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Graf Zaroff war anno 1932 einer der Wegbereiter zur Menschenjagd, weshalb der Originaltitel „The Most Dangerous Game“ oft als Synonym für das Subgenre verwendet wird. Auch Regisseurin Elizabeth Blake-Thomas beschreitet diesen Pfad, kombiniert mit einem feministischen Rache-Motiv, welches erst spät zur Geltung kommt.

Cassandra (Mena Suvari) wird in einem Diner von Carter (Casper van Dien) und seinem Sohn Jackson (Will Peltz) angequatscht und zu einer Jagd auf einer Privatinsel eingeladen, wo als Hauptpreis 100.000 Dollar winken. Kurz darauf stellt sich heraus, dass Cassandra zur Gruppe Gejagter zählen soll, doch die verfolgt bereits eine Strategie…

Die Exposition schaut in Sachen Action noch nicht ganz so bitter aus wie einige nachfolgende Szenen, als Amazone Tessa (Maya Stojan) ihrer späteren Freundin in prekärer Situation zur Hilfe eilt und drei Angreifer plättet. Mithilfe einiger Hintergrundinformationen kristallisiert sich zeitig heraus, welchen Zielen Cassandra womöglich nachgeht, womit es sich das Drehbuch deutlich zu leicht macht.

Aber auch sonst wird teils maßlos übertrieben. Als die vermeintlich harten Kerle am Lagerfeuer über die Beweggründe ihrer verletzten Männlichkeit sinnieren, driftet die Chose schon arg in satirische Gefilde ab, was spätestens mit kollektivem Gebrüll der Alphamännchen unterstrichen wird. Die Frauen verkörpern lange Zeit nur namenlose und vor allem wehrlose Opfer und rennen während ihrer Flucht lediglich in Unterwäsche herum, nur Mena darf ihre Hose anbehalten. Allenfalls der unentschlossene Jackson als Jagdneuling liefert ein wenig Tiefe fernab der Schwarzweißmalerei um Geschlechterklischees.

Als letztlich die Jagd eröffnet wird, widersprechen einige ausgelegte Fallen im Wald natürlich prompt der Überlegenheit der animalischen Manneskraft, die jene doch eigentlich gar nicht bräuchte. Auch die aufgestellten Wildkameras erfüllen augenscheinlich keinen Zweck, denn keiner verfolgt die Aufnahmen, noch werden diese inhaltlich aufgegriffen. Immerhin gibt es am Rande noch einige Gewalteinlagen, die über sauber geworfene Messer über Kehlenschnitte bis hin zur angedeuteten Entmannung reichen, wobei das Blut zwar reichlich fließt, explizite Szenen jedoch fast keine auszumachen sind.

Mit der Action tut sich die Inszenierung indes keinen Gefallen, denn hier mangelt es aufgrund der schlechten Choreo komplett an Dynamik. Einige Hiebe und Schläge werden entweder zu lasch ausgeteilt oder sie verfehlen den Gegner um mehrere Handbreit. Dem kann eine solide performende Suvari kaum entgegenwirken und auch der Casper hat bei seinen stets überheblich wirkenden Einsätzen sichtlich Spaß. Rourke eher weniger, denn der müht sich umsonst, mit verkrampfter Mimik die Botoxschichten zu durchbrechen.

Natürlich versöhnen die Racheaktionen im letzten Drittel gegenüber der zuvor verströmten Frauenfeindlichkeit und wirklich langweilig gestaltet sich der teils naiv anmutende Schlunz nicht, doch in Sachen Suspense kommt der Stoff trotz der straffen 87 Minuten nur selten über Durchschnitt hinaus.
5 von 10

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