Glaube versetzt nicht alle Berge
Der originale „Exorzist“ von William Friedkin (RIP!) war einer der größten, ersten und legendärsten Blockbuster. Nicht nur seiner Zeit, nicht nur in Sachen Horror oder gar nur im Exorzismus-Subgenre. Sondern übergreifend, allgemeingültig und weltweit. Noch immer einfach ein Goldstandard. Über Teil 2 legt man besser den Mantel des Schweigens, ein bodenloser Tiefpunkt. „Exorzist III“ wiederum geht (ähnlich wie „Halloween III“) ganz eigene Wege und kann mit Schmackes zumindest als lange Zeit underrated, verkannt und Geheimtipp betitelt werden. Den mag ich sehr. Nun kommt Herr Green und soll einen Neustart initiieren, genauso wie er es mit dem Mythos Myers getan hat, gleich eine Trilogie starten, die klassische Werte mit modernen Zuschauersensibilitäten verbindet. Doch schon in Haddonfield ist ihm das spektakulär misslungen. Der Mann ist ein laufendes Warnschild mittlerweile für die meisten Genrefans, selbst wenn er sich zuvor im Indiezirkus durchaus seine Sporen verdient hat. Was für dämonische Kräfte sind am Werk, dass Hollywood bei ihm noch immer hausiert? Kann er mit „Exorcist: Believer“ vielleicht das Ruder sogar rumreißen? Wir folgen hier gleich zwei Familien, zwei dämonisch besessenen kleinen Mädchen, die wie gewohnt durch ein höllisches Martyrium wandern zwischen verdrehten Köpfen, gedrosselten Obszönitäten und Tubular Bells im Coitus Interruptus-Modus…
David Gordon Green - Der Legendentöter
Ich mag Trailer und Poster zu „Exorcist: Believer“. In Sachen Marketing funktioniert das Green'sche Prinzip durchaus. Das tat es auch schon bei seiner „Halloween“-Trilogie, wo ich nur dem Auftakt einigermaßen etwas abkaufen konnte. Der Rest war nicht weit von einem Mittelfinger und Arbeitsverweigerung entfernt. Aber mit solchen harschen Aussagen muss man vorsichtig sein - denn „Exorcist: Believer“ braucht noch Spielraum. Und zwar nach unten. Denn egal wie wenig man erwartet hat, wie skeptisch man wegen Green vorher schon war, wie wenig man überhaupt eine weitere Fortsetzung zum Klassiker brauchte - „Believer“ tanzt locker aus der Hüfte Qualitätslimbo mit solchen Befürchtungen. Jedes jecke Grinsen von Linda Blair im Original ist angsteinflössender als dieser Eiertritt von Film. Daraus muss man erstmal einen solchen knackigen Trailer schneiden. Die „Langversion“ ist allerdings nahezu unbrauchbar. Auf „Exorcist: The Heretic“-Niveau. Und der gilt immerhin als eines der schlechtesten Sequels in der Geschichte des Horrorgenres. Ja, solche Superlative im Negativen zu „Exorcist: Believer“ darf man sich zur Hand nehmen. Denn er unterbietet sogar „Halloween Ends“ meiner Meinung nach nochmal. Deutlich. Was man auch erstmal hinkriegen muss. Unglaublich. Zeitverschwendung. Lahm und nervig zugleich. Die arme Ellen Burstyn. Die armen Kinderdarstellerinnen. Bitte nicht sofort wieder für eine goldene Himbeere nominieren - die zwei Mädels sind im wahrsten Sinne des Wortes unschuldig. Die Tubular Bells sorgen selbst in hier arg gedämpfter und beschnittener Form noch für Teilgänsehaut. Ein paar teuflische Grimassen und Milisekunden-Zwischenschnitte haben es in sich. Aber ansonsten ist das ein reinstes Armutszeugnis. Selbst für Hollywood-Mainstreamverhältnisse. Selbst wenn man nicht alle zehn Minuten mit dem übermächtigen Original vergleicht. Allein ein Blick etwa auf den diesjährigen „Talk To Me“ reicht, um dieses „Update“ zu entlarven und deklassieren. „Exorcist: Believer“ ist nun selbst für Blinde der letzte Beweis, dass David Gordon Green doch bitte seine Finger von verehrten (Horror-)Franchises nehmen muss. Mir geht seine zynische Art gegen den Strich. Die erste Hälfte von „Believer“ ist vielleicht langweilige Stangenware - das „Finale“ dagegen eine unfreiwillig komische Tortur. Kopfschütteln pur. Der letzte Gastauftritt war klar, wirkt lieblos drangeklatscht. Und selbst als Neuvater hielt sich mein Mitleid mit den Kids und Eltern arg in Grenzen. Ganz klar gibt „Exorcist: Believer“ eine dicke Reservierung für meine Flop 5 des Jahres ab.
Fazit: verstörend schlechter Aufguss eines Mythos' - Green schlägt wieder zu und lässt selbst den Teufel persönlich erschaudern, wie bitter man ihn verhunzen kann. Das doppelte Langeweilelottchen. Aber wenn’s doch nur Langeweile wäre… Die zweite Filmhälfte ist die Pest.