Eines Nachts wird eine verletzte Frau mit einem etwa 12-jährigen Mädchen nach einem Autounfall im Wald gefunden und in ein Krankenhaus eingeliefert. Während die Frau, die im Nachthemd unterwegs war, auf der Intensivstation betreut wird, erregt das unverletzte junge Mädchen, das sich Hannah nennt, seinen richtigen Nachnamen aber nicht sagen will und sich stattdessen, wie sie freimütig bekennt, etwas ausdenkt, die Aufmerksamkeit von Ärzten und Pflegepersonal: die Kleine (Naila Schuberth) ist nämlich weder schockiert noch verängstigt, sondern rezitiert in für ihr Alter völlig ungewohnter Form Erklärungsmuster und Lehrsätze, wie sie beispielsweise in Schulbüchern abgedruckt stehen.
Zur selben Zeit erfährt ein die Polizeinachrichten abhörender Polizist (Hans Löw als Gerd Bühling) zuhause von dem Vorfall und ruft sofort ein älteres Ehepaar an, denen er mitteilt, daß eine "Lena" eventuell wieder aufgetaucht sei. Obwohl es mitten in der Nacht ist, fahren die beiden sofort ins Krankenhaus und begehren Einlass in den OP. Dort jedoch stellt der ziemlich aufgeregte Mann, es ist der Anwalt Matthias Beck (Justus von Dohnányi) enttäuscht fest, daß die Dame auf dem OP-Tisch nicht jene "Lena" ist. Als ihnen die kleine Hannah zufällig am Gang begegnet, fällt Matthias jedoch auf die Knie, breitet seine Arme aus und seufzt "Lena...". Doch Hannah, die in Matthias Beck anscheinend ihren Großvater wiedererkennt, bleibt eher distanziert, und das ältere Ehepaar wird gebeten, vorerst das Krankenhaus zu verlassen.
Die ermittelnde Kommissarin Aida Kurt untersucht tags darauf das Gelände um den nächtlichen Unfallort mit einer Hundestaffel und wird auch fündig, doch die Spur verliert sich vor einem abgesperrten ehemaligen NATO-Übungsgelände. Ohne auf weitere Anweisungen zu warten, läßt Kurt kurzerhand das Schloß knacken und schickt das SEK auf das Gelände. Ein schwerer Fehler, denn der Boden ist gespickt mit Anti-Personen-Minen, die dem ersten Beamten die Beine abreißen, während sich seine Kollegen nicht vom Fleck bewegen können...
Eine ebenso verwirrende wie spannende Geschichte präsentiert das Regisseursduo Isabel Kleefeld und Julian Pörksen, die auch das auf einem Roman basierende Drehbuch schrieben, mit ihrem 6-Teiler Liebes Kind. Die im Raum Aachen angesiedelte deutsche Produktion weiß vor allem durch den bemerkenswerten Auftritt der kleinen Hannah das Publikum von Anfang an zu fesseln. Die zahlreichen Rückblenden, die das bisherige Leben der Kleinen, ihrer Mutter und ihres jüngeren Bruders im Wohnzimmer einer hermetisch abgeschlossenen und kameraüberwachten Kellerwohnung zeigen, deuten zunächst auf einen deutschen "Fall Fritzl" hin. Das größte Rätsel aber bleibt jene Lena, die nicht die biologische Mutter der Kinder ist, im Gegensatz zu diesen massiv unter dem Eingesperrtsein litt und auch jetzt noch wie ein Nervenbündel wirkt. Doch wer hatte die drei dort eingesperrt und warum?
Stück für Stück präsentiert sich dem Publikum dann ein Puzzle-Teil nach dem anderen und gewährt Einblick in die Folgen einer brutalen Konditionierung, die sich besonders bei Hannah immer wieder zeigen, wenn sie beispielsweise unaufgefordert beide Seiten ihrer Hände vorzeigt, deren Nägel sauber zu sein haben und in denen sie nichts Gefährliches verstecken darf, wie sie die gelernten "Regeln" öfter rezitiert. Auch der Stehsatz, daß sie "ein großes Mädchen sei, sich alles genau gemerkt und alles richtig gemacht habe" fällt immer wieder. Doch warum glaubt das inzwischen von einer sensationshungrigen Pressemeute belagerte Anwaltsehepaar, in der Kleinen ihre vor 13 Jahren spurlos verschwundene Tochter wiederzuerkennen (was, wie sie selbst erkennen, altersmäßig nicht hinhauen kann), wissen aber mit der Frau im Krankenhaus, der von den Kindern so titulierten "Mutter Lena" absolut nichts anzufangen?
Die am Ende des 6. und letzten der jeweils etwa 45 bis 50 Minuten dauernden Teile präsentierte Lösung ist dann zwar in sich schlüssig, enttäuscht jedoch die zuvor mit zahlreichen kleinen Hinweisen genährte Theorie einer möglichen allumfassenden Verschwörung. Auch bleiben einige Fragen, die man sich zwischendurch gestellt hatte (Stichpunkte: die wiederaufgetauchte Mrs. Tinky, das Bombenleger-Know-How, eine bedeutungslose Affäre oder auch die erstaunlicherweise unbemerkte Flucht zu einem Wohnmobil, um nur einige zu nennen) über das nicht sonderlich spektakuläre Finale hinaus unbeantwortet.
Dennoch bietet Liebes Kind über lange Strecken eine ergreifende Story, bei der neben der Kinderdarstellerin besonders Kim Riedle als verstörte Lena respektive Jasmin (wie sie richtig heißt) zu überzeugen vermag. 7 Punkte.