Achtung: Leichte Spoiler!!
Nachdem "Fluch der Karibik" die klassische Piratengeschichte wieder auferlebt hat und zugleich auch etwas revolutionierte, sind hoffentlich wieder mehr Kinogänger interessiert, an einem spannenden Seefahrerabenteuer.
Und genau ein solches wird bei "Master and Commander" überzeugend geboten.
Die Grundidee der Story ist simpel (im Krieg jagt ein schwächeres Schiff ein wesentlich stärkeres), jedoch ist der Handlungsverlauf dieser Jagd voll mit Wendungen und strategischen Tricks. Hier möchte ich natürlich nicht zu viel verraten, sonst geht schließlich jede Überraschung flöten.
Auch die Wetterlagen reichen von dramatischem Sturm am Kap Horn bis hin zur tagelangen Flaute vor Galapagos. Über den gesamten Zeitraum der Jagd führt Kapitän Lucky Jack (Russell Crowe) die Mannschaft väterlich, fair und doch mit Strenge. Crowe meistert diese Rolle perfekt, meiner Meinung nach die Idealbesetzung. Aber auch alle anderen Charaktere sind gut besetzt worden - mir jedenfalls fiel vom Schiffsarzt bis hin zum Schiffsjungen niemand auf, der absolut nicht an Bord passte. Die Dialoge sind realistisch (so wie der gesamte Film) und der entsprechenden Zeit Anfang des 19. Jahrhunderts angemessen, was dem Zuschauer so manches Mal ein Schmunzeln entlocken könnte. Dabei wirken sie jedoch nicht lächerlich.
Die Jagd auf das französische Schiff gestaltet sich nicht nur durch die direkte Verfolgung mit Sichtkontakt, dem misslichen Wetter und die Überlegenheit (vor allem was die Schussweite und Geschwindigkeit angeht) der Acheron
als überaus spannend und abwechslungsreich. Hinzu kommen die Probleme an Bord der Surprise. So muss immer wieder das Schiff repariert werden, eine aufkommende Meuterei im Keim erstickt werden, Verletzte versorgt werden und auch etwas Seefahrergarn bleibt nicht aus, als einer der Mannschaft zum unglückbringenden Jonas an Bord abgestempelt wird.
Für jeden der weiß welchen bedeutend geschichtlichen Hintergrund die Galapagos Inseln für die darwinistische Evolutionstheorie haben, den wird der Landgang des Schiffsarztes (der zugleich auch ein hervorragender Forscher ist) zum Schmunzeln bringen. Nachdem er sich zuerst von einer Schussverletzung selbst geflickt hat, macht er sich auf, die Insel und ihre vielen unbekannten Arten zu erforschen. Da er auf diesem Landgang jedoch in einer Bucht die Acheron wieder entdeckt, werden die schon gefangenen Tiere freigelassen und schnellstmöglich zur Surprise zurückgekehrt, so dass nur seine Notizen übrig bleiben. Nur zur Erinnerung: Charles Darwins bahnbrechendes Buch "Über die Entstehung der Arten" erschien mehr als fünfzig Jahre später im Jahre 1859. Für mich war dieser Nebenplot der Story ein absolut nettes Gimmick.
Schließlich kommt es zum finalen Kampf der ungleichen Gegner, bei dem Lucky Jack die Franzosen geschickt austrickst (mehr sei hier nicht verraten).
Aufgrund der Tatsache dass der Surprise auf ihrer Jagd nichts erspart bleibt und eigentlich alles was auf einer solch langen Verfolgung durch so unterschiedlichste Gewässer passieren kann auch passiert, wird es trotz geringer Überlänge nie langweilig. Hinzu kommen gute Schauspieler (allen voran Russell Crowe), gute Dialoge und ein nicht übertriebener sondern meiner Meinung nach absolut angemessener Grad an Patriotismus (den man einfach braucht um eine Mannschaft bei einem solchen Kampf tausende von Meilen entfernt von der Heimat zu motivieren).
Aber auch die beiden Schiffe sind absolute Stars. Die Nachbauten wirken absolut passend und echt (weit weniger schön, bunt und sauber als in Disneys "Fluch der Karibik") und die Tricks und Stunts in den Schlachten sind grandios. Da zerreißts alles, wenn Kugeln und Sprengladungen das Deck zerfetzen und riesige Löcher in den Rumpf schlagen. Absolut realistisch!!!!!!! Hier kommt dann auch der Actionfan auf seine Kosten. Man riecht förmlich den Pulvergestank.
Auch die Sturmsequenz am Kap Horn kommt absolut realistisch rüber - Seekrankheit garantiert! :-)))
Einziger Kritikpunkt ist der Bodycounts auf englischer Seite im finalen Kampf. Obwohl man sich als Zuschauer nicht über genügend Blut und Verletzungen jeglicher Art beklagen kann (die Armamputation, die Kopf-OP, die Eigenoperation des Arztes), sind meiner Meinung nach 6 Tote bei einem Kampf gegen eine doppelt so starke Besatzung etwas geschönt wenige.
Leider kenne ich die Buchreihe nicht, auf dem der Film basiert und kann somit keinen Vergleich anstellen, aber als Film dieses Genres gebe ich 9/10 P