Review

Grünfilter und Vaterfiguren

Die Tochter eines berühmt-berüchtigten Serienmörders hält ihre Vergangenheit, Kindheit und Traumata mit ihrem Vater geheim. Bis die Polizei dutzendfach in ihrem Haus steht und sagt, er sei ausgebrochen und könnte Kontakt mit ihr aufnehmen…

Was auf dem Papier klingt wie ein Throwback in seligere 90s-Thrillerzeiten, kann in Realität vor allem durch seine alles und jeden überragende, schmerzhaft gut spielende Hauptdarstellerin punkten. Was Daisy Ridley hier abreißt ist groß. Sie zeigt's all ihren Kritikern! Ohne sie wäre „Das Erwachen der Jägerin“ nur halb so gut und sehr wahrscheinlich ein ziemlicher Schnarcher. Auch so kommt man um ein paar Hänger, blinde Flecken und einen der heftigeren, nervigsten Grünfilter seit langem nicht herum. Aber allein ihr Spiel hat mich bei der Stange gehalten. Kein Vergleich zu ihrer hölzernen und fehler- wie lernfreien Rey in Star Wars. Hier ist sie verletzlich, abgehärtet, traumatisiert, glaubhaft und sensibel-menschlich. Plus sie macht eine Entwicklung durch. Dazu ein gewohnt starker Mendelsohn als ihr Vater, der ihr irgendwie zwiegespalten gegenübersteht. Fertig könnte ein spannendes Duell auf Augenhöhe zwischen Vergebung, Abschluss, Neuanfang und Aufarbeitung sein. Mit Jagdgewehr, Teufelchen sowie Engelchen auf der Schulter. Und teils ist er all das auch. Trotzdem baut sich für mich nie genug Spannung und Druck auf, um einen gänzlich auf den Rand der Couch zu setzen und unbedingt wissen lassen zu wollen, wer „gewinnt“ oder was passiert. Dazu plätschert's etwas zu sehr vor sich her. Es fehlt der finale Griff an die Gurgel, der Tritt in die Eier(stöcke) oder das ungute Gefühl im Nacken. Schnell vergessen. Highlightarm. „Das Erwachen der Jägerin“ bleibt mir oberflächlich zu brav und psychologisch zu flach für Größeres. Wie gesagt, ohne je schlecht zu werden. 

Fazit: eine bockstark Daisy Ridley zeigt es allen! Ein halbgarer Thriller zeigt sehr wenig! 

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