Großmutters Grusel
Nachdem der Orientexpress und der Nil samt Umfeld schon mit artifiziellen Remakes unsicher gemacht wurden, macht Hercule Poirot nun einen spooky Ausflug nach Venedig, wo er zwischen Flüchen, Seancen und Bullshit Licht auf die dunkle Seite der Stadt der Brücken und Gondeln werfen soll…
Wo Floskeln Trauer tragen
„A Haunting In Venice“ ist durchzogen von Fake Outs und schiefen Winkeln, von tropfenden Dächern und kalten Gemäuern, von billigen Jumpscares und gewohnt vielen Stars, von einem sich vor wie hinter der Kamera erstaunlich wichtig nehmenden Branagh und von „Mordserklärungen“, die an (unfreiwillige) Satire grenzen. Hartgesottenere Horrorfans haben dafür nur ein müdes Lächeln oder gar ein Kopfschütteln über. Auch für mich sind diese satten zwei Stunden eher Pflicht als Kür. Dennoch sprechen mich das touchierte Genre, diese spezielle (immer atmosphärisch-gespenstige) Stadt und ein paar der Stars (z.B. Kelly Reilly aus „Eden Lake“) einfach mehr an als die bisherigen beiden Fälle Poirots. Vor allem den Abstecher zum Nil fand ich schrecklich und schmerzhaft. Das war Augenkrebs und höchst unangenehm. Dagegen sind die Grachten und Gassen Venedigs schon ein deutlicher Fortschritt. Selbst wenn sich hier sichtbar viel innen und im Studio abspielt. Die Auflösung holt wie gesagt lächerlich weit aus, ist aber immerhin nicht unglaubwürdig. Und selbst wenn sich hier Muster, Mister und Mist eigentlich für schon längst abgenutzt haben, man gegen die klassische Agatha Christies kein Land sieht - „A Haunting In Venice“ spielt sich mit seinem Grundrezept einfach mehr in meine Gefilden und meinen Geschmack.
Fazit: als Horrorfan bietet dieser venezianische Spuk zumindest mehr als die letzten beiden Fälle von Poirot. Venedig ist und bleibt immer eine Reise wert. Dennoch kommt auch diese ausgetüftelte Seanceshow im Kern nicht über eine einsteigerfreundliche Rentnerattraktion hinaus.