Thailand zur Gegenwart: Nachdem der letzte Mieter verschwunden und ihre kleine Stadtwohnung in einem desaströsen Zustand hinterlassen hat, beschließt das Ehepaar Ning (Nittha Jirayungyurn) und Kawin (Sukollawat Kanarot) mit ihrer kleinen Tochter Ing (Thanyaphat Mayuraleela) aus Kostengründen ihr Reihenhaus in der Vorstadt aufzugeben und nun selbst dort einzuziehen. Ein Interessent für das bisherige Domizil ist schnell gefunden: die Ärztin Dr. Nuch und ihre Mutter Ratree (Penpak Sirikul) hinterlassen einen seriösen Eindruck und so geht der Verkauf schnell und reibungslos über die Bühne.
Während sich die kleine Familie in der Stadtwohnung einlebt, entdeckt Ning eines Tages ein ungewohntes Tattoo auf der Brust ihres Mannes: ein nach einem Symbol aussehendes Dreieck trägt der ruhige Enddreißiger da seit neuestem, welches er auf Nachfrage mit einer verlorenen Mutprobe unter Kollegen erklärt. Weiters schleppt er immer ein kleines rotes Büchlein mit sich herum, das er irgendwo gefunden haben, aber nicht herzeigen will. Töchterchen Ing dagegen scheint unter Alpträumen zu leiden, da sie nachts jemanden in ihrem kleinen Zimmer gesehen haben will, obwohl die Mama dort nichts entdecken kann.
Als Ning einige Wochen später noch ein paar Sachen aus einem Nebenraum der Garage des Reihenhauses abholen will, erweist sich die neue Mieterin dann als unerwartet distanziert und merkwürdig. Auch ein paar Briefe, die wegen des schnellen Umzugs noch nicht an die neue Adresse umgeleitet worden waren, wurden von der Ärztin, die sich dafür sehr beiläufig entschuldigt, geöffnet. Zu ihrem Schrecken bemerkt Ning bei der neuen Mieterin im Nacken dasselbe symbolhafte Tattoo wie bei ihrem Mann.
Auch die ältere Nachbarin Phorn, eine Tante von Ning, die sie im Anschluß besucht, ist höchst beunruhigt über die neuen Nachbarn, die sich stets bei zugezogenen Gardinen im Haus einsperren und selbiges niemals verlassen. Regelmäßig gegen 4.00 Uhr morgens höre sie seltsame Geräusche und beobachte einen enormen Schwarm schwarzer Krähen, der nur über dem Nachbarshaus kreise. Als ihr Hund ob dieses Spektakels eines Nachts rauslief, fand sie ihn am nächsten Morgen tot auf.
Die mit beiden Beinen fest im Leben stehende Ning weiß sich auf all dies keinen Reim zu machen. Tochter Ing, die mittlerweile bei Mama im Bett schläft, weist unerklärliche Kratzspuren eines symbolhaften Dreiecks auf. Als Ning kurz darauf selbst nachts um Punkt 3.45 Uhr erwacht, hört sie Geräusche aus einem Nebenraum und beobachtet durch einen Türspalt ihren Mann Kawin, der sich anzieht und die Wohnung (mit dem roten Buch im wohlweislich versperrten Rucksack) verläßt. Leise folgt sie ihm, der mit dem Lift nach oben gefahren war und entdeckt ihn auf dem Dach des Stadthauses, wie er knieend mantraartige Beschwörungsformeln rezitiert. Über ihm braust es in der Luft, hervorgerufen von hunderten schwarzen Krähen...
Die Thailändische Produktion Home for Rent nimmt sich viel Zeit, ihre Protagonisten einzuführen - eine scheinbar ganz normale Familie, über die langsam aber sicher immer mehr das Grauen hereinbricht. Gleichwohl die Zutaten (seltame Zufälle, verdächtige Symbole, blutige Gemeinschaftsrituale, nur im Spiegelbild sichtbare Geister, zum Leben erwachte Puppen etc.) allesamt nicht neu sind, gelingt es Regisseur Sophon Sakdaphisit mittels behutsamer Kameraführung und unaufgeregter Erzählweise eine unerwartet hohe Spannung zu erzeugen, die den Zuschauer geradezu an den Bildschirm fesselt. Keine Szene ist zuviel, alles ergibt einen logischen Zusammenhang und die insgesamt über 2 Stunden Laufzeit des Streifens, dessen erste Hälfte genauso gut in Europa oder den USA spielen könnte (und auch danach keine allzu hohen Ansprüche an die Kenntnisse südostasiatischer Kultur stellt), vergehen buchstäblich wie im Fluge.
Während in der ersten Stunde weitgehend die schleichende Isolierung der Hauptdarstellerin Ning im Fokus steht, die erkennen muß, daß sie fast niemandem mehr trauen kann und eine fremde Macht es auf ihr etwa 6-jähriges Kind Ing abgesehen hat (hier folgt der Plot in Ansätzen der Thematik von Polanskis Rosemary’s Baby) bricht Home for Rent bei einem zwischenzeitlichen dramatischen Höhepunkt abrupt ab und wechselt zu einer Rückblende, deren ebenso einfühlsam gefilmter und geschnittener anschließender Perspektivwechsel zu bereits Gesehenem aus jüngerer Vergangenheit beim Zuschauer eine teilweise Neuberwertung der bisher erlebten Figuren nach sich zieht. Fortan drängen Aspekte der Trauer, des Aberglaubens aber auch der Gewalt in den Vordergrund, wenn sich Rückblenden und gegenwärtiges Geschehen zum Ende hin vereinen - mehr sei jedoch nicht verraten.
Obwohl mir der vorhersehbare Schluß nicht ganz so gut gefallen hat, kann das Resümee für diese thailändische Produktion, die keine Logiklöcher enthält, ihre (durchwegs sauber getricksten) Schockeffekte sparsam und wohldosiert einsetzt und erfreulicherweise auf ins Nichts führende Subplots genauso wie auf Schnellschnittgewitter oder übermäßig viele Jump Scares verzichtet, insgesamt nur positiv ausfallen. Home for Rent, derzeit im thailändischen Original mit Untertiteln bei Netflix, ist in jedem Fall einen Blick wert, nicht nur für Genrefreunde: 8 Punkte.