Review

Also eigentlich habe ich mir schon mehr erhofft als das, was da letztendlich auf dem Bildschirm zu sehen war. Noch das kleine Meisterwerk "Funny Games" im Gedächtnis, war es ja klar, dass ich auch "Code: unbekannt" sehen musste. Doch der Film entpuppt sich meines Erachtens als etwas zu gewagt. Ich bin eigentlich wahrscheinlich mit der Letzte, der sagen würde, ein Regisseur hat es mit einem Film etwas übertrieben, vor allem was Filme angeht, die das Leben verschiedener Menschen schildern. Ok, der Inhalt des Films kann natürlich vollkommen nachvollzogen werden, d.h. so kann es sich auch im realen Leben abspielen.
Doch dass die meisten Geschichten davon unvollständige bzw. unfertige sind, finde ich schon ein wenig arrogant. Schon allein der Gedanke an so einen Film ist natürlich gewagt, aber sicherlich nicht falsch, da ich derartige Machwerke eigentlich über alles liebe. Die Grausamkeit bzw. die Schönheit des Lebens offenbart sich in ihnen sehr oft, wie die Personen entweder aufmunternde, aber auch ernüchternde Momente erlebt. Aber wieso muss Haneke dann unvollständige Geschichten erzählen? Dass sich der Konsument seine eigenen Gedanken machen kann, wie es bei den meisten Episoden weitergeht? Oder wollte Haneke einfach nur wieder was Außergewöhnliches machen, was ihm ja schon mit "Funny Games" gelungen ist?
Ich weiß es nicht und es bleibt wohl auch immer das Geheimnis des Regisseurs. Und für Leute, die sich über diese Tatsache nicht negativ äußern, weil sie es nicht besonders schlimm finden, erübrigt sich das Ganze ja sowieso. Versteht mich nicht falsch, "Code: unbekannt" ist kein schlechter Film, nur teilweise kommt es mir so vor, dass er es zwingt, "Kunst" zu sein.
Sicher hat der Film auch seine positiven Seiten, keine Frage. Allem voran wären da die Schauspielerleistungen, die aufgrund der realistischen Kameraeinstellungen und -fahrten ins Geniale übersiedeln. Minutenlang wird da ohne Zwischenschnitt gefilmt, man sieht einen Dialog zwischen zwei Leuten, wie sie ihn am Stück reden. Teilweise kommen dann auch noch ganz andere Personen dazu, reden mit, oder manche gehen einfach. Und das ohne Zwischenschnitt. Da wurde also sehr gute Arbeit geleistet, wodurch "Code: unbekannt" den bestimmten Independent-Film-Charakter schnell innehat, da er äußerst intensiv und fast schon persönlich ist. Denn die Hintergrundgeräusche werden nicht, wie in vielen anderen Filmen, ganz entfernt oder leiser gedreht, ganz im Gegenteil, irgendwie ist Alles zu hören, was beim Zuschauer ab und zu den Eindruck erweckt, selber dabei zu sein und sich vielleicht gerade eben mit der Person zu unterhalten.
Doch für mich sind die Schauspieler nicht Grund genug, den Film im oberen Drittel zu bewahren, denn die Art und Weise, wie Haneke "Code: unbekannt" inszeniert hat, regt ein wenig auf. Wenn er schon Geschichten erzählt, dann schon ganz. Denn ich glaube nicht, dass er erreichen wollte, dass der Zuschauer nachher die Episoden nach eigener Vorstellung zu Ende denkt.
Im Großen und Ganzen natürlich akzeptabel, aber nicht so genial, wie es oft heißt. Sowieso nur für Fans von Independent-Filmen, denen es nicht so nach Action, sondern eher nach Anspruch ist. Doch auch diejenigen haben mit "Code: unbekannt" sicher keinen leicht zugänglichen Film. Geschmackssache. 6/10 Punkte

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