Review

"Mit solchen Leuten möchten wir nichts zu tun haben."

Aileen Wuornos (Charlize Theron) wurde als Kind missbraucht und Jugendliche ignoriert. Stets in der Hoffnung ein erfülltes Leben zu erreichen, beispielsweise als Filmstar entdeckt zu werden oder Liebe erwidert zu bekommen, verkehrt sie mit Jungs und Männern überwiegend auf sexueller Ebene und prostituiert sich bereits mit 13 Jahren.
Ende der 1980er Jahre sitzt Aileen unter einer Brücke und hat mit ihrem Leben abgeschlossen. Bevor sie sich aber mit einer Pistole erschießt möchte sie die zuletzt erworbenen fünf Dollar noch in einer Bar ausgeben. In der nächstgelegenen Homosexuellen-Bar lernt sie die lesbische Selby Wall (Christina Ricci) kennen. Nach anfänglicher Abneigung von Aileen aus freunden sich beide an und werden ein Paar. Da Selby in einem intoleranten Umfeld wohnt brennen beide durch. Selby trägt am Arm einen Gips und kann somit nicht arbeiten. Somit versucht Aileen durch Prostitution weiterhin Geld zu verdienen und spielt mit dem Gedanken auf ehrliche Arbeit umzusiedeln. Die Versuche etwas zu finden scheitern aber sofort an ihrer kindlichen Naivität. Als einer ihrer Freier sie schließlich vergewaltigt und beinahe umbringt, greift sie selbst zur Pistole und erschießt den Vergewaltiger. Darauf entflammt ihr Zorn auf Menschen erneut.

"Monster" erzählt in einer verkürzten Form das letzte Jahr in Freiheit von der Prostituierten und Serienkillerin Aileen Wuornos. 1991 wurde sie wegen siebenfachen Mordes verhaftet und 2002 durch die Giftspritze hingerichtet. Während dieser Zeit sorgte das Schicksal um sie besonders bei Frauenbewegungen immer wieder für Aufsehen.

Das Drama stellt den Straßenstrich schonungslos realistisch dar. Die Kulissen sind heruntergekommen, die Aussprache durch die Tätigkeit entsprechend hart. Die erzählte Geschichte des Wunsches zweier von der Gesellschaft nicht tolerierter Menschen nach Glück und einem besseren Leben verleiht dem Film eine intensive wie depressive Stimmung. Gänzlich einseitig ist "Monster" dennoch nicht, denn auch hier gibt es Menschen, die nicht nur einzig boshaft sind, sondern sogar Hilfe anbieten. Dafür ist der Umgang mit ihnen umso tragischer.

Die Protagonistin ist gekonnt undifferenziert dargestellt. Ihre Taten sind kontrovers, ihre Einstellung jedoch überwiegend nicht bösartiger Natur. Somit schwankt das Gefühl des Publikum stets zwischen Mitleid durch verbaute Chancen sowie Ablehnung bei Selbstgerechtigkeit. Die Romanze ist passend eingebettet und wird mit all ihren Problemen aus Umfeld, der Gleichgeschlechtigkeit und der Situation ausgefüllt. Die Figuren sind sehr nachvollziehbar und authentisch.

Ein wenig holprig ist die Erzählweise. Eine Zeitschiene ist nicht erkennbar, was das Verfolgen der Geschichte etwas erschwert. Die Handlung entfernt sich stellenweise drastisch von den realen Geschehnissen und die Protagonistin wird gutmütiger dargestellt, also sie wirklich war. Mitunter führen auch ein paar erzählerische Längen zu Unruhen.

Charlize Theron ("Im Auftrag des Teufels", "Mad Max: Fury Road") zeigt eine phänomenale Performance. Die Hollywood-Schönheit beweist hier durch eine extreme Gesichtsmaske nicht nur Mut zur Hässlichkeit sondern überzeugt auch mit weit aufgerissenen Augen einem unheimlichen Lächeln und einem sehr variantenreichen Mimenspiel. Christina Ricci ("Sleepy Hollow", "Black Snake Moan") ist ähnlich ambitioniert, liegt aber im Schatten von Theron.

Die Morde in "Monster" sind teils recht drastisch dargestellt. Dies liegt aber weniger an dessen Visualisierung sondern eher an der moralischen und emotionalen Ebene. Somit ist das Drama auch eher ruhig, depressiv und schwermütig in seiner Stimmung. Die realitätsnahe Inszenierung, herausragende schauspielerische Leistungen und eine Geschichte, die sehr zum Nachdenken auffordert machen den Film sehr greifbar. Nur ein paar technische Schwächen geben Anlass zur Kritik. Knappe ...

9 / 10

Details
Ähnliche Filme