Killer Clowns From Outta Spain
Dass „Killer Book Club“ aus Spanien auf Netflix seine Vorbilder von „I Know What You Did Last Summer“ über „Stranger Things“ bis „Eiskalte Engel“ alle gut kennt, liebt, vermischt, will ich dem Cliquenslasher gar nicht vorwerfen. Ein schniekes Bücherwurmmassaker. Das ist in Ordnung, das würde ich nicht anders ansetzen. Wenn eine Gruppe von (mehr oder weniger) Freunden am College nach einer tödlich missglückten Racheaktion am sexuell übergriffigen Dozenten plötzlich - zuerst online, dann ganz real - von einem rachsüchtigen, mörderischen Clown (der leider eher wie ein Basketballmaskottchen ausschaut) terrorisiert werden…
Als ob eine KI die gängigen, genannten Muster gefuttert und zu diesem chicen, aber komplett uneigenständigen Mischmasch verarbeitet hätte. „Killer Book Club“ schaut teils sexy aus an seiner Oberfläche, doch dahinter findet man dann kaum ein Körnchen Kreativität mehr. Die Studenten bleiben nicht gerade bei einem oder gehen mich etwas an. Die Anzahl ist wohl dafür auch zu hoch. Um wirklich Spannung aufzubauen fehlen irgendwie Talent und Mittel. Es wirkt wie ein artifizieller Potpourri. Nicht total übel, gerade wenn man bei Slashern nicht picky ist. Ein paar coole Songs (u.a. ein feines „It's a Sin“-Cover) sind am Start. Doch es fehlen weitere Alleinstellungsmerkmale und, was fast das Übelste und Todesurteil ist, die guten Kills. Das ist weder einfallsreich noch brutal genug (ohne jetzt komplett unblutig zu sein). Die Maske ist wie gesagt nicht gerade creepy. Und die vielen bekannten Klischees und Muster sollten jedem halbwegs versierten Slasherfan einfach zu plump zusammengemixt herüberkommen. Hier und da kommen Synthies, kommen Gore, kommen Figurenmomente, Hommagen, Jumpscares, Tempo auf. Keine Frage, da will ich nicht lügen. Und, ihr kennt mich, ich bin auch keiner, der bei Slashern zu heftig auf die Wertungsbremse tritt, nur weil es eines der stumpferen und redundanteren Subgenres ist. Ganz im Gegenteil. Aber „Killer Book Club“ wirkt nicht griffig und nicht garstig und nicht giftig genug, um im Gedächtnis zu bleiben. Er tut null weh - was man sowohl als Kardinalsünde als auch als angenehm empfinden kann. Ein etwas liebloser Lückenfüller. Ein rudimentärer Remix besserer Werke, eine Coverversion ohne Rechte oder eigenen Charakter. Für und von einer Generation, wo Slasher einfach nicht mehr die alten sind, nicht mehr so gut rüberkommen, nicht mehr den Wumms oder die Boshaftigkeit haben. Vielleicht/Wahrscheinlich hat das Genre einfach in den 80ern dermaßen gepeakt, dass danach jetzt fast nur noch kahle Ebenen und Wiesen kommen, kaum noch Höhen oder scharfe Kanten, Klippen, Höhlen. Glatt gebügelt und generisch.
Fazit: seichter Clownslasher zwischen „It“ und „Scream“, der durch das spanische Flair vielleicht etwas exotischer und europäischer ist als seine Vorbilder, jedoch ansonsten keine eigenen Druckpunkte und Highlights setzen kann. Für Slasherfans wie mich aber immer noch ein okayer Zeitvertreib. Da muss man an dem Abend aber gnädig und gut drauf sein.