Vorab zur Klarstellung, wegen Tippfehlern. Nein, es liegt nicht an der deutschen Kino-Preview von "Der Exorzist - Believer" (EB), für welchen ich im Rahmen eines Gewinnspiels zwei Kinokarten gewann, sondern an einem leichten Schlaganfall, den ich schon vor Sichtung des Films erlitten hatte, und meine rechte Hand leider "ausgefallen" ist.
EB war für mich mein erster Kinobesuch seit 2018, als wir noch alle "gesund" waren, Corona eine Biermarke war und man - zumindest in Ö - in Bars noch rauchen durfte. Eine Herausforderung für mich, auf die ich mich einließ.
Ich bin zwar "erst" 41, aber in den letzten 4 Jahren haben sich die und die Menschheit ganz schön verändert. Ich war recht verblüfft, als ich die Besucher des Kinocenters so beobachtete. Bärtige, abgemagerte junge Burschen in Frauenkleidern, Angst vor dem Gegenüber, keine Freundlichkeit, und musste ich erkennen, dass ich mir eine neue 80er-Jahre-Garderorbe zulegen sollte. Dies sei nur nebenbei erwähnt, quasi als Rahmenimpression für EB.
Als DG Green seine "Halloween-Triologie" uns während der Pandemiejahre präsentierte, wurde natürlich per Heimkino geschaut. Als Fan dieses Franchises nahm ich die Trilogie zur Kenntnis, "Cash Cow" pur, Jamie Lee benötigte offenbar Geld, uninteressanter Ansatz und schön langsam reicht es. Ob Klassiker wie Chucky, Halloween usw., oder neue Produktionen per Netflix oder Amazon, werden einerseits verhunzt, oder so billig und lächerlich inszeniert, dass man froh ist, ein Abo zu haben, und nicht pro Film bezahlen müsste. Ich frage mich immer, v.a. bei Produktionen, welche noch Kino-Releases schaffen, wo diese Millionen von Produktionskosten versumpern ...
Die (geplante) Trilogie von "Der Exorzist", startend mit EB liegt noch eine Niveaustufe tiefer. Kannten "Halloween" junge Erwachsene kaum, da sie nur mit dem Fest etwas anfangen können, so konnten Fans oder Kenner des Originals noch etwas mit diesem in Verbindung brennen.
Und nun wird "Der Exorzist" künstlich, nach der Netflix- oder Amazon-Serie, erneut künstlich und künstlerisch "vergewaltigt"? William Friedkin, der Schöpfer des Originals wusste, warum er kurz von der Veröffentlichung von EB aus dem Leben schied. RIP. Menschen, die das Original als Jungendlicher in den 70er, oder 80ern sahen, erlebten Horror. Keinen klassischen Horror, sondern etwas Neues, ein gewisses Gefühl von Schauer, Ungewissheit und Suspense, ohne unnötigerweise Liter an Filmblut zu verschwenden.
EB lässt sich grundsätzlich dreiteilig darstellen. Die ersten 40 Minuten sind irrsinnig langweilig, können am Ende dieser jedoch ein wenig Gänsehaut verursachen. Die Performance der jugendlichen Darstellerinnen ist zu loben.
Neben mehrerer Drehbuchmängel, merkwürdig gepfutschter Schnitte und unnötiger CGI-Effekte, ist v.a. der Auftritt von Ellen Burstyn als "Chris McNeal" aus dem Original zu bemerken.
Es solle sich zwar, um eine "Fortsetzung" des Originals handeln, doch der Auftritt von Burstyn ist einfach nur lächerlich und bedauerlich. Hochachtung vor dieser Oscar-Preisträgerin, welche in zwei, drei Szenen kurz auftritt, ihre Weisheiten schildert und mich letztendlich an David Bowie's letztes, hochgeschätztes Video "Lazarus" erinnert. Warum auch immer.
Sofern es eine Fprtsetzung zu EB geben wird, wovon ich ausgehe, som vermute ich, dass uns Burstyn aufgrund ihres hohen Alters nicht beehren wird. Dafür jedoch eine andere Botox-Queen, deren Vorkommen in EB bis zuletzt negiert wurde. Oder war sie es doch nicht?
Eines muss man EB lassen. Es gab NULL bzw. kaum Vorabinfos. Ich dachte und hoffte, man hätte dieses Projekt gestoppt oder auf Eis gelegt, aber nein. Vor einigen Wochen ging es mit Infos los. Marketing gut gemacht, EB selbst als deutsche Fassung kann sich gerade noch im positiven Bereich meiner Bewertung halten.
