Review

Ein eiskaltes Händchen

David Fincher hat Humor? Ja, das hat man seit „Fight Club“ vielleicht etwas vergessen, doch mit seinem neuesten Netflixthriller „The Killer“ holt er diese etwas eingerostete Eigenschaft aus seiner Mottenkiste. Was den statischen und furztrockenen Auftragsmörderkrimi aber auch nicht davor rettet, für mich eine Enttäuschung (auf hohem Niveau!) zu sein… „The Killer“ erzählt von dem schnöden Alltag und den festen Prinzipien eines „Assassinen“ - bis ein Auftrag schief läuft und er seine Regeln und Rituale gehörig durchgerüttelt sieht…

Hast du einen Plan oder lebst du schon?

„The Killer“ ist ein eiskalter Thriller zwischen Kapitalismuskritik, unterschwelligem Humor und… hübscher Langeweile? Ja, irgendwie für mich schon. Ein schwächerer Fincher ist immer noch deutlich besser als viele Mainstreamhits oder Durchschnitt. Dennoch ist der perfektionistische Profikillerkrimi ebenso Geduldsprobe wie Kunstwerk. Fassbender spielt das grandios. Die Bildsprache ist edel. Das kürzeste Intro des Jahres. Kommt zum Punkt und mäandert doch absichtlich herum. Der graue Rock-Soundtrack kriegt einen Daumen hoch. Und das Ganze ist ziemlich deutlich eine Metapher auf Gier, Kontrolle und den Ausbruch aus der Regel, Konzernen und den eigenen Plänen. Eine (einzige) klasse Actionszene gibt’s noch minutenlang zu sehen. Ansonsten sind's eher Details und Denk- und Übertragaufgaben, die einen bei der Stange halten. Manchmal etwas öde und trocken nach Prinzip. Schaut man jedoch genauer hin, gibt’s eine Menge zu entdecken, interpretieren, diskutieren. Die Front bzw. eigentliche Geschichte ist für mich schwach - die untergründigen Themen und Tabus, das „Eigentliche“ hat es aber in sich. Schön, dass Netflix auch solche Projekte hergibt. Fincher fordert, Fincher fördert, Fincher fingiert. 

Fazit: obwohl viel der Kälte und Beherrschtheit Teil des Konzepts und Spiels ist - „The Killer“ hat mich nicht durchgängig gekriegt und gehört für mich zu Finchers schwächeren. Mäandernde (beabsichtigte) Antiwerbung für den Auftragskillerberuf. „Hitman“ auf Valium. Interessant und hübsch, aber für meinen Geschmack geht die Rechnung hier nicht gut genug auf. Obwohl die dunkel-humorvollen Töne etwas frischen Wind in seinen Style bringen. 

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