"Feindliche Übernahme - althan.com" ist ein durchschnittlich gemachter Action-Thriller aus Deutschland, der nur teilweise unterhalten kann.
Robert Fernau (Thomas Kretschmann), Sicherheitsexperte des Energiekonzerns Althan AG, wird erpresst. Ein paar behämmerte rechtsradikale Terroristen (u.a. Martin Semmelrogge u. Thure Riefenstein) haben seinen Ziehvater Willi Konrad (Klaus Löwitsch) und die Firmen-Sprecherin Laura Schumann (Desiree Nosbusch) in ihre Gewalt gebracht. Die Fanatiker wollen die weltweite Inbetriebnahme umweltfreundlicher Kraftwerke verhindern - indem sie sämtliche Reaktoren computergesteuert in die Luft jagen. Fernau soll ihnen Zugang zum raffiniert gesicherten Zentralrechner verschaffen. Doch es kommt anders, als die Terroristen es erwartet hatten...
Thomas Kretschmann (Resident Evil 2) gibt einen brauchbaren Helden ab, auch wenn er bei der Besteigung der Gebäudewand stets blöd unter seinem Helm aus der Wäsche glotzt. Und Martin Semmelrogge (Das Boot) und Thure Riefenstein (Fighter) sehen auch noch aus wie zwei wasserstoffblonde Vorzeige-Arier. Von Riefenstein bekommt man nur die übliche Handlanger-Rolle zu sehen, während Semmelrogge sich aufgrund seiner merkwürdigen Stimme hervorhebt. Desiree Nosbusch (Opernball) geht in Ordnung, auch wenn sie nur die Geisel spielen darf. Klaus Löwitsch (Firefox) gibt eine Performance ab, mit der man zufrieden sein kann.
Die Action kommt nicht wirklich auf und wenn, dann wurde sie nur halbherzig inszeniert und ist sogar noch unter "Alarm für Cobra 11"-Niveau. Trotz ein paar eigener Ideen richtet sich die Story zu sehr nach amerikanischen Vorbildern. Während der Besteigung der Gebäudewand (die Idee an sich ist schon etwas schwachsinnig - oder die Neonazi-Deppen konnten sich keinen Helikopter leisten) wechselt das Wetter so schnell, dass Kachelmann einen Heulkrampf bekommen würde. Die Besteigung der Gebäudewand selbst sieht optisch in der Regen-Sequenz gar nicht mal so schlecht aus, aber der Sinn dieser Unternehmung bleibt einem verborgen. Die debilen Neo-Nazis reichen dann vom Vorzeige-Arier bis zum hirntoten Skinhead, und wurden allesamt klischeehaft gezeichnet. Später werden diese Vollidioten dann von ein paar Börsenspekulanten-Abziehbilder abgelöst, die ebenfalls reichlich ohne IQ daher kommen.
Hätte man nicht so viel Geld für die blödsinnige Fassadenkletterei verpulvert und man stattdessen einen Helikopter genommen hätte, hätte man auch viel mehr Zeit und Geld für ein paar nette Shoot-Outs a'la "Cliffhanger" und Zweikämpfe in bester "Stirb langsam"-Manier gehabt. Sowieso richtet der Film sich zu sehr nach Hollywood. Das hätte der Film eigentlich nicht nötig gehabt. Genauso unnötig sind auch die mehr als hirnlosen Neo-Nazis, die nix auf die Reihe bekommen. Der Neo-Nazi an sich mag böse sein, aber langsam wird es langweilig, wenn man ihn in jedem zweiten Film als Bösewicht präsentiert bekommt. Die Idee mit den Börsenheinis mag zwar ebenso debil sein, ist dennoch eine nette Abwechslung.
Regisseur Carl Schenkel (Knight Moves) hat einen lahmen Action-Thriller nach amerikanischem Vorbild inszeniert, der nicht so richtig überzeugen kann.