Augusto Pinochet, der als chilenischer Diktator in die Geschichtsbücher einging, starb 2006 in seiner Heimat. Tat er? Nicht in dieser von Pablo Larrain inszenierten Satire, in welcher der Putschist ein seit mehreren Jahrhunderten existierender Vampir ist. Doch ist er diesem Dasein überdrüssig und will sterben. Oder auch nicht mehr, da schwenkt die Geschichte gerne mal um. Seine Kinder, die angereist kommen, um sich was vom Erbe zu sichern, arbeiten zumindest mit der ebenfalls eintreffenden Nonne Carmen an dem Ableben des alten Herrn.
Was der chilenische Regisseur mit dem Despoten hier anstellt, mutet zunächst bizarr an. Nun bin ich kein Experte in chilenischer Geschichte, die historische Figur des Pinochet ist aber nicht unbekannt und die Transformation in einen Untoten, der ob der Undankbarkeit seiner Nation vor sich hin grummelt, muss man erst einmal zulassen. Larrain wollte die Entwicklung der letzten Jahrzehnte analysieren und so mag man es sehen, dass das Land auch so lange Zeit nach dem Ableben Pinochets dessen Durst immer noch spürt, er immer noch oder der Faschismus eben wieder nach ihren Herzen greift. Sein Geist schwebt immer noch durch das Land, hat seine Spuren hinterlassen.
Neben dem zugeneigten Kommentar aus dem Off, den man schnell als satirisches Stilmittel begreifen mag, bekommt hier noch die Kirche was ab, interne Verteilungskriege durchziehen den gesamten Plot.
Die Grundidee, aus der das Werk seine Hauptenergie schöpft, erschöpft sich dabei irgendwann trotz mancher Wendung. Die Präsentation ist gelungen, dem Skript schlafen aber die Füße ein.
„Ein Monster wie Pinochet kann nicht parodiert werden“, sagte Jamie Vadell, der die Hauptfigur spielt, im Rahmen der Dreharbeiten. Als Parodie auf den Diktator muss man das hier auch nicht verstehen, dennoch fällt es schwer, nicht an diese Spielart zu denken beim Auftauchen einer bestimmten Person gegen Ende. Aber wie man das hier letztlich verstehen soll, da bin ich mir nicht ganz im klaren drüber, da stecke ich auch zu wenig in der Geschichte dieses Landes. Also bleibt nur die Bewertung als das, was da erkennbar ist. Und das ist ein behäbiges, immerhin schön fotografiertes und durch die Bilder atmosphärisches, aber auch wenig einnehmendes Werk ohne große Bindungswirkung.