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Das Folter-Franchise geht in die zehnte Runde und kehrt spürbar zu seinen Wurzeln zurück. Wie ein Großteil der letzten Teile offenbarte, funktioniert „Saw“ ohne Tobin Bell als Jigsaw nur leidlich, dafür lernt man hier einige neue Facetten von ihm kennen.

Als John Kramer (Tobin Bell) eine niederschmetternde Krebsdiagnose erhält, greift er nach dem letzten Strohhalm, indem er sich für eine Behandlung von Dr. Pederson (Synnøve Macody Lund) nach Mexiko begibt. Kurz nach der vermeintlich erfolgreichen Operation erfährt John, dass er einem Team von Betrügern aufgesessen ist und entschließt sich für einen blutigen Rachefeldzug…

In der Chronologie ist diese Episode zwischen Teil 1 und 2 angesiedelt und dürfte sich demnach im Jahr 2001 abspielen. Folgerichtig gibt es noch keine Nachfolger, Stellvertreter oder Nachahmer und auch keine verwirrenden Zeitsprünge, da die Handlung geradeaus und ohne Schnickschnack vorgetragen wird.

Zwischen der ersten kurzen Foltereinlage und der darauf folgenden vergeht eine ganze Weile, während sich John in der Klinik aufhält und Emotionen offenbart, die bis dato verborgen schienen. Einem Jungen gegenüber zeigt er sich hilfsbereit und veranschaulicht sein Geschick als Mechaniker, während er später auch mal ein Tränchen der Rührung verdrückt oder kurzfristig die Kontenance verliert. Zudem zeigt er sich seinen potenziellen Opfern, was ihn menschlicher und weniger kontrolliert erscheinen lässt.

Auch anhand der Bauweise der Fallen wird deutlich, dass selbst ein Jigsaw mal vergleichsweise klein angefangen hat, wobei die Schlichtheit diverser perfider Spielarten durchaus effektiv ist und einige prekäre Entscheidungen unter Zeitdruck abverlangt.
Entsprechend müssen Leute an sich herumsägen oder bohren, sich die Knochen brechen oder über Gebühr schlucken, was einmal mehr mit derben Gewalteinlagen handgemachter Natur einhergeht. Zudem gibt es kleine Anspielungen auf vorangegangene Teile, ein Wiedersehen mit zwei Nebenfiguren und ein nettes Gimmick während des Abspanns.

Bei alledem steht Tobin Bell im Zentrum, was der nunmehr 81jährige mit Bravour meistert, zumal er hier mit einigen Nuancen performt. Wofür er nichts kann, ist die sichtliche Alterung seiner Figur binnen kurzer Zeit, - schließlich stammt „Saw“ bereits aus dem Jahr 2004.
Indes arbeitet der Score mindestens zweckdienlich und auch sonst ist handwerklich kaum etwas anzukreiden, außer dass Darmschlingen vielleicht doch nicht so robust sind, um sie derart zweckentfremdet einzusetzen.

Regisseur Kevin Greutert, der im Saw-Franchise zuletzt 2010 mit „Saw 3D – Vollendung“ weniger überzeugen konnte, liefert hier ordentlich ab und besinnt sich auf die Stärken der Reihe. Dazu zählen neben kleinen Wendungen natürlich ordentlich inszenierte Todesspiele, wogegen die eigentliche Hauptfigur endlich etwas mehr Background spendiert bekommt. Neben dem Original zweifelsohne der beste Teil der Reihe.
7,5 von 10

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