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Mit seinem vorherigen Film „Spencer“ mit Kristen Stewart als Lady Di konnte der chilenische Regisseur Pablo Larraín auf internationaler Ebene auf sich aufmerksam machen. Die Auseinandersetzung mit Persönlichkeiten aus Politik und Kultur scheint ihm ohnehin zu liegen, denn nicht zum ersten Mal steht der Diktator Pinochet im Fokus seiner Werke.

Augusto Pinochet ist seit 250 Jahren als Vampir unterwegs und möchte endlich das Zeitliche segnen. Zu diesem Anlass finden sich seine fünf Kinder auf dem heruntergekommenem Landsitz im Nirgendwo ein, um mithilfe einer Buchhalterin Informationen zu versteckten Geldern zu erhalten. Doch jene Buchhalterin ist nicht die, die sie vorgibt zu sein…

Der zu 99,8 % in Schwarzweiß gehaltene Film steigt recht turbulent ein, indem er den Werdegang der Titelfigur binnen weniger Minuten herunter bricht. Als junger Mann war er gar bei der Enthauptung von Marie Antoinette zugegen, bis er als Diktator Pinochet seinen Tod vortäuscht, um danach tatsächlich müde vom Dasein des Blutsaugers zu sein, was in seiner Symbolik fast schon ein wenig zu simpel anmutet.

Sobald die Handlung auf den Landsitz verlagert wird, stellt sich allerdings Ernüchterung ein, da die Chose phasenweise kaum von der Stelle kommt. Die kollektiv unsympathischen Zöglinge des Grafen tragen ebenso wenig zum Fortschritt der Erzählung bei wie der russische Diener, die Frau des Grafen oder jene Buchhalterin, die viel fragt, jedoch kaum handelt.
Hin und wieder erhebt sich der Graf in seiner Uniform in die Lüfte, was mehrheitlich nach billigem Greenscreen aussieht, während die wenigen Gewalteinlagen fast ausschließlich in der ersten Viertelstunde auszumachen sind.

Zwar punkten die durchweg solide Kamera und auf atmosphärischer Ebene der marode Landsitz nebst Kellerräumen, doch für eine Satire bleibt der Stoff zu oberflächlich, während er anderweitig kaum bis gar nicht auf Situationskomik setzt, die sich bei einer derartigen Konstellation mehr als anbietet. Einzig ein Twist bezüglich der weiblichen Erzählstimme vermag im finalen Akt noch kurz zu überraschen, wogegen der Showdown holprig abgehandelt wird und die Pointe eher kalt lässt.

Ein paar surreale Einschübe, der passend arrangierte Score und die durchweg überzeugenden Darstellerleistungen täuschen nicht über die Inhaltsleere hinweg, die primär im Mittelteil herrscht und von Ideenlosigkeit zeugt. Die merkwürdige Stimmung zwischen Melancholie, einer archaisch angehauchten Farce und minimalen Verweisen zu Nosferatu reicht beileibe nicht aus, um für die Spanne von 110 Minuten bei Laune zu halten.
4,5 von 10



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