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Tom Skelton (Peter Fonda) kehrt in seine alte Heimat Florida, genauer gesagt nach Key West, zurück. Dort versucht er, sich als Führer für Hochseeangler zu verdingen, die fette Fische als Trophäe mit nach Hause nehmen wollen. Aber besonders der vorbestrafte, alteingesessene Nicol Dance (Warren Oates) gönnt dem jungen, sympathischen Skelton nichts und treibt einen ziemlich üblen Scherz mit ihm, der in einer Racheaktion von Tom eskaliert. Dennoch versuchen beide, irgendwie das Kriegsbeil zu begraben, doch das gelingt nicht wirklich…

Man muss einfach nur graben… dann entdeckt man immer noch echte, kleine Perlen in der Wust von Veröffentlichungen. Diesen Film von 1975, eine amerikanisch-britische Ko-Produktion, gab es nie im deutschen Kinos zu sehen, lediglich in den 70ern und 80ern lief er im dritten Regionalprogramm der ARD. Drehbuchautor und Gelegenheits-Regisseur Thomas McGuane hat die Handlung wohl so ähnlich erlebt… herausgekommen ist ein, man glaubt es kaum, verträumtes Psychodrama mit Actionelementen und einem verstörenden Ende, welches in seiner Konsequenz so nicht vorsehbar ist.
Der Schauplatz des Films, die wunderschönen Florida Keys, die Inselkette südlich von Miami, bilden den Hintergrund für ein Eskalationsstory in Zeitlupe – angereichert durch erlesene Bilder (Kamera: Michael C. Butler) und hervorragende gespielte, interessante Nebenfiguren. Toms Vater, ein erfolgloser Puffbesitzer („Ich habe noch nicht einmal eine Gratisnummer bekommen, obwohl ich ihr Chef war!“) und Zeppelin-Designer (!), der bei dem wohlhabenden Großvater (Burgess Meredith) lebt, einem windigen Advokaten, der seinen Enkel mit Geld unterstützt und seine Sekretärin (Sylvia Miles) permanent anmacht. Oder Toms hübsche Freundin Miranda (Margot Kidder), eine Lehrerin, die sich eine Schlägerei mit der überdrehten Freundin von Carter (Harry Dean Stanton), einem Kollegen von Tom, liefert. Und schließlich die perfekten Hauptdarsteller Fonda und Oates (die ja schon in dem B-Filmklassiker „Vier im rasenden Sarg“ zusammen auftraten), die den vermeintlich schläfrigen Rhythmus des Films so kongenial verkörpern.
Sicher, einige lose Enden und sinnfreie Szenen gibt es, aber dennoch wirkt die Hitze, in der die Handlung stattfindet, wie ein merkwürdiger Magnet, der einen zu diesem seltsamen, kleinen Film zieht.
Durch den ruhigen Fluss des Films wirken die wenigen Actionszenen umso heftiger und nachhaltiger. Und die Hitze führt bei vielen Figuren zu einigen witzigen, schrägen Auftritten. Apropos Auftritt: den skurrilsten Auftritt hat wohl Joe „Maniac“ Spinell als im Bademantel zur Angeltour erscheinender Tourist, dem die Führer mit nur mäßigen Erfolg versuchen, beizubringen, welche Fische es um die Keys wohl so gibt…
Ich habe mir die US-DVD geleistet, hab es nicht bereut. Kein Meisterwerk oder Offenbarung, aber eine sehenswerte Rarität, typisch 70er. 7/10

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