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Nach zahlreichen Kurzfilmen ist es der erst zweite Langfilm von Hauptdarsteller, Autor und Regisseur Thomas Sainsbury, der das Publikum recht geschickt an der Nase herumführt. Zumindest lässt sich das, was sich im finalen Akt abspielt, durch kein Ereignis im Vorfeld herleiten.

Warum er sich mit einem Rucksack bewaffnet in die neuseeländische Wildnis zurückzieht, um einen ausgiebigen Rundwanderweg zu absolvieren, weiß Ian (Sainsbury) wahrscheinlich selbst nicht so genau. Weicht er zunächst der Begegnung mit einem Paar aus, wird er kurz darauf von Nicky angesprochen, der ihm fortan kaum mehr von der Seite weicht. Doch Ian leidet zunehmend unter Verfolgungswahn und er ist der einzige unter den Wanderern, der überhaupt eine Bedrohung in der Umgebung wahrnimmt…

Der Psycho-Thriller steigt direkt in der Natur ein und verlässt sie bis zum Schluss auch nicht mehr. Somit gibt es nur spärliche Informationen über Ian, dem bereits nach wenigen Kilometern die Puste ausgeht und der sich rasch Blasen gelaufen hat. Ironischerweise trifft er zudem auf Personen und Verhaltensweisen, mit denen man eben nicht konfrontiert werden möchte, um einmal komplett abzuschalten. Somit schwingt der latenten Paranoia stets ein leichter Zynismus mit, während Ians Zustand zwischen Sozialphobien, Selbstzweifeln und Verschwörungstheorien durchaus Rätsel aufgibt.

Allerdings ereignet sich innerhalb der ersten Stunde nicht allzu viel, was über Gebühr Spannung erzeugt. Eine leicht klaustrophobische Atmosphäre ist zwar nicht von der Hand zu weisen und ein gewisser Argwohn gegenüber den vier relevanten Figuren ist stets präsent, doch bis auf eine offen ausgesprochene Verdächtigung und der Konfrontation mit einer Ziegenfalle fehlt ein wenig das Griffige. Außer, warum jemand so blauäugig ist, Wasser aus einem Fluss zu trinken, während man gleichermaßen nicht so dumm sein kann, 300 Dollar für eine simple Taschenlampe auszugeben.

Über den finalen Akt lässt sich nur soviel verraten, als dass die vorhandenen Effekte allesamt praktischer Natur sind und zwei Splattereinlagen ebenfalls ohne CGI auskommen, was für das augenscheinlich geringe Budget durchaus Anerkennung verdient. Auch die merkliche Temposteigerung im Kontext kleiner Actioneinlagen ist auf der Habenseite zu verbuchen, während die tonale Wendung womöglich nicht jedem zusagen wird, der eine etwas subtilere Auflösung vermutet hätte.

Sainsbury hätte gut daran getan, in der ersten Phase etwas mehr Bewegung hineinzulegen und zwei Nebencharaktere besser auszuarbeiten. Er selbst performt grundsolide und hat sich augenscheinlich einige Gedanken über die Körpersprache seiner oft undurchschaubaren Figur gemacht, wobei auch die übrigen tauglich abliefern. Handwerklich ist generell nicht viel auszusetzen, wogegen die erzählerische Wendung zwar überrascht, jedoch nicht überall auf Gegenliebe stoßen dürfte. Für Naturfreunde, Paranoiafans und Liebhaber vogeliger Twists ist „Loop Track“ zumindest nicht die schlechteste Wahl.
6,5 von 10 


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