Von Metropolitan Films gehaltenes Woody Allen Werk, als Spannungsfilm, aber entspannt eingeleitet, musikalisch wohl gelüstet, gleich in die Öffentlichkeit gehend und dort auch erkannt, von früher aus der Schule gekannt, nun zufällig wiedergetroffen, auf der Straße, bei einem Straßenbummel, das Malheur fängt an:
Fanny [ Lou de Laâge ] und Jean Fournier [ Melvil Foupaud ] haben alles, was sich ein Paar wünschen kann, abgesehen von Kindern. Sie sind beruflich erfüllt und leben im Pariser Norden in einer prächtigen Wohnung. Als Fanny ihren alten Schulfreund Allen Aubert [ Niels Schneider ], mittlerweile ein Schriftsteller, auf der Straße trifft, scheint sie sich erst nichts dabei zu denken, erwidert aber bald dessen Zuneigung und Gefühle. Ihr Mann, misstrauisch geworden ob ihres Verhaltens, engagiert Privatdetektive. Camille Moreau [ Valérie Lemercier ], Fannys Mutter, wird wiederum dadurch misstrauisch, vor allem, als Allen plötzlich abgereist scheint.
Wohin man geht, wird man hier gefragt, ein ehemaliger Schülerzeitungsschreiber, der nun auch Schreiber ist, allerdings beruflich und mit entsprechend freien Zeiten, der Roman läuft nicht weg. Er ist geschieden, sie ist verheiratet, er lebt überall und nirgends, sie in Paris, beiden hatten die gleiche Französischlehrerin, beide kennen sich von damals und mögen sich auf Anhieb. Einmal um das miteinander redende Paar ist die Kamera herumgewandert, von der ersten Person zur dritten Person im Gespräch geworden, eine Straßenszene mit Begleitung, mit dem Drehteam um sich und der Gesellschaft, intim und öffentlich zugleich gehalten. Das Gespräch ist eingangs nur kurz, es werden mehr daraus und längere, ihr Ehemann ist eigentlich ein Charmeur, er macht Geschenke, er macht Komplimente, er hat eine riesige Spielzeugbahn und ein eigenes Zimmer dafür, der perfekte Ehemann und der perfekte Junggeselle, trotzdem gibt es Widersprüche zwischen dem Paar, ihr ist das Geschenk zu aufdringlich, die Juwelen zu kostbar für den Anlass, sie will auch das Wochenende dableiben, wo sie jetzt ist und nicht hinausfahren auf dem Lande, die Tätigkeiten wie Jagen und Fischen etc. sind nicht so ihr Ding.
Geschniegelt und gestriegelt ist der Ehemann, die Haare streng gekämmt und mit Spray gefestigt, es wird über die Eheleute geschnattert auch in ihrer Abwesenheit, woher er sein Geld hat, ob sie eine "trophy wife" ist, dass sie Philanthrop sind, nur kein falscher Neid und Geiz. Wie ein Gatsby soll er wirken, sagt einer der Gäste auf der Feier, Gerüchte geschürt, Vermutungen angestellt, Klatsch betrieben. Das Ehepaar kommt zusammen zur Feier, bleibt erst zusammen, irgendwann trennen sich die Wege, sie mit einer Freundin, er mit deren Ehemann usw. usf., Gespräche durch den Raum hallend, "gossip" will man immer hören, das Neueste, das Verbotene, die letzte Heimlichkeit, die stillen Geheimnisse, den letzten Schrei. Sie erzählt von dem Treffen auf der Straße, fast das erste Thema, dass sie mit der Freundin teilt, der junge Mann war früher auch in sie verliebt, aus der Ferne, beide waren in New York damals, ihre schönste Zeit. Dynamische Jazzmusik begleitet den Film, das Landhaus, zu dem man später fährt, ist eine Herrlichkeit für sich, ist ein Ausflug und ein Lob an den Architekten wert; die Waffen werden geschultert, man geht tatsächlich auf Hirschjagd, fünf Sekunden im Filme nur. Was auffällt ist, keiner weiß genau, was der Job des Ehemannes ist, die Frau nicht, die Partygäste vorher nicht, es scheint etwas Mysteriöses zu sein, etwas, dass man nicht in Worte fassen kann, es geht um Geld, es hört sich an wie Geldwäsche, wie Steuerhinterziehung für Andere, wie nicht wirklich etwas Legales, aber Schweigen drum.
