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Von seinen Ärzten aufgegeben stößt John Kramer - Krebspatient im Endstadium - auf Dr. Cecilia Pederson, die in Mexiko-Stadt ihr Lager aufgeschlagen hat und mit einer experimentellen Behandlungs-Methode auch vermeintlich hoffnungslosen Fällen gute Aussichten auf Heilung verspricht... was diese sich aber natürlich auch ordentlich was kosten lassen müssen. Kramer reist prompt nach Mexiko und unterzieht sich der besagten Prozedur, muss im Anschluss daran allerdings feststellen, dass er einer Bande von Betrügern auf den Leim gegangen ist, die die Verzweiflung todkranker Menschen ausnutzt, um ihnen die letzte Kohle aus der Tasche zu ziehen. Bei John Kramer sind sie mit ihrer Masche natürlich an den Falschen geraten, denn bei diesem handelt es sich in Wahrheit um den berüchtigten Serienkiller "Jigsaw", der zusammen mit seiner Assistentin Amanda Dr. Pederson und ihre Kollegen einkassiert und wieder anfängt, seine Spiele zu spielen... Wenn Harrison Ford mit über 80 nochmal den Indiana Jones geben kann, dann kann der gleichaltrige Tobin Bell auch nochmal in seiner Parade-Rolle als Jigsaw auftreten... und wie erstaunlich ist es bitteschön, dass die Macher zur Abwechslung aus dem mal eher danebengegangenen 2021er-Vorgänger/Spin-Off "Saw: Spiral" tatsächlich die korrekten Schlüsse gezogen und ganz richtig erkannt haben: "Saw" ohne John Kramer... das is' mal eher nix! In seiner Anlegung als Prequel geht "Saw X" nun also wortwörtlich back to the roots, was sich aufgrund der bisherigen serieninternen Kreuz-und-quer-Chronologie der Ereignisse erzählerisch mal wirklich problemlos umsetzen lässt und die zeitliche Verortung der Handlung irgendwann zwischen den ersten beiden Filmen auch insofern überzeugend gerät, weil Tobin Bell ja schon damals dank angedichteter Krebs-Erkrankung in der Rolle bewusst einen eher unfitten und ausgemergelten Eindruck gemacht hatte und er in den zwanzig Jahren seit dem Original auch nicht sooo eklatant gealtert ist. Überraschend ist allerdings, dass die Figur John Kramer hier tatsächlich mehr im Fokus des Interesses steht, als es in allen bisherigen "Saw"-Streifen zuvor der Fall gewesen ist und dieser nicht nur wie in den meisten anderen Fortsetzungen - aufgrund seines zu frühen Ausscheidens/Ablebens - nur hier und da mal 'ne Rückblenden-Szene spendiert bekommt, sondern damit zum ersten Mal zum klar definierten Protagonisten eines seiner Filme wird und Bell hier in der ersten Hälfe ohne viel splatteriges Brimborium und alleine durch die Performance einen lupenreinen Drama-Part schultern muss, was dann auch wunderbar klappt. Im zehnten Anlauf hat man es dann auch tatsächlich geschafft, die Zuschauer-Sympathien bezüglich John Kramer/Jigsaw und seiner mörderischen Umtriebe noch mal gehörig zu verschieben (nicht ungeschickt gedeichselt, indem man hier die mit weitem Abstand bislang verabscheuungswürdigste Bagage als zu läuterndes, unfreiwilliges Schlachtvieh auffährt) und den Charakter an sich tiefer auszuloten, was rückblickend betrachtet sämtliche (!) Vorgänger gar nicht unerheblich aufwertet (ausgenommen eben den Jigsaw-freien "Saw: Spiral", der halt hoffnungslos misslungen ist). Durch die ungehetzte und ausführliche Schilderung der Ausgangslage sowie der misslichen Situation John Kramers vermittelt dieser erneute Einstieg in die Reihe also ein unerwartetes Maß an Tiefgang, wie kurios! Die Zuschauer-Erwartungen bezüglich der üblichen Torture-Porn-Sperenzchen erfüllt der Streifen erst ab der Halbzeitmarke, wenn da im Vergleich zu den letzten beiden eher harmloseren Beiträgen härtetechnisch wieder ein Gang hochgeschaltet wird und die endkrassen Blutrünstigkeiten (dieses Mal keine bis ins Detail ausgeklügelten Fallen-Apparaturen, sondern eher hinimprovisierte, erzwungene Selbstverstümmelungen) mit einer erhöhten Frequenz auf einen herniederprasseln. Was den schieren Gore-Gehalt anbelangt rangiert "Saw X" dann auch sogar gleichauf mit "Saw - Vollendung", der einem das Gekröse in der dritten Dimension um die Ohren gehauen hatte, inszenatorisch und auf Drehbuch-Ebene erreicht man rein qualitativ durch den etwas anderen Story-Blickwinkel sogar das Level des damals noch als ziemlich frisch empfundenen und nicht so arg von erzählerischer Routine runtergezogenen Fortsetzungs-Doppels "Saw III" und "Saw IV"... was an sich ja doch schon ein ziemliches Kompliment ist. Wie gesagt, die Balance zwischen Drama und Folter-Porno ist vollauf geglückt, allenfalls das finale Twist-Bombardement haut einen im zehnten Anlauf nun wirklich nicht mehr so aus den Latschen, wie damals das echt unfassbare Ende des James Wan-Originals. Dennoch: The best tenth installment of a movie series ever und nochmal eindrucksvoll die Kurve gekriegt. Ach ja, wer beim Einsetzen des Abspanns aus dem Saal rennt, verpasst 'ne Mid-Credit-Szene mit einem Kurz-Auftritt eines weiteren alten Bekannten, also sitzenbleiben...!

8/10

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