Review

Falling Clown

Ein Qualitätsmerkmal ist Blumhouse schon lange nicht mehr. War es nie wirklich, eher immer nur ein starkes Geschäftssystem und eine echte Moneymaschine, doch nie war der Output im Durchschnitt gut genug um echten Horrorfans den Mund auch nur ansatzweise wässrig zu machen. Quantität über Qualität all the way. Eine Anfängermarke. Aber auch in deren Repertoir gibt es Perlen und übersehene Tipps. Und "The Passenger" aus letztem Jahr, der immer noch kaum weltweit Vertrieb oder Presse kriegt, ist einer davon. Erstaunlich, wenn man bedenkt, was ein Mist oft problemlos einen dickeren Release und genug Marketing bekommt. Ist im Grunde auch egal - ich hab' "The Passenger" nun gefunden und mag ihn sehr. Vielleicht stoßen durch Kyle Gallner nun ja noch mehr auf diese intensive und blutige Indiethrillerperle. Verdient hätte es der überdurchschnittlich kompakte und spannende Roadtrip ohne Frage...

Handlung: Als ein Mitarbeiter eines abgelegenen Fast Food-Restaurants Amok läuft und ein Blutbad anrichtet, muss ein unscheinbarer und schüchterner Außenseiter und Kollege über sich hinauswachsen und sich seiner Vergangenheit stellen, wenn er aus dieser Lage mit mehr oder weniger Shotgun am Kopf entkommen will...

Ein Nerd sieht rot

"The Passenger" hat gut geschriebene Figuren. Äußerst bissige und whattheeffige Gewaltausbrüche. Er sieht durchweg gut aus. Klingt oft ungemütlich wabernd. Und - auch wenn Filmfans schnell ahnen, wie der Hase laufen könnte - ist der Weg wesentlich packender und nachhallender als das Ziel. Nicht die Überraschung oder was in der Box ist zählt, sondern Verpackung und Vorfreude und Verbindung zum Schenkenden. Um bei Metaphern zu bleiben. Über Gewaltprobleme und Vergangenheitsbewältigung, über Karma und Trauma, über Tragik und Komik. Vor allem über Vergebung und auch sich selbst zu verzeihen. Die unterschwellige Anspannung ist fast in jeder Szene, jedem Wort, jeder Wendung fühlbar. Auf den Spuren von William Foster. Wenn das Stockholmsyndrom wütend wird. Mit zwei richtig, richtig starken und gegensätzlichen männlichen Leads. Wäre Gallner nicht schon längst ein Hypenewcomer, dann wäre er es danach. Für mich auch der bessere Film im Gegensatz zum viel gehypteren "Strange Darling" mit ihm. Aber die (Film-)Welt ist nunmal nicht immer fair... Genauso wie das Leben der hier dargestellten Menschen.

Fazit: kurz, kurzweilig, rau, grimmig, unberechenbar, böse, sogar überwältigend emotional - "The Passenger" ist ein kleiner, gemeiner Thriller, wie ein kleiner gemeiner Thriller eben sein muss. 

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