Negativ ist EB jedenfalls behaftet, dass er unbedingt politically correct sein musste. Eine jede menschliche "Rasse" musste vertreten sein, ebenso (fast) alle Religionen.
SPOILER ON
Den Exorzisten gibt es nicht. Wie in "Halloween Kills" übernimmt plötzlich ein Kollektiv an Herkunft und, in diesem Fall Religionen, den Exorzismus eigenständig. Der einzige katholische Priester stößt aufgrund mangelnder Genehmigung durch seine Diozöse erst später hinzu, wird bei Hinzutreten des Kreises durch billige Effekte das einzige Opfer des Exorzismus, und "letztendlich kennt sich an dieser Stelle kein Schwein mehr aus, wer wer oder was ist." "Natürlich" überlebt die vorerst ungläubige "schwarze" Familie", während aufgrund des Egoismus der "weißen" Familie und der Feigheit des katholischen Priesters diese Familie trauern wird müssen.
SPOILER OFF
Pros:
- Lob für Ellen Burstyn, für ihre Leistung in diesem Alter, trotz jeglicher Sinnhaftigkeit ihres Auftretens, dämlicher Dialoge, um mich dennoch dazu zu animieren, mir noch heute das Original wieder anzusehen.
- Lob für die "Besessenen". Schon ohne Besessenheit wirkten sie unsympathisch, und ich persönlich, hätte mich bei einer wesentlich gestellten Frage im Rahmen des Exorzismus, mich kein einziges dieser Plagen entschieden. Pfui Teufel, aber tolles Makeup, obwohl nie erklärt wurde, woher die "Kreuz-Narben" an der Sturn entstanden sind usw.
- Einige, wenige Suspense-Effekte sind vorhanden, die effektivsten davon wurden leider schon in den Trailers vorweggenommen.
- Sympathischer und recht ruhig agierender Hauptdarsteller
- Ansonsten ist leider nur das Ende des letzten Drittels positiv zu bewerten, da es das Ende von EB darstellte.
Cons:
- Ein Versuch, das Franchise neu zu beleben. Nur - abgesehen von Kennern - gab es hier niemals ein Franchise. Selbst der sog. "Teil 4" musste zweimal durch zwei unterschiedliche Regisseure abgedreht werden. Schon Teil 2 mit Boto... ähm ...Linda Blair klappte nicht. Warum einen Versuch wagen, wenn man weiß, dass es nicht gelingen kann?
- Vieleicht waren gute Ansätze dahinter, gute Ideen, doch die Umsetzung gelang nur mangelhaft-
- Abgesehen von Burstyn gibt es keinen Zusammenhang zum Original. Da Drehbuch ergibt Null Sinn. Wäre Max von Sydow nicht vor 3 Jahren verstorben, so hätte man ihn auch noch "verbraten".
- Warum Burstyn, in der Eingangssequenz vorgestellt, verstehe ich nicht.
- Warum eine offenbar katholische Krankenschwester, welche als Novizzin schwanger wurde, "abtrieb" oder auch nicht, und plötzlich die "jüdische Seite" des Exorzismus-Quintets vertritt - I don't know.
I don't know, we don't know. In diesem Kinosaal waren hauptsächlich Jugendliche, deren Eltern zum Zeitpunkt des Erscheines des Oroginals wahrscheinlich noch nicht einmal das Licht der Welt erblickt haben. Wie sollen dann deren - im 80er-Jahr-Style -gekleideten Kinder oder sogar schon Enkelkinder, Film als Kunst schätzen, Zugang zu Kunst haben und trotz Literweise Konsom von Cola-Light (natürlich ohne Zucker), in einer XL-Jeans sich den Sitzplatz mit einem unbesetzten Sitz teilen müssen, noch verstehen können, das Kino einstmal ein Erlebnis war und und und ...
FAZIT: Schwachsinn von A-Z; gute DarstellerInnen, nervige "political correctness", Produzenten Friedkin's Erbe nicht würdigen wollen, oder können; ab und an mittelmäßig gut eingesetzte Suspense-Szenen im zweiten Drittel; veranöasste mich zumindest zu einer Rezenssion; Fortsetzung meinerseits nicht gewünscht, wenn doch, dann nur im Heimkino