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Die hinreißende New Yorkerin Fanny (Lou de Laâge) ist mit dem (erfolg-)reichen Geschäftsmann Jean (Melvil Poupaud) verheiratet. Die beiden führen ein luxuriöses Leben in Paris. Jean verwöhnt seine Holde, ist aber besitzergreifend & wird bereits unrund, wenn sie am Handy nicht gleich abhebt. Außerdem schleppt sie der stolze Besitzer einer imposanten Modelleisenbahn-Anlage immer zu seinen Wochenend-Jagdausflügen mit, wo sie sich furchtbar langweilt. Sie liebt ihn (meint sie), aber glücklich ist sie offensichtlich nicht. Dann trifft sie auf dem Weg zur Arbeit zufällig ihren ehemaligen Schulkameraden Alain (Niels Schneider), der in Paris gerade an seinem neuen Roman arbeitet. Alain gesteht ihr, dass er damals furchtbar in sie verknallt war (& deutet mit seinem Verhalten an, dass er es immer noch ist), woraufhin sie mit ihm eine Affäre beginnt. Aus der Affäre wird mehr, Jean riecht Lunte & beschließt zu handeln.

Die bislang letzte Regiearbeit des heißen Cancel-Kandidaten Woody Allen ist jetzt kein "Glücksfall", doch wenn man seinen Motiven & seinem Stil etwas abgewinnen kann, wird man auch hier wieder bestens bedient. Ich finde den Film sehr bekömmlich & sehr interessant. Er gleitet einerseits leicht & locker dahin, begleitet von einem beschwingt-jazzigen Score, hat einen prickelnden Charme & ist mit Verve inszeniert, doch andererseits lauert hinter den hübschen Bildern eine bedrohliche Dunkelheit & irgendwie schafft es Allen, das Geschehen trotz der entspannten Erzählweise (mords-)spannend zu halten. Anfangs entsteht die Spannung daraus, ob bzw. wann Jean realisiert, dass seine Frau ihm Hörner aufsetzt, später knistert die Spannung aus ganz anderen Gründen. Die pointierte Auflösung ist etwas arg konstruiert, aber durchaus befriedigend. Ein weiteres gelungenes Alterswerk des Stadtneurotikers.

7,5/10

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