Review

Karpathen, 1736: Oleksa Dovbush kehrt aus dem polnischen Krieg zurück und findet sein Land unterdrückt vor. Zusammen mit der Räuberbande seines Bruders plant er den Aufstand.


Ein ukrainischer Film über eine örtliche Legende, die sich gegen Besatzer zur Wehr setzt und die Mitbürger zum Widerstand aufruft. Klingt fast zu aktuell, zumal als Produktionsjahr 2023 angegeben wird, der Film aber bereits 2021 entstand und der für Mai 2022 geplante Kinostart aufgrund des russischen Überfalls auf die Ukraine verschoben wurde.

bemerkenswert ist, dass es über den Freiheitshelden Oleksa Dovbush wenig Aufzeichnungen, dafür aber umso mehr mündliche Überlieferungen, Volksweisen und Legend gibt. Die Crew hat fleißig recherchiert, Interviews geführt und daraus die hier präsentierte Version der Legende um Oleksa Dovbush gefertigt. Das Budget betrug 3 Mio. Dollar.


Und der Film ist in vielen Bereichen sehr gelungen, offenbart aber auch deutliche Schwächen. Die liegen vor allem im dramatischen Teil der Geschichte, denn Oleksas Liebste Marischka ist nie wirklich in Gefahr, ihr Gatte nimmt die Untreue nahezu reaktionslos hin. Gefangene Leute von Oleksa werden zwar in der Burg gezeigt, Reaktionen seitens der Freiheitskämpfer gibt es aber ebenso kaum. Stattdessen wird in den ruhigen Passagen mehr geschwätzt als nötig und manche Szene viel zu lang gezogen. Entsprechend schleichen sich ein paar Längen ein, 20-25 Minuten weniger hätten dem überlangen Film gut getan.

Anfangs fiel es mir auch schwer, bei den verschiedenen Zeitebenen und Rückblicken durchzusteigen, das hat sich dann aber auch gelegt.


Stark sind die Actionszenen. Die Kämpfe sind mit Wucht inszeniert, hätten aber auch etwas mehr Härte vertragen können, doch die meisten Gewaltakte sind entweder blutarm oder geschehen im Off. Aber dank der vorzüglichen Inszenierung verliert man nur selten den Überblick.

Mindestens drei Szenen, ein waschechter Heist, eine Falle für eine Hundertschaft und ein Zweikampf sind klasse gemacht und bringen richtig Spaß und Freude.

Hinzukommt, dass die Wälder an den Drehorten wunderschön sind, ebenso wie die Burgen, die als Kulissen dienten. Mit 1000 hergestellten Kostümen hat man auch ordentlich geklotzt, das sieht man auch. Die Ausstattung ist echt großartig. Optisch ist das eh extrem gefällig und schaut eher nach dem zehnfachen des Budgets aus.

Der Score passt hervorragend und treibt in den richtigen Momenten gut an. Für meine unmusikalischen Ohren schafft er es zudem, gleichzeitig ansprechend modern und traditionalistisch zu klingen. Klasse.


Toller Historienfilm über einen hierzulande nicht so bekannten Teil der Welt und schon deshalb sehenswert. Ausstattung, Kamera, Action, Darstellende, alles super. Punktabzug gibt es für die Längen und den Mangel an Dramatik. Das hätte spannender sein müssen.

Ich schwanke zwischen 7⭐️ und 8⭐️.

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