Eigentlich führt sie als Kuratorin in einer Künstleragentur in Little Haiti, Florida ein angenehmes Leben, doch in jüngster Zeit häufen sich bei Billie (Maisie Richardson-Sellers) Alpträume und Halluzinationen. Außerdem stellt die an sich lebenslustige schlanke Endzwanzigerin immer wieder Gedächtnislücken fest, wenn sie sich an Erlebnisse aus der näheren Vergangenheit zu erinnern versucht. Ihr Wahlarzt führt diese merkwürdigen Bewußtseinsstörungen, die sich für Billie wie eine Zeitschleife anfühlen, auf ein ähnliches Syndrom wie bei ihrer verstorbenen Mutter zurück, helfen kann er ihr jedoch auch nicht.
Ebenfalls keine Hilfe ist Billie ihre neue Freundin Alex Bishop (Shannon Woodward), mit der sie seit einem halben Jahr zusammen ist - die etwas grobschlächtige Frau aus finanziell potentem Haus möchte nämlich, daß die beiden endlich zusammenziehen, wogegen Billie sich aber noch sträubt. Alleingelassen mit ihren seltsamen Wahrnehmungen, bei denen sie bisweilen ohnmächtig oder auch ertränkt wird, sich von einem Voodoo-Priester verfolgt fühlt und diverse Begebenheiten mehrfach hintereinander mit verschiedenen Ausgängen erlebt beschließt Billie, selbst hinter das Rätsel zu kommen...
Das Label Horror, mit dem Jagged Mind bei Disney+ geführt wird, erweist sich hier wieder einmal als vollkommen irreführend - stattdessen ist der unter der Regie von Kelley Kali und Drehbuchautorin Allyson Morgan entstandene Streifen ein lesbisches Beziehungsdrama, das erst ab Filmmitte einige Thrillerelemente einbaut und dessen Mystery-Anteil sich auf Andeutungen zu einem Voodoo-Kult beschränkt. Dementsprechend kommt auch keine Spannung auf, denn es wird nie wirklich klar, ob die gezeigten Szenen nun Realität sind oder Billies verwirrter Erinnerung entspringen. Erst nach einiger Zeit vermag sich der Zuschauer ein vages Bild davon zu machen, was tatsächlich vorgefallen ist, wobei am Schluß dennoch etliche Fragen offen bleiben.
Problematisch ist auch der Umstand, daß lange Zeit außer Beziehungsgequatsche nicht viel weitergeht, was Hinweise auf Billies Geisteszustand gibt. Kann die junge afrokaribische Kuratorin zumindest ein gelindes Interesse an ihrer Situation wecken, so tritt ihre Freundin Alex (optisch fast das Gegenteil von Billie) von Anfang an unsympathisch auf: nicht nur, daß sie permanent klammert, auch ihr wenig empathisches Auftreten bei einer Geburtstagsfeier von Billies früherer Partnerin weisen sie als egoistischen, eifersüchtigen Charakter aus. Schlechte Voraussetzungen, dem Film mit größerer Aufmerksamkeit zu folgen und daran ändert auch die - für ein Erstlingswerk - erstaunlich professionelle Kameraführung nichts.
Das Ende erfolgt dann, gemessen am zuvor gemächlichen Erzähltempo, deutlich zu abrupt und läßt überdies offen, ob die letzten Szenen nun Realität oder doch nur eine Wunschvorstellung sind. Vergeblich hofft der Krimifreund auf beispielsweise einen nachfolgenden Epilog, doch die dramaturgischen Aspekte eines Thrillers standen wohl nicht auf der To-Do-Liste der Autorinnen. So bleibt Jagged Mind ein mäßig unterhaltsames Drama, das man einmal gesehen auch gleich wieder vergisst. 3 Punkte.