Zurück in der urbanen Heimat nimmt man wieder Kontakt zu dem Schulkameraden auf, er lädt zum Lunch ein, ein Gehpicknick im Park, die frische Luft, das herbstliche Wetter, man sucht sich eine Bank, man redet über seine Scheidung, bei ihr ist es übrigens die zweite Ehe schon. Kinder haben beide nicht, also wird über das Buch gesprochen, was er gerade schreibt, es geht um die Ironie des Lebens, um die Fügungen des Schicksals, um einen Jazzclub und eine Sängerin und einen Pianisten. Es geht um nichts und doch um alles, das Leben halt, aber Abgründe und Aufstiege, um Regen und Sonnenschein, um Berg und Tal. Die Mutter kommt zu Besuch, ein Mensch mehr noch im Haus, welches abgesehen von der Spielzeugeisenbahn übrigens nach nichts aussieht, groß ja, aber nicht schön eingerichtet, die auch eher kalt wirkt, nicht heimelig, nicht beschaulich, nur zweckdienlich. Man geht Essen, und spätestens dann fällt die Fassade herab oder bekommt zumindest erste Risse, ein Streit liegt in der Luft, trotz der Mutter anwesend, es geht um Besessenheit und Besitz, um Blicke und Gedanken, um Eifersucht und Neid, keine gute Basis; es wird nochmal darumgekommen mit einem Scherz, der drohende Zwist beendet und stumm.
Über ihren ersten Ehemann reden Mutter und Tochter auch später, über den zweiten Ehemann jetzt, über einen erneuten Ausflug auf dem Lande, über die Leute dort, die von seinem Schlag und nicht von ihrem sind, sie hat einen eigenen Freundeskreis, Allen filmt das ruhig, viel mit Text, die Bilder zuweilen herausstechend, sich aber in der Distanz behaltend. Die Themen sind erneut Mann und Frau, die Schwierigkeiten der Liebe, das Kinderkriegen oder nicht, man bewegt sich im künstlerischen Milieu, man ist intellektuell und kreativ; es könnte andersrum auch in New York spielend, tut es aber nicht, die Stadt der Liebe hat man sich hier ausgesucht, Midnight in Paris. Die Eisenbahn ist Märklin aus den Fünfziger Jahren, schon ein schönes Hobby, kostspielig und platzeinnehmend aber, und keine normale Wohnung passend, auf zum nächsten Treffen mit dem Schulfreund, durch eine Allee und den Schloßpark wandelnd. Ein Gedichtband von ihm (gekauft) nimmt sie gerne an, anders als der Juwel zu Anfang, die Treffen häufen sich, vorher durfte man keine eigenen Freunde haben oder zumindest keine in der Nähe, sie passten dem Ehemann nicht, dazu die Eifersucht, der Besitztum, alles schon erwähnt.
Es sind Zweier-Geschichten hier, die Allen erzählt, Ehefrau und Ehemann, Mutter und Tochter, Frau und Mann, sie erkennt ihren Fehler bald, sie hat dem Kameraden Hoffnung gemacht, er hält auch nicht hinter dem Berg mit seinen Absichten, trotz ihrer wohlbekannten Situation, sie trägt einen anderen Nachnamen als noch zu Schulzeiten, es scheint ihn nicht zu stören, im Gegenteil, es scheint noch mehr zu reizen. Ein Kuss geht von ihm aus, wird aber erwidert, und wird auch prompt vom Ehemann gewittert, viele Fragen, die in einer glücklichen Beziehung nicht nötig wären, die obsessiv und agitiert wirken. Vieles kostet hier 3 €, das Gedichtband, eine Rose, bald entsteht eine Dreierbeziehung, ein romantisches Delirium, sie erzählt es ihrer besten Freundin, muss darüber sprechen, der Zuschauer weiß es schon. Aufgeregt ist sie, durcheinander ob ihrer Situation, fast wird ein Thriller draus, ein Drama ist es schon. Seine Wohnung, die des Lovers ist übrigens gemütlicher, sie ist kleiner, aber wärmer, ein Rückzugsort, eine Trutzburg; darstellerisch von allen Beteiligten gut gespielt, von der Frau, der Mutter und den beiden Männern, und bald auch von den Privatdetektiven, die engagiert werden zum Wahrheit suchen, zum Herausfinden all der kleinen Details, die das Publikum schon weiß, es wird auch ein Thriller daraus, man kommt nicht drumherum. Geheimnisse wurden früh aufgezeigt, sie bewahrheiten sich nun, eine makabere Imagination, eine Erwähnung von Simenon.