellen Unterhaltungswert der Arbeiten meiner kalifornischen Lieblingsschundschmiede bestätigt er nur ein weiteres Mal die in den letzten Jahren unverkennbar gewordene Abwärtstendenz. Ich will daher schon fast traditionell hoffen, dass es mit dem nächsten Asylum-Streifen, der mir über den Weg läuft, wieder bergauf geht. Leider besteht die Gefahr, dass dieser nächste Streifen entweder der mir noch unbekannte Megaquake – Kalifornien am Abgrund, sprich der Mittelteil der Cohn’schen Katastrophenfilm-Trilogie, oder eben deren mit Ice Storm notwendig gewordene Fortsetzung ist. Als beinharter Asylum-Komplettist würde ich natürlich auch diese Machwerke ansehen, wäre aber keine Sekunde lang traurig, wenn mich das Schicksal vor ihnen verschont.
(03/24)
3 von 10 Punkten.