Terry Gilliam und seine Kollegen verstanden es schon zu Monty-Python-Zeiten nahezu perfekt, ihren bisweilen absurden Humor mit hintergründiger Gesellschaftskritik und bissiger Satire zu kombinieren. Mit „Time Bandits“ liefert Gilliam auf dieser Grundlage eines seiner persönlichen Gesellenstücke ab, besticht er doch hier auch durch die Unterstützung von Michael Palin als Co-Autor mit einem aberwitzigen Ideenreichtum, der einerseits diverse historische Mythen persifliert und später mit allerlei Fantasy-Elementen und einem rabenschwarzen Ende aufwartet.
Die Geschichte beginnt in einem stinknormalen Haushalt in Großbritannien, in dem der clevere Junge Kevin ein eher tristes Dasein unter der Fuchtel seiner spießigen Eltern fristet. Als eines nachts plötzlich sechs Zwerge (u.a. Kenny „R2D2“ Baker) aus seinem Kleiderschrank krabbeln, beginnt für ihn ein unvergessliches Abenteuer, denn mit Hilfe einer Karte, auf der sämtliche „Löcher“ im Universum verzeichnet sind, die die sechs Möchtegern-Gauner im Auftrag des „Obersten Wesens“ eigentlich reparieren sollten, verschlägt es das Gespann von einer Epoche in die nächste, bis sie schließlich im „Zeitalter der Legenden“ auf „Das Böse“ (David Warner) treffen, der die Karte für sich haben und die Welt ins Chaos stürzen will.
So abgedreht, wie sich die Geschichte anhört, ist sie auch. Angefangen bei der Begegnung mit Napoleon (Ian Holm), der unter einem „Kleinwüchsigen-Komplex“ zu leiden hat und die Banditen kurzerhand zu Generälen ernennt über Robin Hood (John Cleese), der im Sherwood Forrest mit schlagkräftiger Hand (wörtlich gemeint!) Sozialarbeit leistet bis zu einem glänzend aufgelegten Sean Connery als König Agamemnon hat das Skript eine Fülle von herrlich schrägen Einfällen zu bieten, die mit der Darstellung des „Bösen“ und seinen Spießgesellen seinen Höhepunkt findet. Insbesondere das fantasievolle Kostüm von David Warner und die zynische Art und Weise, wie er einen nach dem anderen seiner Schergen auch bei „guten Fragen“ ins Jenseits befördert oder auch mal in einen Hund verwandelt, machen diese Figur unvergesslich. Gleiches gilt auch für die Truppe der kleinwüchsigen Banditen, die mit ihren Wortgefechten und Streitereien viele Lacher klar auf ihrer Seite haben. Und nicht zu vergessen: Winston, der Riese mit dem „schlimmen Rücken“, der Dank unserer Helden „mal wieder richtig abhusten“ kann. Ein Ensemble an skurillen Charakteren, das man einfach mögen muss.
Angereichert ist diese schrille Farce mit allerlei bissigen Seitenhieben auf die moderne Gesellschaft. Angefangen bei der Oberflächlichkeit von Kevins Eltern, die geradezu krankhaft auf ihre überflüssigen Küchengeräte fixiert sind bis hin zu einem Robin Hood, der seine Dienste an „den Armen“ als „Umverteilung des Kapitals“ versteht, während seine Männer die selben Leute eher zum Austesten ihrer physischen Schlagkraft missbrauchen. Bliebe noch die Absicht „des Bösen“, die Schöpfung auf den Kopf zu stellen, indem er die Welt mit Technik vollstopft anstatt „wie das oberste Wesen seine Zeit mit dem Erschaffen von 43 Papageienarten verschwendet“. Die Liste solcher eindeutigen und recht sarkastischen Anspielungen auf den Zeitgeist der frühen Achtziger Jahre ließe sich hier problemlos fortsetzen, doch belassen wir es einfach bei der Feststellung, dass Terry Gilliam mit seinem Werk ein perfekter Hybrid aus abgefahrenem Fantasyabenteuer und hintergründiger Satire gelungen ist, deren Bezug zu aktuellen Themen der heutigen Zeit immer noch gegeben ist, wenn auch unter anderen politischen Vorzeichen.
„Time Bandits“ ist eine turbulente Odyssee durch diverse Mythen und Epochen der Menschheitsgeschichte, erzählt auf die unnachahmliche Art des Terry Gilliam: Trocken, intelligent, manchmal richtig böse und mit einer Vielfalt an grotesken Ideen, deren hintersinniger Humor auch heute noch Raum für eigene Gedanken bietet. Ein echter Evergreen des britischen Kinos.